Schulden kann man nicht verhindern, aber die Instabilität der Währungssysteme und der Finanzwirtschaft
Mai 09
Demokratie und Recht, Geld, Gesellschaft No Comments
Für diese Behauptung braucht es keinen Merksatz, wie ihn die vorigen Einträge aufwiesen, weil das Gelächter über solche Großspurigkeit sowieso nicht vergessen werden würde, werden könnte, werden wird.
Die ganze Welt müht sich um die Rettung der Währungssysteme, hunderte Milliarden an Zahlungsmitteln wurden bereitgestellt – tausende von hochqualifizierten Fachleuten arbeiten daran.
Eben!
Tief gebückt im eigenen Garten, sich eifrig mühend, bemerkte von denen niemand, wie die Planierraupe von außen das gesicherte Tor am Zaun niederwalzte. Gegen die Planierraupe kommen die eigenen Kräfte nicht an, da pflanzt man lieber noch schnell die geliebten Sprösslinge um, damit jene nicht zu Schaden kommen. Vielleicht erntet man noch was. Das wird schon wieder.
Andere Lösungen sind nicht geplant.
Alternativen würden sowieso nicht funktionieren. Die sind gänzlich unmöglich. Und selbst wenn man den Irrwitz versuchte, die Auswirkungen wären desaströs. Lieber ein schon vertrautes Desaster.
Mir selber scheint das nicht so.
Statt den Finger auf das Loch im Eimer zu halten, um die Verluste zu minimieren oder letztendlich nur zu verzögern, würde ich lieber über eine n neuen Eimer nachsinnen, jedenfalls den Schadhaften nicht immer neu füllen.
„Aber da wäre ja erst einmal alles verloren!“
Jedenfalls weniger als den kaputten Eimer auf ewig weiter zu nutzen. Was ist alles?
Was spricht gegen ein gewerbliches Zinsverbot?
Huch, ich höre schon das Geschnatter. Aber mir fällt tatsächlich nichts ein, was nicht auf anderen Wegen zu lösen wäre. Jedwede Finanzierungsform wäre auch über Beteiligung und Miteigentum und Eigentumsübertragungen lösbar.
Es ist unmöglich, vorab auf all die e r w a r t b a r e n Unmöglichkeitsfeststellungen einzugehen, die nicht so erwarteten wären da schon viel interessanter.
Es ist eben so, dass man sich mit einem Gedanken auf zwei Wegen auseinandersetzen kann. Unter dem Vorbehalt, dies sei alles nur Unsinn, sucht man nur das Haar in der Suppe, findet die eigenen Vorbehalte und sieht sich bestätigt. Ende. Der Gedanke war so daneben, dass man zur Hinrichtung nicht mal den Verstand anschalten mußte.
Der andere Weg wäre getragen vom „warum nicht?“ - und schon wäre auch jedes „geht nicht“ der Prüfung eines „warum nicht“ unterzogen und plötzlich ist es sehr anstrengend, denn zu jeder scheinbar alternativlosen Blockade würden einem eine erhebliche Menge bisher ungedachter Alternativen einfallen.
Die Zentralbank, die Bundesbank, alle Banken sowieso würden nicht funktionieren…. Die Wirtschaft wäre nicht mehr finanzierbar, Der Staatshaushalt nicht mehr zu decken, die Sparer würden das Weite suchen – es wäre das Chaos und ein wirtschaftlicher Kollaps! – alles Unsinn! –
Zins ist einfach nur der bequemste Weg, aus Geld wieder Geld zu machen und dies unter Ausschluss eines Beteiligungsrisikos. Gewinn ohne Verlustchance und jeder Gewinn bezieht sich immer auf die eigene einmalige Leistung und nie auf den realen Erfolg der unterstützten Maßnahme – oder es ist die immer wiederkehrende Gebühr ohne eine erneute Gegenleistung erbringen zu müssen. Zins ist die Möglichkeit, Schulden auf Ewigkeit und in unermesslicher Höhe anzuhäufen.
Nehmen wir nur ein Beispiel: die Staatsfinanzierung. Nun ist der Staat ja sicher ein machtvolles politisches Gebilde niemals aber eine Wirtschaftseinheit. Der Staat handelt im Auftrag und ist Vermögenstreuhänder nie aber Eigner oder Kaufmann. Der Staat kann nichts verkaufen oder verpfänden ohne Auftrag und er kann nichts auf eigene Rechnung erwerben.
Und doch haben wir uns an diesen Gedanken gewöhnt, weil uns der Staat als Rechtsperson gegen uns selber in Erscheinung tritt und so dann leichter als „böser Fremder“ zu ertragen ist.
Der Staat hat (im Auftrag) Aufgaben zu erfüllen und benötigt dafür Mittel und Einnahmen. Dafür gibt es die Steuern, Gebühren, Abgaben und Einkünfte der in seine Verwaltung übergebenen Einheiten. Dafür und nur dafür. Reichen die Mittel nicht, können Aufgaben nicht erfüllt werden. Dann bleiben die Aufgaben unerledigt. Gänzlich falsch ist es, dass der Staat sich selber zu Aufgaben verpflichtet und aus diesem Grund seinen Souverän beliebig zur Kasse bittet. (Zum Beispiel ist es höchst zweifelhaft, ob der Staat als politisches Rechtsgebilde überhaupt Sozialaufgaben erledigen kann, die nie allgemein sondern immer konkret sind und jede einzelne unvergleichbar mit allen anderen.)
Aber zurück: Wenn der Staat niemals Eigner sein kann, kann er auch niemals Schuldner werden. Er wird finanziert von den Wirtschaftssubjekten als deren politische Vertretung er gilt. Daher hat er seine Einnahmen. Ausschließlich. Er ist nicht Unternehmer. Er ist kein Krämer. Die Erfolge der den Staat finanzierenden Wirtschaftssubjekte sind aber höchst schwankend und individuell. (Wie wollte der Staat da eine Anteilszuordnung für Schulden vornehmen?)
Es gibt nur Erfahrungen über die etwaige Höhe des Saldos aller Einnahmen. Ist der Staat aber beauftragt, Schulden aufzunehmen, zu einem Zweck, für eine bestimmten Laufzeit und in bestimmter Höhe – dann kann der Staat nicht Verzinsung für die Ewigkeit versprechen, sondern allein auf Anteile seiner erwartbaren Einkünfte abstellen und dies für einen bestimmten Zeitraum und für einen bestimmten Anteil.
Zum Beispiel sollten 1 Promille der erwarteten Staatseinnahmen auf x Jahre die Ansprüche auf Rückzahlung und Ertrag für einen Kreditnehmer genügen. Die soll der Gläubiger auch bekommen und danach ist seine Forderung abgegolten, endgültig. Ein Geschäftsrisiko aber auch eine Geschäftschance! Punkt.
Und wenn festgelegt ist, bis zu welcher Anteilshöhe ein Staat seine künftigen Einnahmen abtreten darf, ist alles hinreichend geklärt. Mehr geht eben nicht. Unfinanzierbare Aufgaben muss der Staat ablehnen. Er ist eine politische Vertretung und kein Zocker.
Gleiches gilt für Länder und Gemeinden. Die sind zudem lokal viel konkreter und deren wirtschaftliche Kompetenz und Verflechtung ist entsprechend viel konkreter. Und jede politische Instanz bekommt ihre Aufgaben immer durchfinanziert und vollfinanziert vom Auftraggeber, sei es von „oben“ oder von „unten“. Vermischungen gibt es da nicht.
Eine politische Rechtsperson bedarf keiner Zinsen!
Aber die Anleger! Die würden ihre Gelder doch dort investieren, wo es die höchsten Zinsen gibt und niemals dort belassen, wo es überhaupt keine Zinsen gibt! – sollen sie doch! Jeder mag mit seinem Eigentum verfahren, wie es ihm beliebt.
Aber dann kann die Wirtschaft nicht atmen, deren Kreditbedarf kann nicht gedeckt werden, Investitionen sind unmöglich, Arbeitsplätze in Gefahr! Die Firmen würden den Zinsverbotsraum verlassen! – Papperlapapp.
Das Gegenteil ist der Fall. Nie wäre ein Wirtschaftsraum interessanter. Schon heute ist jedes eingeräumtes Zahlungsziel in der Sache selber ein zinsfreier Kredit. Die Partner wissen um das gemeinsame Interesse. Und jede Kreditnahme/gabe über den Beteiligungsgedanken stärkt die Gemeinsamkeit. Scheitert die, ist Anteilseigentum ja handelbar. Zinsen sind Erpressungsoptionen, Anteilseigentum ein klares Bekenntnis.
Und wenn Firmen aus zinsfreien Zonen wegziehen, dann ist diese Region für jeden Investor nachgerade interessant, weil ohne Wettbewerber und würde zudem aus der politischen Rechtsvertretung einen erhöhten Schutzstatus genießen.
Auch eine Wirtschaftsperson bedarf des Zinses nicht.
Und die Banken? Haben Beteiligungen und Dienstleistungsgebühren.
Und die Sparer? Wissen was ihr Vermögen wert ist , das sie sparen und nicht investieren.
Auch Banken und Sparer brauchen keine Zinsen.
Ausgeschlossen jedenfalls wäre, das der Staat seinen Souverän, das Volk, darüber im Unklaren lässt, in wie weit konsumiert statt investiert oder erledigt wird und vertuschen kann, dass er schon die überübernächste Generation um ein selbstbestimmtes Leben betrogen hat, weil im Unmaß mit Schulden belastet. Und auch Währungen und Währungsräume blieben stabil, weil immer sachwertbehaftet.
Und völlig undenkbar wäre auch solch Mediengejammer, wie im heutigen „Focus“, der da jammert, dass das Abenteuer „Euro“ bislang dem deutschen Steuerzahler netto 2500 Milliarden gekostet hat.
Spiegel und Wirtschaftswoche haben ähnliche Tonlagen drauf.
Aber so sind die Fachleute, entweder selbstverliebt in ihr mathematisches Zahlenwerk unter Absehung von zwingenden Zusammenhängen oder im relativistischen Globalzusammenhang voller Ungewissheiten. Einfach weder- noch nur flatternde Fahnen im Wind.
Was nicht begriffen wird, ist das Leben selbst. Das Leben ist eben nicht effektiv, sondern höchst verschwenderisch, dabei aber sehr nachhaltig. (Was vielleicht doch noch ein Merksatz ist)
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