Goldene Zähren
Mai 06
Geld, Gesellschaft No Comments
Wie heute Dubai muss einst El Dorado für Touristen ein merkwürdiges Land gewesen sein. Für 50 Cent konnte man sich über einer echt goldenen Kloschüssel erleichtern, aber der Hamburger kostete 10 Euro.
Und wieder mal die Anomalie des Wassers! In der Wüste, wo es keines gibt, ist das billiger zu kaufen, als dort, wo daran kein Mangel herrscht.
Das regelt irgendwie der Markt.
Und doch hat der Markt kein wirklich gutes Verhältnis zum Geld. Die Kosten steigen, die Preise sinken und doch wird alles immer teurer. Je nach dem Blickwinkel auf den statistischen Durchschnitt. Alles, was man wirklich braucht, wird immer teurer, hübsch-zu-haben dagegen immer billiger. Außer Luxus, der bleibt teuer, sogar wenn er keiner ist, dann steigen sogar die Preise.
Z.B. Kinderschuhe, Autos oder elektronischer Sozialersatz. Aber egal…
Was aber wirklich auffällt in der Überfülle angebotener Waren und Dienstleistungen, an Hilfen und Surrogaten, an gutem Gewissen und Fremdschämen ist, überall ist das Geld knapp. Dabei wird an sich das Geld immer mehr. Die Geldmenge wächst wie Brei im Topf! Doch im Markt ist es irgendwie immer nur knapp dabei, obwohl doch der Markt gerade das Geld erst vervielfacht.
Beispiel:
Jemand braucht einen Stuhl und hat kein Geld. Kauft er auf Kredit. Hat er den Stuhl und Schulden.
Der Verkäufer hat Geld, der Gläubiger die Schuldurkunde und Zinseinnahmen. Die Schuldurkunde wird mit Abschlag verkauft. Deren Käufer verpfändet sie. Der Pfandnehmer reklamiert den Nominalbetrag beim Stuhlkäufer und der zahlt auch, weil er seine Schulden loswerden will, natürlich zur Hälfte per Dispokredit.
Der Stuhl war das auf alle Fälle wert, den Preis und auch die Zinsen. Hätte man auch gleich teurer verkaufen können.
Und was für den Stuhl gilt, gilt natürlich auch für die goldene Kloschüssel.
Wobei natürlich darüber zu rätseln wäre, ob jener goldene Abort eher ein Gebrauchsgut oder ein Vermögenswert oder gar eine zukunftsträchtige Investition ist.
Natürlich kann man das Ding benutzen! Und je mehr man hineintut, desto wertvoller wird es. Das macht die Zeit. Allein mit dem Materialverkaufserlös vermöge man morgen mehr anzustellen als mit dem Geld, das heute der ganze Bedürnisort samt Schüsselgekostet hat.
Gold ist eben ein besonderer Stoff.
Wer es sich leisten will, kann das sogar testen. Gut, der Preis ist in den letzten Jahren ganz exorbitant gestiegen, aber es wird ja gemunkelt, er könnte sich im kommenden Jahrzehnt noch einmal verfünffachen.
Man nehme einen Klumpen Gold oder Opas Zähne und beobachte. Man sieht richtig, wie das Gold Rendite ausschwitzt! Die kann man abkratzen und davon sorgenfrei leben.
Das ist natürlich Unsinn. Wir haben ja oft erlebt, dass der Preis für Gold nicht nur gestiegen ist, sondern auch erheblich in den Keller rauschte. Das Geheimnis liegt woanders. Man kann es nicht lüften aber doch ganz gut beschreiben!
Merksatz 4
Gold ist wertbeständig und eine relativ statische Größe. Steigende oder fallende Preise geben nicht Auskunft über den Wert des Goldes, sondern sind ein Werturteil zur jeweiligen Geldwährung, mit der Gold gehandelt wird.
Insofern ist obiges Gemunkel über den steigenden Goldpreis ein Indiz dafür, welche Wertentwicklung beim eigenen Geld erwartet wird. Da Geld je keinen eigenen Wert hat, sondern als Tauschmittel dient, lässt das zwei Annahmen zu.
1. Da sich sicherlich nicht auch a l l e anderen Preise ganz analog anheben werden, würde sich in Zukunft eine allgemeine Verbilligung von Waren und Dienstleistungen ergeben, obwohl die Preise zu steigen s c h e i n e n. Wohl zu schön, um realistisch zu sein.
2. Da Wert eben Wert ist und Torte auch Torte, ist es unerheblich, ob ich die in 10 oder 12 oder 100 Teile teile. Ein Ganzes bleibt ein Ganzes. Und das Geld ist nur der Pfandschein als Beleg dafür, wie viele Teilstücke aktuell so eine Torte hat. Alles nur eine Sache der Verrechnungseinheiten.
Jetzt weiß ich, warum die Fachleute das Sparen als Konsumverzicht bezeichnen. Ich verzichte heute, um zu sparen und bekomme morgen weniger, weil an mir gespart wurde. Die Differenz geht an die Geldhändler, die wollen ja auch leben.
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