Marke – da weiß man, was man hat. Was eigentlich?
Mrz 16
Gesellschaft, Produktinformationen No Comments
Aus „Absatzwirtschaft . Marken 2011“ März/2011, S. 38, Alexander Rauch:
„Für diejenigen, die geglaubt hatten, Marke ist gleich Werbung, bricht mit den neuen digitalen Kommunikationskanälen eine Welt zusammen.“
Das ist schon klar, der tiefe Bückling vor dem Kunden. Dem kann man jetzt nicht mehr irgendwas vorsetzen, zudröhnen und zudem noch zur Dankbarkeit auffordern, sich vom Glanz der Marke aufwerten zu lassen, obwohl doch eigentlich nur ein Schnoddel. Nein, plötzlich ist der Kunde zwar überall, nur nicht am Altar der Ladenkasse, und zudem noch mutwillig auf Bauchpinselung bedacht, aber man muss dem hinterherrennen, mit Schnäppchen ködern und auf Gnade hoffen. Zur Ware gehört das Showprogramm.
Natürlich ist das Produkt selber nicht unwichtig und darf auch nicht vernachlässigt werden, aber vielleicht eben doch auch nicht besser als der Rest vom Ramsch und deshalb bedarf es der „Markencommunity“. Mag diese möglicherweise aus Halbaffen und Spinnern bestehen, wenn die hier sind, sind die nicht beim Wettbewerber und Geld haben die auch. Der Umsatz muss stimmen. Und zwar nachhaltig. Auch morgen noch. Deshalb machen wir das.
Egal ob der Kunde Allwetterkleidung, Zahnseide oder PC-Programme haben will, ob der Routenplaner zum Schnellimbiss gefragt wird oder Omis Geburtstagsständchen, zuerst muss dem potentiellen Kunden das geboten werden, was der am meisten braucht, ob er es nun weiß oder nicht: Selbstwertgefühl und Zugehörigkeit.
Das Schöne daran: wenn auch Megaerlebniswelten bereitgestellt werden und elitäres Zugehörigkeitsgefühl gehätschelt wird, real kommt der Mob aus seinen Ghettos nicht raus und an der Bar der Business Lounge bleibt man ungestört.
Was macht eine Marke nun eigentlich aus?
Man kann darüber anderer Meinung sein, aber o.g. „Absatzwirtschaft“ zeigt es ab S. 99 am Beispiel ganz transparent:
-„ Ob Frau Palin qualifiziert ist,… sei dahingestellt“
-„Die Politikerin Palin hat alles, was eine gute Marke braucht.“
-„Erstens, ist sie hübsch. Zweitens, sie hat eine gute Figur. Damit hat sie schon fast eine Alleinstellung“
-„es kommt zunehmend auf das richtige Handwerkszeug an und weniger auf normative Inhalte“
-„nutzt Palin dabei Social Media wie Facebook und Twitter, um ihre Anhänger durch einen konstanten Nachrichtenfluss zu binden und zu mobilisieren“
-„wie jede gute Marke spricht sie die Gefühle ihrer Anhänger an“
Das scheint alles wirklich harte Arbeit mit einer gewissen Dosis an Selbstverleugnung zu sein und da kann man den Markenmachern nur Respekt zollen. Allerdings scheinen Ware und Kunde eher zweitrangig und simpel. Kunst und Können stecken in der Verführung – wen und zu was ist da gleichgültig.
Es muss doch Gründe haben, dass sich Markenbewusstsein so wandeln konnte!
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