Feb 28
FranzAllgemein
Ab 15.03.2011 werden 72 Seiten im Buchhandel zu kaufen sein, die der Suhrkamp Verlag dem Publikum vorlegt, besagt der Spiegel, welcher vorab einen auszug abdruckt. (9/2011.28.06.) Geschrieben sind die Seiten von Hans Magnus Enzensberger, der damit seinen Reisebericht „Ach Europa!“ aus dem Jahr 1987 aktualisiert.
„Sanftes Monster Brüssel oder Die Entmündigung Europas“ –so der Titel. Nun ja, vom Niedlichen gibt es ja nun eine jahrzehntelange Tendenz zum Kuscheligen, was hinter dem bizarren Monster versteckt wird, damit man nicht die Selbstachtung bei dem Bekenntnis verliert – eigentlich will man es lieb, zufrieden, stubenrein und ohne Probleme. Was neu ist, ist, es hat mal ein mündiges Europa gegeben. “L’État c’est moi“ war der Glaubensgrundsatz bisher jedes Würdenträgers und Europa immer die holde Maid, die eben doch Gefallen dran fand…
Ein wenig erinnert Enzensberger da an Don Quichotte. Nur über den konnte sich auch amüsieren, wer eigentlich nichts verstanden hat. Da haben sich die Zeiten geändert. Enzensberger wird man ignorieren, auch wenn man ihn doch verstanden hat. Dafür wird versucht werden, mit ihm in den multimedialen Hinterbänken ein wenig Quote und Kasse zu machen.
Ich zitiere Enzensberger, wie er Hannah Arendt zitiert: „Sie sprach damals in Kopenhagen vom `Druck einer sich abzeichnenden Veränderung aller Staatsformen, die sich zu Bürokratien entwickeln, das heißt, zu einer Herrschaft weder von Gesetzen noch von Menschen, sondern von anonymen Büros oder Computern, deren völlig entpersönlichte Übermacht für die Freiheit und für jedes Minimum an Zivilität, ohne das ein gemeinschaftliches Leben nicht vorstellbar ist, bedrohlicher sein mag als die empörendste Willkür von Tyrannen in der Vergangenheit`.“
Und? Wen interessiert das? Hat doch alles hervorragend funktioniert. Was die sich alles 1975 nicht vorstellen konnten! Geht doch.
Feb 25
FranzAllgemein, Selbstbetrachtungen
„Ich schildere die Katastrophe, die durch die Liberalisierung der Werte über uns hereinbricht.”
Im 100. Heft „literaturen“ (www.kultiversum.de/literaturen), neben anderem, widmet sich Frau Martina Meister dem wohl letzten Roman von Michel Houellebecq „Karte und Gebiet“ ( DuMont, Köln 2011), lobpreist diesen „bestes Buch, sein lesbarstes und zugänglichstes, sein tiefstes und aufrichtigstes auch.“ Besser geht nicht mehr…
Jedenfalls wird an dieser Stelle dem Autor obiger Spruch zugesagt.
Ach ja, zum buch heisst es: „die Botschaft ist unmissverständlich. Es geht um die Wirklichkeit und um deren Abbild. Um die realität und um die Kunst. Denn die Karte und die Kunst sind interessanter, oft auch schöner als das, was sie abbilden.“
„Ich schildere die Katastrophe, die durch die Liberalisierung der Werte über uns hereinbricht.”
Welche Werte, welche Katastrophe? Was meint Liberalisierung? Und überhaupt wann? Gerade jetzt oder als Warnung? Noch verhinderbar? Und jedenfalls nicht sanft und allmählich, sondern im verschlingenden Sturzbach. Sind dieses „wir“ wirklich ausnahmslos alle? Gibt es keine Gewinner?
Ängstlich klingt das jedenfalls nicht. Da hat sich jemand schon abgefunden.
Genau dies ist so beängstigend.
********************************************************************************************************
Und lese doch im editorial 2/2011 “wissensmanagement” von Oliver Lehnert:
“Wir leben in einer Überflussgesellschaft, in der wir von allem zu viel haben – zu viele freizeitangebote, zu viele Unterhaltungsmöglichkeiten, zu viel Ablenkung. Und zu viele Informationen. aber ist zu viel nicht besser als zu wenig? Nicht unbedingt!”
Passt irgendwie. Klar, er hat zu viel Armut einfach unterschlagen, aber er wollte ja auch auf anderes hinaus. Das Mengendilemma hat Theophrastus von Hohenheim ja schon abschließend hinlänglich erklärt (alles ist Gift, auf die Menge kommt es an) und G. Büchner im Woyzzek vorgeführt, an der Balance laboriert die moderne Ökonomie und um den ausgeglichenen Durchsatz in der Breite kümmern wir uns später.
Fakt ist aber, genau dies, was man braucht, kennzeichnet den Mangel und nicht den Überfluß – sonst brauchte man es nicht. Und die Behebung des Mangels wird heute in Millisekunden, also Echtzeit, erwartet, was gegen die Realität des Mangels selbst spricht. Und trotzdem kommt man nur mit konzentrierter Ignoranz an der allgemeinen Erkenntnis vorbei, die Mangelversorgten fühlen sich glücklicher. Andernorts grassiert Depression und psychosomatische Implosion. So hat jeder seins.
Das ist doch mal ein liberaler Gedanke, oder?
*********************************************************************************************************************
Und konsequenterweise muss ich dann auch das Editorial von Gabriele Fischer zu “brand eins” Märzheft 2011 anführen. Das Heft stellt sich derselben Problematik, wie gewohnt in erfrischend anderem Stil. Gefunden wurde der “freie Bürger”, der Citoyen, “jener freie Bürger, der in Frankreich und den angelsächsischen Ländern stilbildend war, in Deutschland eher nicht. Und der sich nun seinen Platz zu erobern scheint, nicht nur bei uns.” Und es heisst weiter: “Weil es nicht mehr um Geld geht, sondern um Haltung.”
Und ich möchte doch anmerken, wenn man eben doch mehr zu verlieren hat als die Ketten, dann muß man sich Haltung erst mal leisten können. Eben auch materiell!
Und viel grundsätzlicher ist, dass “Haltung” so schön klingt und Selbstbewußtsein beschreibt, aber eben erst entstehen kann, wenn man im ethischen und moralischen Wurzelwerk des Bodenständigen sich seiner selbst vergewissert hat. Sonst kann schnell mal als “Haltung” durchgehen, was eigentlich nur Manier und Muster aus dem Apothekerschränkchen ist, eine beliebige Charge aus einer der vielen Schubladen.
Haltung ist niemals ein Sein, sondern ein Ziel, ist nie Prinzip und immer die Hoffnung. Und mitnichten liberal.
Feb 16
FranzAllgemein, Gesellschaft
Irgendwann und –wo hatte ich hier mal bekannt, ich interessiere mich mehr für die Probleme, als dass mich irgendwelche Lösungen aus dem Sessel reißen. Dazu stehe ich heute noch.
Jede Lösung ist doch nur eine andere Verkleidung für das Problem. Und auch bei ewigem Mummenschanz bleibt es, wie es ist. Probleme gehören beseitigt und nicht gelöst.
Mag sich ja mancher als neuer Mensch fühlen, wenn er sich eine andere Frisur verpassen lässt – das Beste, was er hoffen kann, dass ihm die Frisur hilft, ein anderer Mensch zu werden, sie macht ihn selber nicht wirklich anders – und neu sowieso nicht.
Und als ich gestern über deutsche Schwindsucht in Sachen Fachkraft sinnierte, und dabei über eine „Lösung“ witzelte, gilt dies ganz genauso, nur war ich mir über die Dimension des Problems eigentlich nicht richtig im Klaren.
„Focus-Money“ 8/2011, S. 17 Und schon war die „Lösung“ wieder das Problem.
Wer hätte dies gedacht? „Fachkräftemangel im Milliardenstaat“. Es geht um China.
Natürlich, denkt man, Menschen haben die genug, aber den Wanderhirten kann man eben an keine High-Tech-Maschine lassen. Falsch gedacht. Das ist nicht das Problem, sieht nur wie das Problem aus.
10 Millionen Studenten der Ingenieurwissenschaften gibt es derzeit, waren es gestern und morgen werden es noch mehr sein. Das Problem besteht nicht mangelnder Qualifizierung. „2010 stieg die Volksrepublik erstmals zum Nettoexporteur von Forschungs- und Entwicklungsleistungen in die Europäische Union auf.“
Das Problem besteht darin, China „ist kein Billig-Land mehr. Der rasante Aufschwung in den vergangenen Jahren weckte Begehrlichkeiten beim Volk“. Innerhalb von zwei Jahren stiegen die Löhne um rund die Hälfte – und haben jetzt europäisches Taschengeldniveau.
Die gigantischen Werkbänke Chinas produzieren allerdings so viele Güter, dass diese Unmenge nur über einen bescheidenen Preis zu verkaufen sind. Erhöht sich der Preis, wird weniger abgesetzt und werden die Werkbänke nicht ausgelastet. Ohne höheren Preis sind aber Lohnsteigerungen nicht weiter möglich. Da kann es dann schon mal vorkommen, dass schon das bessere Kantinenessen im Nachbarbetrieb zum Jobwechsel verleitet. Natürlich in chinesischen Dimensionen!
Zitat: „Aber wie findet man über Nacht mal eben 50.000 Mitarbeiter? Fachkräfte, wohlgemerkt.“
Zwei „Lösungen“ behelfen in der Not.
1. Allein beim größten Personalvermittler sind weit mehr als 40 Millionen Menschen registriert. Der Personalverleih floriert.
2. Roboter und automatisierte Fertigung. Mag das kosten, was es wolle – es ist von Stunde Null an billiger.
Das eigentliche Problem besteht doch darin: Die Menschen sind immer noch da und solcherart von Arbeit und Lohn befreit, können die sich auch die billigsten Sachen nicht leisten, obwohl sie jetzt unnötigerweise wissen, dass es sie gibt. Der wahre Fluch des Wohlstands! Egal, wie der verteilt wird.
Interessantes Problem, oder? Kommt mir nur nicht mit Lösungen…
Feb 15
FranzAllgemein
Auszehrung droht. Schon bleiben Hunderttausende Stellen unbesetzt.
Daneben gibt es ein paar Millionen Arbeitssuchende… und einige Dutzend, die sind hauptsächlich auf Gehalt aus. Machen wir uns nichts vor. Zum großen Teil sind das die Falschen; ein Bodensatz, für den es keine Verwendung gibt.
Nehmen wir mal mich selber. Auch wenn es mir nicht an Selbstvertrauen mangelt – mir ist schon klar, mit einigem Aufwand und etlichen Trainingsprogrammen werde auch ich es schaffen, eine moderne Maschine zu bedienen und unkomplizierten Ablaufprogrammen zu folgen, aber so ein multi-disziplinärer Entwickler und Basisforscher wird aus mir nicht. Konstitutive Fehlstellen in meinem Bauplan verhindern das. Da bin ich nicht zu spät dran, sondern von vornherein einfach nicht geeignet. Menschen sind eben unterschiedlich. Manche sind eben mehr Streichelzoo als Zuchtprogramm. Ich will nicht nörgeln, ich bin dankbar.
Derartige Wirtschaftsengpässe hat es schon immer gegeben und die haben letztlich zu den Migrationsdebatten von heute geführt. Menschen sind wie bunte Konfektschachteln ohne Verfallsdatum. Keiner kann wissen, was wirklich drin ist. Und im Kiesfeld funkeln nur wenige Diamanten. Und nicht alles ist recycelbar. So entstehen Halden.
Derzeit gibt es aber die fast sagenhafte Chance, die Quote zu verbessern und menschliche Erzadern ganz ohne taubes Gestein zu erschließen. Und als Zugabe wäre noch weltweite Anerkennung und Schulterklopfen in Europa einzuheimsen.
Da werden doch gerade tausende von hochmotivierten Akademikern am Strand von Lampedusa angeschwemmt. Und Italien stöhnt und bittet um Hilfe und fordert Entlastung.
Nun kann man da ja schlecht hingehen, die Perlen aus die Austern klauben, den Rest liegen lassen und behaupten, wirkliche Hilfe geleistet zu haben. Dahin sollte man also nur Carepakete schicken und gleich die Sache richtig anpacken.
Unter dem Wimpel der Humanität könnten in Nordafrika Rekrutierungsbüros für deutsche Vakanzen eröffnet werden. Eignungstests würden als allgemeine Fortbildungs- und Nachqualifizierungsprogramme laufen und wenn man dann den Rahm von der Molke schöpft, gilt das auch noch als entlastende Jobvermittlung und Aufbauhilfe. Das könnte man sich sogar noch zusätzlich bezahlen lassen.
Bisher kann niemand sagen, ob und wieviele echte Talente auf dem Seeweg verlustig gingen und ob die Gelder für diese heiklen Schiffspassagen nicht anderswo besser angelegt werden könnten.
Und mir kommt noch eine andere Idee. Jene, die den Eignungstest in den Küstengestaden nicht bestehen, müssen ja auch eine Perspektive bekommen. Das Stichwort lautet Pauschaltouristik all inclusive.
Der teure Überhang im heimischen Deutschland bekommt statt Hartz IV und Wohnzuschuss dann eben 12 Monatstickets all inclusive für Nordafrika. Ab mit denen auf Nimmerwiedersehen und dorten können die ansässigen Durchfaller wie gehabt einen Job als Betreuungspersonal bekommen. Sogar mit Nachhaltigkeitsgarantie. Das wäre schon wieder einen Preisnachlass wert.
So wäre einfach allen geholfen. Arbeitsstellen könnten besetzt werden, Hartzler Urlaubsanerkennung finden, Dauerjobs in Entwicklungsländern werden geschaffen und motivierten Afrikanern wird eine berufliche Perspektive mit Aufstiegschancen geboten. Außerdem erschließen sich Absatzmärkte.
Eigentlich sehe ich nur einen unliebsamen Schatten für Deutschland. Die Binnenkonjunktur dürfte endgültig abschmirgeln… Lässt sich aber vielleicht mit ausländischen Touristen ausgleichen.
Feb 15
FranzProduktinformationen
Ich habe eine Weile gebraucht, bevor ich es begriffen habe.
Anfangs war ich irritiert, dass vom Kunden erwartet wurde, die Washington Post in Kleinkummersau billiger zu bekommen als am Kiosk vorm Weißen Haus. Begründung: Dortige Lokalnachrichten haben in deutschen Heidelandschaften nur einen begrenzten Gebrauchswert und auch der Inserateteil wäre eine nachlassheischende Zumutung.
Doch wie sollte das gehen? Schon jetzt waren die Überführungskosten kaum gedeckt.
Dann habe ich es begriffen.
Die Wahrheit ist, das Blatt war in Kleinkummersau nicht wirklich zu teuer, nein, es war schlicht am Kiosk in Washington einfach zu billig. Verfluchte Dumpingpreise!
Ich habe die Wettbewerbskommission informiert und mich bei der Vertriebsabteilung der Zeitung beschwert. Was glauben die denn, was hier deren Käseblatt wirklich wert ist?
Feb 14
FranzSchwärmereien
Geilheit hat Konjunktur. Nicht nur Geiz ist geil, sondern geil ist es auch. Wie sinnlos das ist, zeigt sich in der erschöpften Potenz. Nur Wahn hat noch Kraft, Sinn ist schon perdu.
Ganz, ganz viele Leute können sich ganz, ganz viele Sachen nicht leisten, weil diese zu teuer sind.
So die verbreitete Meinung. Aber stimmt das auch?
Nein, das stimmt nicht. Die Wahrheit ist: ganz, ganz viele Leute können sich ganz, ganz viele Sachen nicht leisten, weil diese zu billig sind.
Das klingt wie Blödsinn. Ist aber keiner.
Wir sind uns sicher einig, dass nicht jeder alles haben kann. Das wäre ja auch ein Widerspruch in sich, zumindest wenn alle eben mehr als einer ist. Im Grunde reicht es ja auch, wenn jeder das hat, was er braucht – plus ein gelegentliches Extra natürlich. Ein wenig Luxus darf es sein. (Muss es sogar! Aber das ist ein anderes Thema)
Üblicherweise ist es doch so, ein begehrlicher Blick fällt auf ein Objekt mit einem Preisschild dran. Und die Kontrolle von Soll und Haben umrankt die Begierde mit Wehmut. Wenn es nur etwas billiger wäre, könnte ich mir den Verzicht ersparen und dafür die Begehrlichkeit leisten.
Ja stimmt vielleicht – ist aber falsch. Denn wenn es billiger wäre, könnte nicht nur ich mir das nicht leisten, sondern viele von denen auch nicht, die es jetzt noch könnten.
Das ist so, weil Wert, Wertschätzung und Wertschöpfung keinesfalls identisch sind.
Es ist doch so, dass die billigsten Sachen (wenn sie nicht nur verramschter Mist und also zu teuer sind) eigentlich ganz prima Angelegenheiten sein können, die nur den einen Makel haben, dass sie nichts wert sind. Sie sind für nichts fast überall zu haben, jederzeit ersetzbar und keiner Beachtung wert.
Außer sie fehlen.
Diese Sachen sind billig, weil sie nichts kosten. Aber wenn sie nichts kosten, sind sie natürlich auch nicht sonderlich gewinnträchtig. Jedenfalls nicht mit einem Gewinn behaftet, den man auch noch teilen könnte, z.B. mit Angestellten oder Helfern, reicht ja nicht mal für den Produzenten selber. Und es müssen gewaltige Stückzahlen verbraucht werden, damit aus nichts, fast nichts, aus nur wenig eben doch noch ein ausreichend wird. Um dem Massenabsatz erst zu ermöglichen, muss es billig sein. Und im Billigen müssen auch noch die Kosten für die Logistik unterkommen, denn für solch wertloses Zeug, würde niemand eine Reise planen, es muss einfach überall vorhanden sein. Zeit und Aufwand für den Verbrauch/Erwerb wären schlicht ein Vielfaches dessen, was auf dem Preisschild steht. Ist doch so. Das will dann niemand haben. Braucht man ja nicht wirklich, liegt doch überall rum.
Um diese niedrigen Preise ermöglichen zu können, und weil ja nicht unendlich an der existentiellen schieren Substanz eingespart werden kann, muss alles, was kostentreibend sein könnte, ausgeschlossen werden. Arbeit beispielsweise.
Die ausgeschlossene Arbeit kann nun nicht mehr auf einen Verdienst zurückgreifen, um sich die billigsten Dinge leisten zu können, obwohl die fast nichts kosten.
Aber es gibt einen Trick: den Service!
Service ist eine Dienstleistung, die einen Zusatznutzen verspricht, sowieso völlig umsonst ist und per Selbstverständnis und der Ehre halber all die billigen Kleinigkeiten gleich mit beinhaltet.
„Beehren Sie uns wieder“, tönt es. „Nein , nein, nehmen sie nur, wir verschenken ja nichts, sie helfen uns doch nur, die Bevorratungskosten einzusparen… Kauft doch niemand mehr! Entsorgung käme teurer.“ – Ja, wir uns auch!
Ist das nicht auffällig?
Die billigsten Dinge mit dem geringsten Gewinnanteil erfordern zumeist den höchsten Erstinvestitionsaufwand. Von der Tischserviette bis zur Fahrplanauskunft.
Beides kann man völlig umsonst am heimischen PC bekommen, und den hat man ja schon.
Der Umwelt zuliebe, bitte nur als Bildschirmansicht.
Wäre es nicht schön, wenn die Sachen alle eben nicht billig wären – sondern ganz furchtbar teuer?
Wenn ich mir die teuren Sachen auch nur nicht leisten könnte, wäre das nicht so schlimm, weil erstens änderte sich im Ergebnis ja nichts und zweitens wäre mir von vornherein klar, dies sind eben Sachen, welche nicht nebenher mal mitgenommen werden, sondern erarbeitet und erspart werden müssen. Es lebe der Luxus. Es geht auch ohne, aber er ist erstrebenswert – nicht selbstverständlich.
Feb 11
FranzAllgemein
war 1986 die verblüffende Antwort für einen Anrufer auf die Frage, was denn am Abend im Kino gezeigt würde. Nein, er konnte sich`s nicht aussuchen, sondern so hieß der Film von1982, der bei Progress erst später in die Kinos kam. Das Feuer im Studiokino Leipzig musste gelöscht werden, just als der Film lief „Zünd an es kommt die Feuerwehr“. Wahrhaftige Begebenheiten, die heute, medial gedrillt, keinen mehr verwundern – damals aber musste man dabei gewesen sein, um für einen Hauch glaubhaft zu sein.
Worauf will ich hinaus? Das Schicksal benutzt für seine Witze meist die Hintertreppen.
Gerade jetzt gibt es paneuropäische Schelte für das Parlament, jene demokratischen Volksbegehren in Afrika und Kleinasien nur ungenügend zu unterstützen. Da fielen mir diese Anekdoten ein. Da der Löschzug bereit steht, werden die Parlamentarier aufgefordert, die Brandfackel zu werfen. Eben jenen zuzuwerfen, die zu befragen wären, wie sie es denn gern hätten. Und weltweit wird gefachsimpelt und per Kommission geforscht, wer wohl im arabischen Raum Repräsentant und Ansprechpartner für demokratische Bemühungen sein könnte, wer verhandlungsfähig ist. Und dann wen repräsentiert? Wie hätten wir`s denn gern?
Im „Zeit“-Interview sinniert die slowakische Ministerpräsidentin Iveta Radicová über demokratische Traditionslinien und formuliert: „Wir können die demokratischen Regeln in diesem Teil der Welt nicht mit unseren vergleichen. Das sind andere Gesellschaften mit anderen Regeln, einer anderen Kultur und Geschichte“ Es gäbe unterschiedliche Arten von Demokratie in der Welt, wobei aber keine besser oder schlechter sei als die andere. Und später dann: „Sie haben keine eigene Geschichte der Demokratie. Deshalb haben sie eine ganz eigene Sicht auf ihre Zukunft.“
Für mich sind dies sehr kluge Worte.
Auch wenn es schwer fällt, die eigene Sicht auf die scheinbar einzig richtige Fassung einer demokratischen Ordnung ernsthaft in Zweifel zu stellen. „Woda“ sei das falsche Wort für Wasser, weil, Wasser ist nun mal Wasser! Das gelte für Demokratie auch. Und ist Unsinn.
Stereotype fußen fest auf verinnerlichte Erfahrungen und unterliegen dem Zahn der Zeit.
Als Beispiel:
Noch heute ist der „Westen“ bekümmert, wenn er das demokratische Gebaren der Russen betrachtet. Wieso eigentlich? 30 Jahre nach der Aufhebung der Leibeigenschaft starteten die Russen den Höhenflug, aus dem Stand heraus eine nach-demokratische Gesellschaft zu erbauen. Verwundert das Scheitern? Sie landeten dort, wo sie gestartet waren. Man kann Erfahrungen nicht ersetzen, nur durch Versuche wandeln. Und jede Zeit zeitigt ganz eigene.
In den USA gibt es das anrührende Traditionsbild des Pioniers und fleißigen Farmers, der die Frucht seiner harten Arbeit als Gutmensch gegen Desperados verteidigt. Das Genre des Western lebt davon.
Wahr ist doch, die Beute war verteilt und der eigene Anteil wird gegen die Zuspätgekommenen verteidigt. Die Zeitläufe hatten längst Raubgut zum Besitz gemacht.
(Ist es nicht hochkomisch, wie ausgerechnet jetzt über die Büste der Hatschepsut gefeilscht wird?)
Wo sind sie hin? – die Kindergarden von Fra Girolamo Savonarola, das bolschewikische Aufgebot der 20.000 oder die Initiatoren der Montagsdemonstrationen? Als aus dem Slogan „Wir sind das Volk“ dieses „Wir sind ein Volk“ mutierte, waren letztere schon wieder Geschichte.
Vielleicht verhilft der arabische Neuanfang und womöglich der ganz eigene Weg der unsrigen Demokratie aus den agonischen Zuständen. Wer kann das wissen? Manchmal gibt es ja seltsame Lösungen.
Auch da fällt mir ein Beispiel ein. In völlig verhärteten Fronten standen sich einst unversöhnlich Lebensansichten gegenüber, die schon (Zeit!!!) längst nichts mehr mit dem tatsächlichen Leben zu tun hatten. Die überlebten Prinzipien hatten mit nachfolgenden Herausforderungen nichts mehr zu tun. Eine witzige Lösung, diese Prinzipien sich selber zu überlassen fand Aristophanes um 411 v.u.Z. in seiner Komödie Lysistrátē. Und schon damals war das kein Boulevardstück!
Aber noch einmal zu den Wegen in denkbare Zukünfte. Das mag anmuten wie das Hochgebirgswandern. Die einen nutzen gesicherte Pfade und andere werden vom bloßen Anblick des fernen Gipfels gleichsam über alle Schluchten gezogen.
Die einen brauchen eben das Geländer der Macht, an das sie sich halten können, halten und festhalten, geschützt aber eben auch geführt, egal dabei, welche Umwege so durchschritten werden müssen. Solche Bevormundung kann durchaus auch Hilfe sein.
Andere haben das Leuchtfeuer des Ideals, an dem sie sich immer wieder neu orientieren und ausrichten. Hier wird es auch Umwege geben und Abwege, aber solange das Ziel erkennbar ist, bleibt die Richtung stimmig.
In den “Alt-Demokratien” sind aber die Gipfel in Nebel gehüllt, die Ideale verblaßt, das sichtbare Leuchtfeuer durch ein schwaches Teelicht ersetzt. Keiner glaubt mehr daran. Ideale sind sowieso unerreichbar, verzichten wir drauf. Es geht nur noch darum, im Unterwegs nicht abzustürzen, sich bei rauhem Wetter den schützenden Überhang zu bewahren und jeder will möglichst nah am Feuer sitzen. Verdeckt vom Überhang, hoch droben, soll es irgendwo den Gipfel geben, unerreichbar – wen interessiert das noch. Helden gab es schon früher genug, jetzt geht es ums Überleben.
Achilles hatte sich dagegen entschieden! - und die Unsterblichkeit errungen.
Feb 10
FranzAllgemein
Wenn das jemand sagt, lächeln alle. Deshalb sagt er es ja. Und gesagt wird es allerorten, immer öfter, und hin und wieder auch mal laut.
Gründe dafür sind schlicht und einfach, man will seine Hoffnungen behalten, die Wahrheit nicht wissen oder einfach eine Auffforderung vermeiden, sich auch noch mit diesem Mist befassen zu müssen.
Und außerdem sind Zweifel anstrengend. Erstens erfordern die eine argumentative Rechtfertigung und zweitens auch die leidvolle Unhöflichkeit des Widerspruchs. Macht man nicht gern.
Überzeugend belogen zu werden, bewahrt den Seelenfrieden.
Genau dafür wurden die Statistiken erfunden. Man will etwas wissen und muß es nicht glauben. Mehr Freiheit geht nicht.
Erinnert auch ein wenig an wetterunabhängigen Anglersport. Stoisch und gelassen schaut man zu, wie sich der Fisch abmüht, an den Haken zu kommen. Und dann ruckt man kräftig an der Leine.
Jens Jürgen Korff sagt: “Wer exakte Zahlen will, fordert andere zum Lügen auf.”
Lügen mit Zahlen, Jan.2011 Heyne-Verlag, Gerd Bosbach/Jens Jürgen Korff
Und damit alle was davon haben folgt im April 2011 vom Dortmunder Hochschulprofessor Walter Krämer “So lügt man mit Statistik”.
Klar, jeder will das wissen und lernen, denn wenn das auch schon alle wissen und glauben, besser ist, man macht es richtig, weil man es kann. Auch darüber gibt es verwertbare Statistiken.
Es ist nun mal so. Statistik schlägt jede Erfahrung und gefühlten Dingen ist sowieso zu mißtrauen. Da weiß man, was man nicht hat!
Fragt doch eure Dating-Agentur….
kleine Anmerkung noch: Prozente stimmen immer! Auch quer gelesen…
also bitte doch: Belügt mich! sonst müßte ich womöglich das selber tun
und noch ein Nachtrag:
“LO Lernende Organisation.Zeitschrift für Relationales Management und Organisation” ISSN 1609-1248
No 59. Januar/Februar 2011
“Relationales Denken und Handeln”
Und ich muß ganz einfach aus dem Editorial zitieren, welches fragt, ob wir zu Obigem schon reif sind:
“… wir erleben Krise – “es” ist Krise und dann müssen wir eben mitmachen, ob wir wollen oder nicht…. Und das Beste: All das hat nichts mit uns zu tun; wir sind ja nur ein kleines Rädchen im System, wir zählen ja nicht…”
DAS müßte eigentlich auch mal in einer Statistik erfasst werden!
Feb 08
FranzAllgemein
Das hat zumindest eine gute Seite und eine schlechte Seite. Obwohl, von den Schlechten sicher mehr.
Normalerweise, denke ich mir jedenfalls, sollte jeder Mensch mit sich im Reinen sein und sich selber auch wertschätzen.
(Der Wert selber ist unwichtig und schätzen meint auch eher nicht vermuten, sondern mit Überzeugung zuerkennen)
Nur dies versetzt den einzelnen Menschen letztlich in die Lage, mit der Überzeugung von wichtig und richtig mit anderen Menschen zu kommunizieren, im Leben aktiv zu werden und sich im gesellschaftlichen Leben auch, wie man so schön sagt, einzubringen.
(wer sich nicht selber einbringt, wird abgeholt, sofern zumindest für andere irgendein Nutzen oder Wert erkennbar ist)
Etliche Menschen sind sich allerdings derart ihrer selbst sicher, so 100%ig eins mit sich, dass sich diese Frage gar nicht stellt.
(wie beneide ich sie doch)
Aber auch dies hat schlechte Seiten, denn zumindest diese, dass wer sich nicht in Zweifel stellt, dem kann wohl kaum eine sich selber bewusste Rolle an der eigenen Entwicklung zugeschrieben werden.
Aber gut, man muss ja nicht unbedingt alles selber machen, man kann auch machen lassen… oder äh, man lässt nicht machen, was ja ein Auftrag sein könnte, sondern duldet nur, was andere machen oder besser noch, was Gelegenheit und Umstände so aus ihm machen.
Aber wenn ich das recht bedenke, hätte diese an sich schlechte Seite auch wieder einen unschätzbaren Vorteil. Einfach den der andauernden unverstellten Unschuld.
(Dass das Unterlassen auch eine Schuld sein kann, wird erst bei bewusster Aktion wirksam)
Und es gibt ein weiteres Plus: Nie und nimmer kann solchen Menschen eine Form von Egoismus, Selbstgefälligkeit, Selbstsüchtigkeit oder ähnliches unterstellt werden, denn dies hätte ja immer zur Voraussetzung, dass irgendeine Form von Abwägung und Entscheidung vorausgegangen sein müsste.
Womöglich verbergen sich hinter diesen Zeitgenossen die wahrhaft Zufriedenen, denn was ist , ist eben und Sein ist nicht nur eine Tatsache , sondern damit auch unbezweifelbar und eigentlich als Realität alternativlos gut. Mögen andere Möglichkeiten denkbar und möglich sein, mangelt es diesen doch am Wesen der Tatsächlichkeit, am schlichten Sein. Und die Einzigartigkeit des Seins kann auch von der Unendlichkeit des Nicht- oder Noch-Nicht-Seins nicht wirklich erschüttert werden. Jetzt ist eben, was ist.
Aber mein Grauen rührt aus dem genauen Gegenteil. Zwar gilt für mich auch, das ist, was eben ist, nur hätte dies eben auch anders sein können.
Das ist zweifelfrei verrückt, denn das , was war, das ist erst recht eine unabänderliche Tatsache und wenn aus dem Gewesenen genau diese Einzigartigkeit des jetzigen Seins geworden ist, dann doch aus dem einen guten Grund, dass es nicht anders ging. Denn wenn anderes wirklich möglich gewesen wäre, dann wäre es wirklich geworden, somit das aktuelle Sein, was es ja auch ist. Folglich ist das Andere sowieso nur das Eine und das Eine auch jedes Andere.
Und wenn dies für das Gewesene gilt, sollte es dann nicht auch für das Kommende gelten? Von der Unzahl der Möglichkeiten wird sich genau dies als Sein realisieren, was zwangsläufig aus den aktuellen Gegebenheiten sich ergibt, nur dies und nichts anderes. Eines geht nur. Aus Tatsachen werden Tatsachen und das verhindern keinerlei Hirngespinste. Wenn es aber so ist, dann ist es eben auch unsinnig, seine Kraft und seine Gedanken an die vielen Möglichkeiten zu verschwenden, die nicht sein werden und es wäre effizient und ausreichend, sich gleich darauf zu orientieren, was eben sein wird, zwangsläufig. Alles andere ist schlicht Verschwendung.
Und es ist unbestreitbar, dass ein großes Maß an Not aus der Verschwendung rührt, oder?
Richtig, ich sitze wieder in der Falle. Denn wenn Not auch der Verschwendung zuzuschreiben ist, dann ergibt sich eine Abhängigkeit, die zweifach gleich beschrieben werden könnte: Mit weniger Verschwendung, weniger Not und ohne weniger Verschwendung auch weniger Not. Es folgt in jedem Fall weniger Not. Was nicht sein kann, denn es gibt diese Not. Aber weniger Not wäre eindeutig besser. Da wäre, hätte, könnte aber nicht zählen, ist das alles der reinste Irrsinn. Was ist, ist eben. Das muss man anerkennen.
Wie ich auf diesen Irrsinn überhaupt gekommen bin? Ich habe mich ertappt. Als ich in der Februarausgabe der Zeitschrift „ParisBerlin“ blätterte , fand ich das Abbild einer Frau, über die ja auch im letzten „Cicero“ geschrieben worden war: Marine Le Pen, Frontfrau der Front National in Frankreich. Und drunter ein Artikel der überschrieben war: „Wölfinnen im Schafspelz“. Da hieß es:“…ein fast gern gesehener und scheinbar moderater Gast in allen Medien…“ , um dann zur Klarstellung die Frau sofort den Neonazis gleichzusetzen.
Von mir aus gern, nur… was bedeutet dies eigentlich?
Millionen Tote und aberwitzige Ungeheuerlichkeiten hat der menschenverachtende Nationalsozialismus deutscher Prägung im letzten Jahrhundert verursacht (unter Billigung und Mitschuld allerbreitester Bevölkerungskreise, die ja nach dem „totalen Krieg“ lechzten) und doch erhoffen sich die neuen Nazis oder erneuerten nationalen Sozialisten in einem demokratischen Verfahren inmitten von Kerneuropa so viel Zustimmung zu erlangen, dass sie berechtigte und rechtliche Lenker des Geschehens werden…
Aber genau dies erhoffen sich die Wettbewerber um die Gestaltungsmacht ja auch! Wo ist der Unterschied?
Sollte ich erinnern an die Versklavung der halben Welt unter das leidende Dogma des Christentums oder die höchst national organisierte Zustimmung der Sozialisten zum I. Weltkrieg?
Nein sollte ich besser nicht. Der „Wolf im Schafspelz“ erinnert in der Märchenwelt an die falschen Versprechungen und deshalb erinnere ich lieber an die gebrochenen Versprechungen.
Im Ergebnis ist es wahrlich für mich gleich, ob mir ein falsches Versprechen gegeben wurde oder ob das richtige Versprechen nur nicht gehalten wurde.
Aber wenn das Ergebnis auch gleich sein mag, die Voraussetzungen sind anders. Die Andersartigkeit liegt in der Absicht. Einer konnte das Versprechen nicht halten, der andere wollte das Versprechen nicht halten.
Gut, dann wäre dies geklärt.
Bleibt die Frage, wer denn nun eigentlich genau was verspricht.
Und da wird die Situation etwas brenzlig. So schauerlich mir einige brachiale Versprechen der Neonazis auch vorkommen mögen, sie sind, scheint es, ehrlicher, als die bewusste samtweiche Irreführung, die die Wettbewerber betreiben.
Die einen gegenüber den anderen zu bevorteilen, scheint mir durchführbarer als mit zwei Fischen und einem halben Brot die ganze Welt zu ernähren oder den allgemeinen Mangel so umzuverteilen, dass jeder ohne Mangel auskommt oder den Reichtum so zu konzentrieren, dass wirklich keiner was davon hat.
Ehre und Ehrlichkeit gehören ja nicht zwingend zusammen und schon immer wurde der gescheiterte Ehrliche verlacht und der erfolgreiche Lügner geehrt. Vertrauen wir eben darauf.
Was mich umtreibt: bin ich selber nun schon ein Nazi?
(Und um diejenigen nicht zu entmutigen, die es immerhin bis hierher geschafft haben, zu lesen, meine ich, denen will ich den von mir favorisierten Ausweg aus dem Dilemma nicht versagen.
Da niemand mit irgendeinem Weg eine definierte glückliche Zukunft garantieren kann und somit immer bei jedweden Versprechungen der Gefahr des Scheiterns ausgesetzt ist, kann eigentlich keine ehrliche Partei solche abgeben und auch die weniger ehrlichen sollten dies nicht tun. Und auch die lieblichen Tricksereien sind verzichtbar. Wer für etwas steht und dann scheitert, ist nicht etwa entschuldigt, sondern gescheitert.
Vielleicht ist es heute eher angebracht bei all diesen Unwägbarkeiten und Unsicherheiten, dass man eher eine klare Position zur Verweigerung bezieht, nicht Träume verspricht, sondern nein zu Auswüchsen sagt.
5 Millionen neuer Jobs, von denen man aber nicht leben kann, sind entweder unwirtschaftliche Sozialtherapie oder Begünstigung von Ausbeutung . 1EuroJobs sind entweder Erpressung oder Angebote für Freiwilligkeit. Sozialhilfe ist entweder eine Hilfe oder eine Kreditverpflichtung.
Subventionen untergraben die Marktregulierung auch wenn sie allen gegeben werden. Wenn man Arbeit besteuert, begünstigt man maschinelle Effizienz. Wenn man den Verbrauch von Ressourcen besteuert, begünstigt man Arbeit. Wenn man Vermögen besteuert, bestraft man Konsumverzicht und den Aufbau von wirtschaftlichem Eigenkapital. Wer zentralisiert, zerstört die regionale Identität.
Wer dezentralisiert, verweigert sich dem allgemeinen Standard . Wer normiert, verhindert die Vielfalt. Wer auf Geld setzt, verblindet die Produktivität. Wer sich beteiligt, kann vom Risiko nicht ausgeschlossen werden. Wer Zins gibt oder nimmt, schadet dem Marktwettbewerb und stellt Quantität über Qualität. Wer den Reichtum bemisst, muss auch Armut bewerten können. Wer von Lebensniveau redet, sollte über Lebensqualität nachdenken.
Und als Ausblick:
Die Globalisierung ist eine notwendige Zwischenstufe für den Wettbewerb der Regionen, mehr nicht.
Wenn im allgemeinen Vergleich der Standards sich die Regionen wieder als gewünschte Abweichung begreifen, ist die Globalisierung Vergangenheit, weil alles Nichtregionale regionaler Luxus ist. Luxus ist aber niemals effizient, sonst wäre es ja keiner. Und das sogar überall auf der Welt.
So gesehen, ist die tatsächliche Einzigartigkeit (ganz oben) eben doch sehr vielgestaltig.
Der Weg zum Ziel ist aber schon wieder ein anderes Thema.
Feb 07
FranzAllgemein
Die Eigentümlichkeit ist, dass heutzutage nach der Grundschule niemand mehr Löschpapier braucht.
Ein Wochenende, zwei Tage, zwei Kinofilme. Und Glück gehabt. Ich würde beide Filme jenen Ministerien empfehlen, die für die Konditionierung von Abiturienten verantwortlich sind, um sie als Rahmenprogramm in die Ausbildung zu integrieren. Einen, um am Start zu vermitteln, worum es eigentlich gehen wird, und einen, um darauf hinzuweisen, dass man für sein Leben selbst verantwortlich bleibt.
Aber wahrscheinlich würde solch Vorschlag auf Unverständnis stoßen, denn mir schwant, in die Ministerien schaffen es nur solche Menschen, wie die, die im Kulturbetrieb sich eine beherrschende Stellung als Kritiker und Feingeister erarbeiten konnten: ausgestattet mit einem enzyklopädischen Fachwissen und als fein justierte Messinstrumente, können sie alles erfassen und zuordnen, nur fühlen und miterleben tun sie nichts. So eingenommen von der eigenen Kompetenz, verbleibt nur der Lostopf, falls doch etwas über ihren Horizont geht, entweder muss das unsäglicher Schrott sein, oder aber es ist göttliche Offenbarung, also Kunst. Es sei angemerkt, da denen die unmittelbare Erlebensfähigkeit fehlt, fehlt gerade das fundamentale Element, welches Kunst zu Kunst macht. Zu den raren Ausnahmen im kunsthandwerklichen Marktgeschehen finden solche Leute trotz oder gerade eben wegen ihres Fachwissens keinen Zugang. Namen brauche ich keine zu nennen, denn diese Leute sind überall die bekannten Platzhirsche, erlaucht und sakrosankt.
Zu den Filmen:
„Black Swan“ von Darren Aronofsky
zu dem Film scheint schon alles gesagt zu sein! Jedenfalls alles, was nie hätte gesagt zu sein brauchen.
Warum der Film aber ein echtes Kunstwerk ist, nicht nur preisverdächtig, bedeutend, lobenswert, Zuschauermagnet usw usw, sondern tatsächlich Kunst, und so irre das klingt, gleichzeitig eine theoretische Auseinandersetzung darüber, was das Wesen von Kunst ausmacht, das hört man weniger. Darüber würde ich gerne reden, monologisieren aber ganz sicher nicht.
Aber ich will den Film empfehlen. Und auch allen denjenigen, die bisher eher vom öffentlichen Gelaber eher abgeschreckt wurden.
Keine Angst, es ist kein Balletfilm, auch wenn er in den Probenräumen vom Ballet gedreht wurde.
Balleteinblendungen finden nur ganz wenige statt. Und er ist natürlich auch kein Psychoduell . Nix mit Pokerface im rasanten Geschehensthrill. Und es geht nirgendwo um ein Gegeneinander, um einen Wettbewerb zwischen Kontrahenten. Eigentlich ist der Film ein Verlaufspsychogramm, Abbild der Selbstfindung, sich selber in und inmitten aller anderen. Betrifft jeden und könnte auch in jedem Wohnungsverwaltungsbüro stattfinden. Das Balletsujet ermöglicht eben nur wunderbare Bilderwelten, die Erklärungen verzichtbar machen und fühlen und erleben lassen, ganz egal, ob man im Kinosessel nun ein Faible für Tanz , Theater oder sogenannte Hochkultur hat oder mehr bodenständiger Alltagssorgenmensch ist.
Schaut euch den Film an, ihr werdet es fühlen und braucht keine fremden Erklärungen zum eigenen Fühlen. Ob ihr das wollt oder nicht, dieses Fühlen, spielt keine Rolle, wie man an allen Gesichtern derjenigen erkennt, die den Filmsaal verlassen… Ihr werdet es auch.
Und als sportlichen Anreiz: Zwar unerheblich, doch es ist nicht unbedingt festgelegt,was den nun real geschieht und was da Wunsch und Wille ist. (ganz anders allerdings, als in dieser Krach-bumm-Langeweile von „Inception“)
“another year“ von Mike Leigh
Das Leben ist hart und manchmal eben auch gerecht. Von der Lust am eigenen Leben. Im Grunde geht es darum, für sich selber und seinem Leben eben auch selber verantwortlich zu sein. Diese Verantwortung wird ja gerade in unseren Zeiten überall eingeklagt, falls etwas diese in Gefahr bringen sollte. Hat man sie aber, ist sie an und für sich eher lästig – und irgendwann ist es dann zu spät.
Und genau dieses Phänomen wird wunderbar am Jahreszeitenverlauf des Schrebergärtners dargestellt. Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber ob die Herbstsaat noch so richtig Ertrag bringen wird, bleibt fraglich – und: auf das Leben gesehen, es gibt kein „zurück auf Anfang“, nach dem Winter ist definitiv Schluss, aus und vorbei. Mögen wir auch gern vom 2. oder 3. Frühling reden.
Das hört man nicht so gern. Das will man nicht wissen. Wenn das tatsächlich Tatsache ist, braucht man sich darum nicht zu kümmern, passiert ja sowieso….
Ja so ist es. So ein richtiges Spaßerlebnis ist dieser Film nicht , trotz aller Heiterkeit, trotz aller Witze, doch das merkt man erst, wenn die Uhr abgelaufen ist. Dann gibt es keine Optionen mehr.
Wohl aber vorher… erkennt man eben erst hinterher.
Der Film ist so gut, wie das Leben selbst – nur kürzer.
Older Entries
Letzte Kommentare