Apr 29
FranzDemokratie und Recht, Gesellschaft, Schwärmereien
sind unterschiedlich. Die einen folgen ihren Erwägungen in der Sache, die anderen dem Padre-Padrone-Prinzip.
Letzteres kann Konsequenzen haben, vor denen schon vor tausenden von Jahren im Gleichnis vom verlorenen Sohn gewarnt wurde.
(Aber Grundlagentexte wie diese oder Verfassung oder Menschenrechte liest ja heute niemand mehr, weil irgendwie doch schon bekannt)
Jedenfalls kann man gerade heute die Auch-Folgen solchen Tuns in der nördlichen Mittelmeerregion besichtigen. Zur Südregion komme ich noch.
Nördlich der Alpen war das Padre-Padrone-Prinzip meist nur in Kombination mit der Erblast der Gefolgschaftstreue bemerkbar.
Nach dem Ende des II. Weltkriegs wurde 60 Jahre die Selbstberuhigung gepflegt, dass eigentlich niemand etwas gewusst oder getan hatte und die Beteiligten mehr oder weniger selber Opfer waren.
Mahn- und Denkmäler wurden als erinnernde Prachtschaustücke errichtet, um sich nicht erinnern zu müssen, Mahnung war sowieso nicht mehr nötig und für „mal Denken“ blieb keine Zeit.
Eigentlich wäre Dornröschens Erwachen angesagt gewesen, zumindest seit der Publikation „Soldaten . Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben“ (ISBN: 978-3-10-089434-2 ) , aber auch das Autorenpaar ist in Gefolgschaft und beschwichtigt sofort wieder: „Die Wehrmachtsoldaten waren ganz normale Soldaten, sie haben sich auch verhalten wie ganz normale Männer.“( LVZ, 14.04.2011, s. 11)
Aber gut, nach dem Kriegsende gab es womöglich in den kommenden Jahren bis heute mehr Tote durch Kriege als im Weltkrieg selber, was auch den anderen Verhältnissen und Bedingungen dieser längsten Friedensepoche der Menschheit geschuldet war. Jedenfalls auch im Spannungsfeld von Befürwortern und Jasagern.
Dabei schwant mir, dies könne vielleicht nur das Vorspiel zu viel Größerem gewesen sein.
Das glaubt wohl keiner sonst noch und bedarf der Erläuterung.
Einleitungsfrage:
Sollte ich nicht dort hingehen, wo ich mich wohl fühle, wo ich einen Platz unter Gleichgesinnten einnehme?
Hätte ich vor 10 Jahren noch schlicht „Ja“ gesagt, kann diese Frage heute nicht mehr beantwortet werden.
Sollte ich mich etwa unwohl fühlen?
Nein, natürlich nicht.
Was denn dann? Wo ich mich wohl fühle, soll ich nicht sein, aber unwohl soll mir auch nicht sein?
Richtig. Denn dies ist manipulativ verdreht.
Seit Ewigkeiten konnte sich der Mensch den Auseinandersetzungen nicht entziehen und im Streit um Differenzen schliffen sich Extrempositionen ab, schufen einen Ausgleich, erbrachte eine neue Basis. Die Schlichtung von Gegensätzen erbrachte etwas Neues.
Das muss heute nicht mehr so sein oder besser gesagt, das wird immer schwieriger. Einigkeit wird immer seltener durch die Auseinandersetzung hergestellt und immer häufiger durch Ausschluss der Differenzen. Ganz ohne Streit und ohne Hader und ohne Schlichtungsnot.
Ist das nicht prima? So ohne Streit, ganz ohne Unterdrückung, ein friedliches Nebeneinander?
NEIN, ist es nicht! Es ist nicht friedlich, ist nicht unterdrückungsfrei. Und es ist ignorant!
Und besteht nicht die Gefahr, dass – wenn sich Spannungen nicht im fortwährenden Streit entladen und ausgleichen – dass sich polare Positionen so stark aufbauen, dass ein harmloser Ausgleich nicht mehr möglich ist und sich nur blitzartig und extrem entladen?
Man bedenke nur, ein ganzes Drittel der geschätzten 1,7 Milliarden PC-User versammeln sich zu einer starken Facebookgemeinschaft.
Welch gigantisches Netzwerk und welch multifunktioneller Informationskanal! Welche Durchsetzungsmacht!
Wahnsinn.
Man sehe nur auch bitte die gigantische Unterdrückungsmacht. Wieso das denn?
Überall kann ich mein „Gefallen“ kund tun – das Gegenteil nicht. Ich kann „Ja“ sagen, aber nicht „Nein“. Ich kann auch nicht vermitteln. Jedes „Ja“ ist absolut und zu 100%. Weniger geht nicht.
Ein fehlendes „Ja“ ist dabei beileibe kein „Nein“. Es ist der Ausschluss, das Nirvana. Es gibt keine Gegenstimme.
Niemandem muss „gefallen“ , was ihm nicht gefällt. Aber dann ist er weg. Keine Verlinkung, kein Suchpfad, keine Öffentlichkeit in der Gemeinschaft.
Und wo es keine andere Meinung gibt, besteht auch kein Bedarf zur Prüfung. Jedem seines – nur eben ohne wechselseitige Kenntnisnahme.
„ Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen“ ist das passende Sprichwort.
Zähle ich nur die gesunden Bäume, habe ich keine Vorstellung davon, wie krank der Wald sein könnte. Oder umgekehrt.
(und damit erfülle ich jenen Verweis auf das mediterrane Südufer. Die arabische Welt hat via Social Media ein geschlossenes „JA“ gegen die Diktatoren organisiert, aber keine Übereinkunft für die weitere Zukunft erzielt. Nach dem Diktatorensturz wird es schwierig)
Die große Vernetzung hat bisher keine große Veränderung in der Debattenkultur erbracht, die Veränderung besteht allein darin, dass ich mir die Gruppe aussuchen kann, innerhalb der ich einer Sache zustimme. Eine Debatte zwischen den Gruppen ist dagegen ziemlich erschwert, gar unerwünscht.
Dies spiegelt sich sogar in den offenen Foren, wenn große Medienportale über ihre offenen Kommentarfunktionen eigentlich Debatten zulassen. Zumeist finden diese nicht statt. Wie Kuhfladen auf der Wiese reihen sich Meinungen aneinander, nehmen aber höchst selten Bezug zueinander. Ein Meinungsspiegel ohne Debatte. Es wird nicht argumentiert, bestenfalls geduldet, öfter sogar denunziert.
Da tummelt man sich lieber nur im eigenen Kreis, unter Gleichgesinnten.
Wir leben in einer Welt von Jasagern und geben Befürwortern keine Chance.
Weil wir sie nicht mehr brauchen? Die Schlichter?
In der globalisierten und vernetzten Welt sollen sich eben Neinsager woanders tummeln. Nicht hier jedenfalls.
DOCH.
Hier auf dieser Seite sind abweichende Meinungen sogar erwünscht.
Und die werden nicht gezählt, sondern durchdacht…
Apr 29
FranzGesellschaft
Man hatte einen Preis und einen bedingten Nachlass.
Früher.
Neuerdings ist der Nachlass Selbstzweck und bedingungsfrei. Zwangsläufig ändert dies die Kalkulationsgrundlagen zur Preisfindung.
Wenn immer öfter und dann ausschließlich Waren und Dienstleistungen über Rabattportale und Coupons gekauft werden, verschieben sich die Quantitäten und es geht nicht um Resteverwertung sondern um originäre Preisfindung. Der Rabatt wird nicht mehr prozentual sondern total eingepreist. Hat man den kostendeckenden Rabattpreis kann ein fiktiver Signalpreis benannt werden.
Das wahre Problem mit folgen ist der Ausschluß all jener potentiellen Käufer, die sich nicht in die Wohlfühlgemeinschaft der Rabattportale begeben wollen. Die zahlten dann echte Fantasie- und Wucherpreise, vermeiden also die Käufe.
Das Interessante dabei ist aber etwas anderes, da die Sogwirkung eben groß ist.
1. Über den Rabatt wird Stück für Stück die Selbstkontrolle verkauft.
2. Für einen persönlichen Vorteil wird Gemeinsamkeit und Sozialität in das Raster von Gruppen, Mengen, Meuten und Kategorien überführt.
************************
amüsant dieses Gejammer der Touristikbranche, die zunehmend Kunden begegnet, die erst nach dem Rabatt und dann nach dem Reiseort fragen.
und weniger amüsant, die Bewertung des Personals am Urlaubsort als selbstverständlich billiger als jede deutsche Gebührennote
und entsetzlich gedankenlos die Erwartung der Touristen, originale Heimatprodukte in der Fremde viel viel billiger zu bekommen
Apr 28
FranzAllgemein
Habe ich gelesen…
Und war grenzenlos erstaunt.
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/apples-machtdemonstration/4097320.html?p4097320=all
Kann man einen Bericht besser schreiben?
Kommt eben drauf an. Auf den Zweck.
Oder ist es schon zwecklos über den Zweck zu reden, wenn sich gerade Zweckfreiheit zur Authentizität stilisiert?
„Apple verkauft keine Produkte, sondern eine Lebensart. Eine der bekanntesten Werbekampagnen für den iPod zeigt nur die schwarze, breakdancende Silhouetten vor einfarbigem Hintergrund, die ein weißes Kästen in der Hand halten. Weiße Linien führen von da zu den Ohren. Keine Beschreibung von Produktdetails, Apple ist Spaß, Leben und „In“. “
Staunen macht mich aber etwas anderes.
Der unzweifelhaft enthusiastische Bericht wird nur am Ende mit kritischen Nachfragen belastet, ist eigentlich aber anerkennend, bewundernd und eine tiefe Verbeugung:
Der Erfolg hat einen Namen und heißt Apple!
Da ist nichts einzuwenden. Aber zu bemerken!
Fast nichts wird über die Produkte der Firma, deren Nutzen und Vorteil berichtet. Die scheinen auch unerheblich zu sein. Bewundert wird die fast magierhafte Käuferbindung durch das vermittelte „Lebensgefühl“.
Die Umsatz- und Gewinnmilliarden sind die Größe, die Bewunderung schafft und: die sich selber aus der Fantreue speisen. Das Zauberwort heißt MACHT. Meint aber nicht die Ableitung von „machen“, sondern eben das Attribut von Herrschaft.
„Die Konkurrenz schaut nur hilflos zu.“ oder „Spalier stehende Mitarbeiter bejubeln strahlende Kunden, die ihre Einkäufe wie Trophäen nach einem siegreichen Feldzug aus dem Shop tragen. Die Botschaft ist klar: „Hier ist das Leben“.
Und klar wird, man hat sich längst der Macht und Herrschaft gebeugt. Es gibt keinerlei Erinnerungen an die Debatten der Vergangenheit, damals noch mit gerümpfter Nase und intellektueller Pose geführt, an die unsäglichen Beschränkungen der Inhalte und Nutzerteilhabe nach der Moral und dem Sendungsbewusstsein des Herrn Steve Jobs. Und dessen lückenloser Forderung zur Teilhabe an jedwedem Ertrag. Alles kein Thema mehr.
Eine gute Familie teilt immer untereinander und schließt Fremde aus – auch wenn die Familie weltumspannend ist. (Ist die Mafia schließlich auch.)
Bewundert wird die Verführungskunst. Die Produkte sind der Zauberstab – magisch wird dieser Birkenreisig aber erst in den richtigen Händen und durch die richtige Formel.
Was dem Rattenfänger die Flöte war, ist für Apple die Show.
„Kontrolle ist wie so oft bei Apple das Zauberwort: „Es gelingt Apple kontinuierlich, seine Botschaften sehr sorgfältig zu kontrollieren und damit eine ungeheure Aufmerksamkeit und ein enormes Grundrauschen zu erzeugen“, vermerken die Markenprofis von Interbrand anerkennend. 2010 sprang der Markenwert im viel beachteten Interbrand-Ranking um 37 Prozent in die Höhe, so stark wie bei keinem anderen Unternehmen.“
Oder „Kontrolle prägt das Verhältnis zu Medien und dem Internet. Mit fast psychopatischem Aufwand wird jede ungewollte Kommunikation mit der Außenwelt unterbunden, um gleichzeitig mit dosierten Andeutungen eine konstante Erwartungshaltung zu erzeugen.“
Dass dies nicht von einem ewigen Nörgler nur aus den Fingern gesogen ist, beweist sich darin, dass es im Artikel selber formuliert wurde und nachzulesen ist:
„Der stärkste Motor der Apple-Hype-Maschine ist allerdings gleichzeitig sein größter Schwachpunkt. Begnadeter Entertainer, Zeremonienmeister, “iGod“ und Kulminationspunkt in einer Person ist Steve Jobs, charismatischer Gründer des Unternehmens und einer der mächtigsten Männer des Silicon Valley.“
Statt also die begehrten Produkte zu würdigen, wird dem Messias gehuldigt und eine Implosion befürchtet, sollte der nicht mehr sein. Und die Zeichen stehen schlecht.
Christus wurde von Menschen ans Kreuz genagelt, dem neuen Messias scheint Gott selber die Gesundheit zu untergraben….
Apr 27
FranzAllgemein
Jene Parasiten des Wohlstands, diese Gurus, Berater, Coaches, Trainer und deren Akademien, haben ein neues Betätigungsfeld entdeckt und den Managern eine erweiterte Anforderungswindung im Karrierekarussell beschert: Ethik.
Vorige Woche war die Zeitschrift „managerseminare“ gänzlich diesem Thema gewidmet. Wenn ich mich recht erinnere, wurde den verschreckten Managern nahegelegt, die Wirtschaft nicht als Selbstzweck zu betrachten, sondern einem höheren Ziel unterzuordnen und deshalb den Verhaltenskanon zu überarbeiten und sich der Moral und Ethik zu widmen.
Klingt erst einmal gut, oder?
Trotzdem war mein erster Gedanke: Die armen Schweine, die… Was denn nun noch alles?
Wenn man Defizite erkennt, kann man daran arbeiten. Im Prinzip sei alles in jedem angelegt, aber verschüttet, weshalb Hilfe nicht abgewiesen werden darf. Jeder schaffe das… man muß halt daran arbeiten, investieren: Zeit, Gehirnschmalz und Honorare!
Clever von den Blutsaugern. Im Grunde haben sie sich die falsche Zielgruppe vorgenommen, aber neben den Beamten eben das einzige Klientel, dass dafür bezahlen kann und wird. Man darf eben auch nicht das eigene Interesse aus den Augen verlieren.
Wenn von Managern gesprochen wird, werden meist vor allem zwei Sachen ideell aktualisiert: die sind verantwortlich (bösartig) und verdienen irre Geld (neidisch). Ein Leben zwischen Konferenzen und Buffets.
Dazu Wikipedia:
„Der Begriff Manager entstand aus dem englischen Verb to manage (handhaben, bewerkstelligen, leiten). Stammwörter sind die lateinischen Begriffe manus (Hand) und agere (treiben, führen, tun). Ein Manager ist eine Person, die Managementaufgaben in einer Organisation wahrnimmt. Die wichtigsten Managementaufgaben sind Planung, Organisation, Führung und Kontrolle“
Alle diese Ansichten und Meinungen mögen ja situativ richtig sein, aber etwas wird dabei immer unterschlagen oder nicht bedacht. Das Ziel. Oder besser die Ziele. Beachtete man die Unvereinbarkeit dieser diversen Ziele, würde man schnell abwinken und jene märchenhaften Vergütungen der Manager als Mindestbestechungssumme ansehen, um die in das Laufrad zu locken.
Aufgepeppt mit rotem Teppich und der Umschmeichelung als „Alphatier“.
Danach werden die Trauben höher gehängt und es gibt nur noch Prügel.
Zwischenfrage: Ist jemand interessiert an dem Job?
Blödsinnige Frage natürlich, denn die Bewerber drängen sich ja auf der Karriereleiter und sind natürlich interessiert, sich allen Herausforderungen zu stellen.
1. Station Eigentümerversammlung
Vornehmliches Ziel sei es, den inneren Wert des Besitztums, des Unternehmens zu steigern, was sich ja offensichtlich im Börsenkurs ausdrückt. Da ist noch was drin, der kann gesteigert werden. Darüberhinaus muss eine attraktive jährliche Gewinnausschüttung her, denn niemand soll natürlich genötigt werden, seinen kostbaren Besitz zu verkaufen, um sich Brötchen leisten zu können. Gewinne müssen ausbezahlt werden.
2. Station Belegschaftsversammlung
Das Unternehmen ist auf Erfolgskurs. Die Arbeitsplätze gesichert und sogar Neueinstellungen sind geplant. Die Situation ist so gut, dass nicht nur zum Inflationsausgleich die Gehälter angepasst werden können, sondern eine echte Steigerung der Reallöhne vorgesehen ist. Arbeitszeitverkürzung und zusätzliche Urlaubstage sind das Dankeschön der Leitung an die Mitarbeiter für die hervorragende Arbeit.
3. Station Kunden
Das innovative traditionsreiche Unternehmen bietet die besten und maßgeschneiderten Produkte für jedes Problem, ist bei der Erneuerung und Weiterentwicklung der Erzeugnisse Marktführer und konkurrenzlos günstig. Es verkauft zum Selbstkostenpreis, der durch Steigerung der Produktivität und Effizienz immer weiter gesenkt werden kann. Bestpreisgarantie. Gratis ist sowieso der zusätzliche Rundumservice und die Rücknahmeoption. Lebenslange Gewährleistung ist im Kaufpreis schon drin. Kunden sind für das Unternehmen nicht einfach Käufer, sondern interessierte Gleichgesinnte, weshalb regelmäßig Events und gemeinsame Feiern unumgänglich sind.
4. Station öffentliche Verantwortung
Das Unternehmen ist nicht nur der Welt und Umwelt verpflichtet, sondern fest in der Region verankert. Direktes Engagement für Nachhaltigkeit und Schutz der Ressourcen erfolgt an vielen Orten dieser Welt durch Patenschaften und Projekte. Indirekt wird über Anforderung und Auswahl der eigenen Zulieferer dieses Engagement verstärkt. Gleiche Anforderungen werden allerdings auch an die Kunden gestellt. Um diese sanft zu unterstützen und dem eigenen Leitgedanken zu verpflichten, werden zusätzliche Serviceeinheiten installiert. Das Unternehmen will das Leben als als eigentlichen Sinn stärker in das Bewußtsein rücken und versteht sich als Förderer, Sponsor und Spender für alle Bereiche vom Kindbett bis zum Siechenheim. Anregungen sind willkommen.
5. Station Marktwettbewerber
Das Unternehmen ist kreativ, innovativ und vertritt die Interessen potentieller Kunden, bevor die davon überhaupt wissen. Die Produkterneuerungsrate ist unschlagbar. Die Produkte selber eigentlich ein Vorgriff auf die Zukunft. Ihr könnt aufgeben oder euch uns anschließen.
6. Station Lieferanten
Seid stolz uns beliefern zu dürfen, denn wen wollt ihr beliefern, wenn nicht uns? Nach unseren Anforderungen ist die Verbesserung so stetig und dynamisch, dass wir als Referenzkunde eigentlich mehr wert sind als die Kaufsumme für die abgenommenen Lieferungen und Leistungen. Wir erwarten da einen Ausgleich.
Abends steht der Manager vorm Spiegel, fragt sich, wer das starrende Chamäleon eigentlich ist, in welcher Stadt und welchem Land gerade und wo eigentlich aktuell der Lichtschalter. Er hat sich jetzt diesen 6-Jahre-Job erst einmal ergattert und muss sich bewähren. Wird der Vertrag danach nicht verlängert, wäre das ein Fleck auf der Weste und nicht gut für das Image. Kommt Zeit kommt Rat… Jedenfalls darf er nicht vergessen, seinen persönlichen Schnitt zu machen, rein vorsorglich schon.
Als erstes muss er morgen jedoch rauskriegen, was das eigentlich für eine Firma ist, für die er die Sterne vom Himmel holen soll…. Eigentlich egal, aber wissen muss man das!
Daraus wurde nix. Die Ethikkommission war schon früher da… Und erzählte, worum es gehen soll, global jedenfalls.
Apr 26
FranzAllgemein, Gesellschaft
Die Anthropologin Amber Case macht aus dem Internetzeitalter eine Evolutionsfortsetzung.
http://www.zeit.de/zeit-wissen/2011/03/Amber-Case
Und auf die Gefahr angesprochen, ob nicht eine Abhängigkeit entstehen könne, bei dieser fortgesetzten gemeinsamen Evolution von Mensch und Technik, antwortet sie bewusst ausweichend und doch sehr bestimmt:
„ So krass würde ich das nicht sagen. Wie in jeder Beziehung gibt es auch in der von Mensch und Technik Spannungen. Wenn man Geräte zu lange behält, wenden sie sich gegen einen. Alte Handys stürzen ab, Betriebssysteme werden langsam. Die Menschen sind gezwungen, immer neue Dinge zu kaufen. Sie müssen sich ständig upgraden, immer auf dem aktuellsten Stand sein, um Anschluss halten zu können.“
Nun sollte man ja nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen…
War ich schon erstaunt, dass die Anthropologie die Entwicklungsgemeinsamkeit von Mensch und technischer Ergänzung für sich schon als Forschungsgenstand entdeckt hatte, mußte ich hiernach wirklich erst mal tief Luft holen.
(aus Wikipedia:
Der Begriff Anthropologie (aus altgr. ἄνθρωπος, ánthropos, „Mensch“, und -logie von altgr. λόγος, lógos, „Lehre“; also „die Lehre bzw. Wissenschaft vom Menschen“) geht auf den Leipziger Philosophen, Arzt und Theologen Magnus Hundt (1449–1519) zurück. Im deutschen Sprachraum und in vielen europäischen Ländern wird unter dem Universitätsfach „Anthropologie“ in erster Linie die naturwissenschaftliche oder physische Anthropologie verstanden. Der Mensch wird im Anschluss an den englischen Naturforscher Darwin (1809–1882) und die Evolutionstheorie genetisch-biologisch als ein rein natürliches Wesen aufgefasst. Tatsächlich ist die gemeinsame Artzugehörigkeit die einzige unumstrittene Eigenschaft, von der angenommen wird, dass alle Menschen sie haben.)
Zwei Sachen sind doch interessant:
1. Zwar wird immer mantragleich behauptet, der Mensch sei der bestimmende Teil, der nach seinen Bedürfnissen die Entwicklung der Maschinenwelt vorantreibe, aber DER Mensch ist ja nur eine begriffliche Verallgemeinerung. Zumindest ein großer Teil der Einzelindividuen bekam von jeher eine technische Entwicklung persönlich ganz ungewollt in`s Auge gedrückt.
Einer zündet die Atombombe aus gutem Grund und viele andere richten sich dann in den Folgen ein. Das ist normal.
Hier wird dieser Leitspruch durchbrochen. Dem technischen Upgrade hat der Mensch zu folgen oder er verliert den Anschluss. Wer folgt wem? Und wer dominiert?
2. Klipp und klar wird der Sinn in das Leben reimportiert. Die wachsende Unabhängigkeit des Menschen von der Natur und damit dass Maß seiner Selbstbestimmtheit kehrt sich um. Satt, warm und trocken und Zeit für die Neugier – das waren die Ziele mit denen der Mensch durch Wälder und Savanne zog, bzw. das Fabriktor durchschritt. Einst.
Jetzt dient der Alltagskampf jenen Mitteln, die ihm gestatten, sich immer neue Dinge zu kaufen. Die er benötigt, um sich zu upgraden, um immer auf dem aktuellsten Stand sein, um Anschluss halten zu können.
Anschluß an wen oder zu was? Zu welchem wahrhaft menschlichen Ziel?
Eigentlich ist der Mensch in allen seinen Zielen zu einem einzigen Ziel geschrumpft. Auch ein Mantra: Der Mensch ist Käufer, um auch ferner Käufer bleiben zu können. Sonst wird er aussortiert…. Von den practice und know how fordernden Maschinen.
NEIN, es geht mir nicht um eine Neuauflage blödsinniger Maschinenstürmerei!
Sondern?
Apr 26
FranzDemokratie und Recht, Gesellschaft
Wie sich die Ereignisse wiederholen.
1. Die Pleite europäischer Südstaaten
Dazu zitiert der Focus 17/2011 den FDP-Finanzexperten Frank Schäffler:
„Wir haben zwei Drittel unseres Steueraufkommens für die Staatsschulden anderer Länder verpfändet.“
Dazu: http://blog.corporatebookstore.de/?s=griechenland
2. Die USA sind „griechischer als die Griechen“
Dazu meint der Spiegel 17/2011 zur Budgetplanung für das laufende Haushaltsjahr:
„Selbst wenn sie das gesamte Militär abgeschafft, alle nationalen Bildungsprogramme, alle Agrarsubventionen, jede Förderung des Wohnungsbaus, dazu noch die CIA und das FBI über Bord geworfen, alle Gefängnisse, die Küstenwache und die Grenzpolizei aufgelöst hätten, selbst dann hätte unterm Strich eine rote Zahl gestanden: 110 Millionen Dollar.“
Dazu: http://blog.corporatebookstore.de/?s=usa
3. Die Nichtbeteiligung im Libyenkrieg hat Deutschlands Ansehen geschadet
Selbst wenn völlig unstrittig ist, ob Guido Westerwelle ein Pfeife ist – wirft dies zumindest ein Licht auf die Tatsache, dass der Typ direkt nach der Entwöhnung von der Nuckelflasche in die Politik gegangen ist und immerhin zum Außenminister ernannt wurde – von anderen deutschen Politikern!
Dass die militärische Intervention in Libyen auch nach einer Gewöhnungsphase und trotz der UNO-Resolution ein eklatanter Verstoß gegen Satzung und Charta der Vereinten Nationen ist, hat sich nicht geändert.
Kein Mensch käme doch auf die Idee, gegen China oder an anderen 100 Brandherden der Welt zugunsten von Oppositionellen militärisch einzugreifen, oder? Und wie lange hat es gedauert, bis resolut ein Waffenembargo gegen den Diktator wirksam wurde? Schließlich wollte man sich die Geschäfte nicht verderben.
Dazu : http://blog.corporatebookstore.de/?s=libyen
Es ist alles eine Sache des Glaubens, welche die Grundlagen des Selbstverständnisses neu ordnen und auf Wunsch zurechtbiegen.
Mal ehrlich:
Kann überhaupt ein Staat existieren, wenn er nicht mehr als Fiskalmacht sondern nur dem Namen nach existiert? Die Griechen sind doch im Dilemma, dass Sonne mit Meerblick nur im Wochentakt und mindestens billiger als ein nordalpiner Wochenendeinkauf pauschal anzubieten sind. Also mit Verlust oder überhaupt nicht. wo sollen die Kreditraten herkommen. Und das Schneeballsystem USA hängt auch nur am Glauben. Bert Brecht lässt seinen Herrn G.J. Cäsar im gleichnamigen lesestück über die eigene Geschäftsphilosophie plaudern, hat man es geschafft, richtig große Schulden aufzubauen, bekommt man von den Gläubigern immer wieder Kredit. Aber es müssen große Schulden sein, nicht die „Peanuts“ vom Immobilien-Schneider…
Naja, und die UNO… dieses diplomatische Sabberlätzchen müsste einfach mal in die große Wäsche, damit man die politische Faserung wieder erkennt.
Apr 23
FranzAllgemein
Früher hat den antiken Kippschalter umgelgt und schon glimmte die Glühlampe auf. Licht war an. Und warm wurde es auch. 80 % der verbrauchten Energie wurden als Wärme abgestrahlt. Das galt bald unter der Flagge des Energiesparens als unerwünscht.
Es war ein langer Weg über die Leuchtstoffröhre über die Energiesparlampe hin zum LED.
Anfangs waren die Ersatzlichte von so harter Frostigkeit und die Leuchtträger so störanfällig, das zwar im ökoanfälligen Moment fast jeder Bürger diese Modernität mal ausprobierte, aber schnell zur verlässlichen Wärmeschleuder zurückkehrte. Sparen konnte man ohne Licht noch am leichtesten. An – aus, das klappte wunderbar. Bei dem neumodischen Kram konnte es immerhin vorkommen, wollte man nur mal ganz kurz… – dass das Licht nach der Schalterbetätigung erst so verspätet seine Hilfe brachte, dass man nach Erledigung seiner Sache noch etwas warten mußte, um den Gegenbefehl zur Dunkelheit loszuwerden, wußte man doch nicht mehr, wie die Schalterstellung sein sollte und solange das Licht noch nicht da war, konnte man es ja nicht fortschicken. Dies kalte Greuel wollte sowieso niemand auf Dauer ertragen und so blieb es bei der Innigkeit zur Stromverschwendung. Trotz gutem Zureden.
Letztlich brachte dies die Großkopferten in Rage! Schluß, Aus, Ende! Ein Verbot mußte her.
Irgendwie abgelenkt von Haushaltslöchern hat dies der Fiskus verpennt. Und die Politikerheinis waren über den Volksungehorsam so in Wut, dass die Prämissen von Lenken, Leiten und Steuern wie immer ignoriert werden konnten. Verbote und Strafen sollten Erqickung bringen. Jetzt grämt sich der Fiskus. Der würde sich heute statt des Ratzbatz des Verbots lieber die Erlaubnis mit Strafbesteuerung wünschen, zumal dies widerbiestige Volk auf Jahrzehnte hinaus bis zum Produktionsstopp die Lagerbestände der geliebten Glühlampe aufkauften. kein Verbot und dafür Zug um Zug steuernde Strafgelder dieser Handelsware aufzudrücken, hätte dem mosernden Volk ja die Entscheidungsfreiheit gelassen und Einnahmen gebracht! Nun ist das zu spät.
Dafür granteln die betuchten Intellektuellen, dass ihre kreativen Installationskunstwerke, die sie als Investment und Wertanlage mit Imagestrahlkraft teuer erworben hatten, nun mit Energiesparlampen genauso aussehen, als was sie immer waren: komischer Schrott!! Das kommt doch einer Enteignung gleich.
Jetzt muß die ganze Kampagne auch noch teuer argumentativ umgewertet werden. Die neueste Idee ist nun, nicht mehr so sehr die Lüge von der Energieparsamkeit zu betonen, da ja schon Grundschüler wissen, daß der Gesamtzyklus von Produktion-Gebrauch-Entsorgung bei der Glühlampe einfach ernergieärmer war als bei den sparsamen Innovationen (und ungiftiger auch!).
Aber was soll`s.
Der neue Slogan lautet: Unabhängigkeit, ein Sieg über die Natur.
Noch vor Kaisers Zeiten war man ziemlich abhängig. Wurde es dunkel, war der Arbeitstag zu Ende. Und merklich kälter wurde es auch. Nix ging mehr. Galt für alle Jahreszeiten. Verschwand die Sonne hinterm Horizont, krochen die Leute in`s Heu und heckten Kinder. Das wärmte auch.
Später gab es schon etwas mehr Freiheit. künstliches Licht, das zudem noch wärmte. Jetzt konnte rund um die Uhr gearbeitet werden. Nix mehr mit Hell und Dunkel, mit Tag und Nacht. Jetzt bestimmte der Fortschritt den Tagesablauf. EinSieg der Stechuhr. Aus Erschöpfungsgründen wurden aus 2 x 12 Stunden eben 3 x 8 Stunden. Der Tag wurde exakt und gerecht geteilt. Finstere Nacht war abgeschafft. Für Pausen waren die neuen Maschinen sowieso zu teuer.
Und damals vermehrten sich die Menschen auch so noch ganz von alleine.
Endlich sind wir von der unseligen Licht-Wärme Kopplung befreit. Jedenfalls ist das tagsüber von Vorteil und im Sommer auch. Wenn die angestrebten 16 1/3 Grad Celsius Wärme im Begegnungsraum nicht erreicht werden, können dafür andere Maschinen angeschmissen werden. Die schaffen dann Wärme ganz ohne Licht. Wir haben jetzt die Wahl. Das ist Unabhängigkeit.
Tja, es sind eben ganz andere Zeiten heute. Der Mensch ist Herr über die Natur geworden.
Ein simples Beispiel:
Damals mußte jemand in`s Laufrad und durch vollen Körpereinsatz Energie erzeugen. Heute nutzen wir die Energie, um einLaufband zu betreiben, damit der Mensch sich bewegt.
Wenn er das WILL!
Machen viele – nur Kinder wollen die nicht mehr…
Apr 22
FranzAllgemein, Gesellschaft
Da kann man doch nur lachend weinen!
Huch, das habe ich doch nicht gewusst! Klar, natürlich nicht.
Klappt jemand irgendwo sein Handy auf und schon flimmert über das Display die Empfehlung für umliegende Restaurants und Einkaufsmeilen und das just im Laden nebenan für 4,95 jenes Teil vorrätig ist, welches ich seit Jahr und Tag vergeblich zu ergattern hoffte. Soweit ist alles normal. Aber das die wissen, wo ich grad bin, das habe ich nicht gewusst?
Naja irgendwie schon, aber dass die die Daten speichern! Also das ist doch eine Schweinerei!
Was soll man dazu sagen?
Die Betreiberfirmen sind an der Börse milliardenschwer, haben tausende Angestellte, bezahlen Millionen an Strom, um ihre Server in Betrieb zu halten und weisen zudem noch horrende Gewinne aus. Aber das hat ja damit nichts zu tun? Lächelt mir etwa Gottes Wohlwollen über das Smartphon entgegen? Und die Welt ist beflissen nur für mich? Wie selbstgefällig bin ich denn?
Wenn ich via BOKU (voriger Artikel) mit dem Handy jenes begehrte Objekt für 4,95 abzüglich Bonus bezahlt habe, beanspruche ich zwei Jahre Garantie und Gewährleistung, erwarte aber, dass die Kaufvertragsdaten sich sofort digital verflüchtigen?
Belächelt doch ein Freund meine altmodische Lebensweise, wenn ich aus einem Laden komme. Warum kaufst du nicht über das Internet?
Ist doch viel billiger und du brauchst nicht zu schleppen. Wird kostenfrei gebracht!
Dann stösst mir immer sauer auf, dass ich seine Verbilligung gerade an der Ladenkasse auch mitbezahlt habe… Ich bin eben der Depp!
Ich kauf mir die Zugfahrkarte am Schalter und bezahle einen Zuschlag, weil da noch ein Mensch beschäftigt werden muß, ich bezahle die blöden Rundfunkgebühren, weil ich nicht per PC streame und als Gipfel der ökologischen Unvernunft bin ich auch noch kostenpflichtiger Abonnent einer Papierzeitung! Könnte ich schließlich auch alles umsonst haben. Eigentlich kosten die ganzen Produkte ja nichts!
Wenn in dürren Zeiten ein Wildkaninchen um die Dörfer schleicht, wisperts aus den Ställen: Sei doch kein Depp! Komm zu uns. Jeden Tag gibt es Futter und frisches Heu. Du musst dich um nichts sorgen! Alles frei Haus. Das Wildkaninchen schüttelt dann nur traurig den Kopf und denkt an die wabernden Bratendüfte aus so manchem Küchenfenster…
Aber jetzt ist ja Ostern und bald feiern wir Auferstehung.
(Es verwundert mich nicht sehr, dass bei der Festlegung der Sozialhilfesätze wirklichkeitsnah davon ausgegangen wird, dass die wirklichen Lebensnotwendigkeiten heute eigentlich überall kostenfrei zu haben sind. Staunen macht mich nur, dass der Zugang zur kostenfreien Welt als unnötiger Luxus gilt. Schließlich muß es ja noch Abstände zu den echten leistungsträgern geben!)
Apr 21
FranzGeld, Gesellschaft
Ostern ist keine, aber die Ausgabe 5/2011 der Zeitschrift „Capital“ schon.
Fast eine Kurzfassung dessen, was ich mir hier seit über einem Jahr notiere…. Kostet nur 7 Euro, was mich nachgerade deprimiert. Mehr war das alles also nicht wert?
Naja, es gibt einen kleinen Trost. Ein Hinweis auf dem Deckblatt sagt: Die Euro-Lüge Warum uns die Politiker für dumm verkaufen“ So findet sich das dann im Heft nicht wieder. Ist ja klar, die beschränken sich auf eine Illustration des „wie“. Bei der Erörterung des „warum“ wären sie denn doch schamhaft gescheitert! Das macht immerhin noch einen Unterschied.
Immerhin aber ein bemerkenswertes Heft, auch in der Spannbreite. Wer nicht nur lesen kann, sondern sich über 20 Minuten etwas merken, wird überrascht sein, wie die einzelnen Artikel sich verzahnen, ergänzen und ausleuchten, gerade wenn sie scheinbar so gar nichts miteinander gemein haben.
Besonders interessant, trotz Außenhandelssteigerung und Senkung des Defizits ist der Bankrott der USA nur zu verhindern, wenn es gelingt, ohne Meuterei die Schulden erst breit zu verteilen und dann verfallen zu lassen. Sonst…
Oder wie sich im Vergleich einerseits der Entwicklung der Firma „LEGO“ und andererseits des US-Startup „Boku“ der Zeitgeist der Moderne erhellt und die gesellschaftliche Zukunft projiziert…
Und das Gespräch der Vermögensverwalter ist eine Feierstunde für sich, denn wer wäre nicht hellhörig, wenn ausgerechnet jetzt „Griechenland-Anleihen“ gekauft werden sollen, zumal mit der Begründung, WEIL der Staat unrettbar pleite ist…
Und gegen Apple gibt es keine Chance. Warum?
Und noch viel, viel mehr
So erläutert Günter Ederer ganz nebenbei am Beispiel der Atomkraft, wie der Preis nicht nur den Markt sondern auch den Verstand reguliert.
Wenn jemand in 100 Jahren zufällig über dieses Heft stolpert, wird es vielleicht Forschungsprojekt werden, warum trotzdem alles so gekommen ist…
(ein Teil der Antworten finden sich im Heft selber)
Apr 20
FranzAllgemein, Geld, Gesellschaft
Sagen die Befürworter.
Nur wenn es keine gibt! – sagen ihre Gegner.
Sowohl als auch! – ist das politische Statement Deutschlands.
Wo ist das Problem?
Das Problem besteht darin, am Problem vorbei zu sehen.
Selbstverständlich sind sichere Kraftwerke möglich. Überlegen wir doch mal:
Die Gesamtkatastrohe muss nicht bedacht werden, denn wenn der ganz Erdball hopps geht, muß das nicht ausgerechnet ein Kernkraftwerk überstehen. Gleiches gilt für einen Neuanfang der Evolution, wenn das bestehende Leben durch Meteoriteneinschlag ausgelöscht wird.
An der Grenzlinie driftender Kontinentalplatten sollte ein Kernkraftwerk natürlich nicht auf jener Platte stehen, die sich unter die andere schiebt, sonst wäre ein Zugriff wirklich erschwert.
Sonstige Katastrophen vom Tsunami, Erdbeben, Flugzeugabstürze, ja sogar Bomben- und Raketenbeschuss sind insofern kalkulierbar, als Auswirkungen berechenbar sind, sogar das Vielfache des allerschlimmst Denkbaren.
Die Kraftwerke funktionieren ja. Das ist also kein Problem. Gesucht wird ein Raum, ein Schutzraum, in dem sie das ungestört tun dürfen. Und da die Dinger nur mit allen möglichen Zusatzserviceaggregaten funktionieren, müssen die zwangsweise mit in diesen Schutzraum.
Also wer kilometerhohe Hochhäuser und kilometertiefe Bunker in Erdbebengebieten bauen kann, stabil und unkaputtbar, scheut diese Aufgabe nicht. Wenn diese Hülle äußerlich unversehrt bleibt, brauch ich auch um die innen angebrachten Strahlenschutzelemente nicht zu fürchten.
Da, wenn Menschen arbeiten, Fehler nie ausgeschlossen sind, muss ich an Ausfall denken und entsprechende Vervielfachung der Schutz – und Betriebselemente denken. Aber nicht wie bisher, dass die sich ersatzweise ergänzen, sondern als permanente Dopplung und Vervielfachung. Wenn dann Regler und Steuer ausfallen, kann zum Beispiel schlimmstenfalls die Kühlung in eine Frostung übergehen, also Abbruch statt Überhitzung und Aufbruch.
Das alles ist denkbar und somit machbar. Man kann unterschiedliche und aus verschiedenen Quellen stammende Systeme übereinanderlegen, jeweils autark im Betrieb und autark in der Kontrolle.
Machbar.
Finanzierbar? DAS ist ein ganz anderes Problem. Weil man dieses Problem vielleicht nicht lösen kann, sollte man nicht behaupten, sichere Kernkraftwerke seien nicht möglich. Nur weil ich mir keine Villa leisten kann, kann ich doch nicht sagen, Versailles habe es nie gegeben, zumal der alte Ludwig sich Versailles auch nicht leisten konnte… hat er trotzdem gemacht und wir sind heute ihm dankbar.
Also, wenn ich es recht bedenke, ist auch die Finanzierung kein Problem. Es gibt da Grenzwertberechnungen, dass es sich trotzdem lohnt, wenn der Energiehunger nur groß genug ist. Muss man halt warten, bis der Energiebedarf zum Problem wird…
Da verweisen die jüngst bewilligten 550 Millionen für Tschernobyl schon eher auf das eigentliche Problem, wobei die Summe unerheblich ist.
Das eigentliche und wirkliche Problem sind die Abfälle und Reste. Und dieses Problem ist tatsächlich unerledigt und ungelöst.
Kein Mensch käme auf den Gedanken, aus einem Flugzeug zu springen und zu sagen, einen Fallschirm besorge ich mir später, der wird schon noch entwickelt. Das wäre wohl für ihn zu spät.
Also kurz und bündig:
Wenn Abfälle der Atomwirtschaft für eine Million Jahre sicher weggesperrt werden müssen und wir gleichzeitig wissen, dass vor 30.000 Jahren die letzte Eiszeit und das schwarze Meer ein Binnensee war und kurz vorher auch die Alpen noch ein tropisches Meer… dann weiß man, dass es auf der Erde keinen sicheren Platz für diesen Zeitraum gibt.
DAS ist das Problem.
Egal, wie groß der Energiehunger ist – wohin mit dem energetischen Abfall?
Für welchen Zeitraum kann man da Sicherheit garantieren und welche Optionen gibt es für danach?
Nehmen wir an, irgendwann wäre eine geregelte und kontinuierliche Entsorgung der Atomabfälle in den Schmelzmassen unserer Sonne möglich. (einzige Möglichkeit, um eine Rückkehr zur Erde zu verhindern oder genau jenen Planeten irgendwo zu verseuchen, den wir vielleicht mal bitter brauchen werden)
Nehmen wir das an und verdoppeln zur Sicherheit die Zeitspanne bis zu diesem Augenblick, haben wir neben dem grundsätzlichen und bislang ungelösten Problem der „Zwischenlagerung“ bis dahin auch noch zusätzlich das Dilemma, nachfolgenden Generationen ultimativ das Problem von „Sein oder Nichtsein“ aufgebürdet zu haben.
„Den Enkeln fällt bestimmt etwas ein!“ sagte sich einst der letzte Holzfäller auf den Osterinseln…
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