Aug 31
FranzAllgemein, Gesellschaft
„Krank und Allein“ heißt der Artikel im „Zeit Magazin“ September. Jedes einzelne ist schon schlimm, die Kombination sicher schrecklich. Zumal es im Artikel um Kinder geht.
Und dann steht da ein harmloser Satz:
„Etwa jedes vierte Kind in Deutschland zeigt psychische Auffälligkeiten, vor 10 Jahren war es nur jedes fünfte.“
Um den Schock zu verdauen, kann man ruhig mal flapsen und unter Eltern versichern, dies sei ja an jeder Schulklasse erkennbar, 20 Prozent haben eine Macke, den Lehrer nicht mitgerechnet. Der Wahnsinn lauert überall.
Dann zeigt sich der Artikel optimistisch und versichert, vielen könne geholfen werden und die Behandlungsmöglichkeiten werden immer besser, die Erkenntnisse auch – lediglich an Geld und Fachkräften fehle es noch.
Was im Artikel nicht auftaucht, wäre die Frage, warum in 10 Jahren die Zahl der betroffenen Kinder um 25 % gewachsen ist. Und damit sind auch insgesamt nun 25% aller Kinder betroffen.
Dieses „Warum“ ist nicht beantwortet mit den wachsenden Erkenntnissen über die Mechanismen und Präferenzen für eine psychische Erkrankung oder irgendwelche erblichen Belastungen. All dies ist sicher wichtig – war aber vermutlich schon immer so gegeben.
Neu ist doch: Die tatsächlichen Krankheitsfälle nehmen zu! Warum?
Oder klarsichtiger formuliert:
Die Zahl der Gesunden nimmt rapide ab.
Aug 29
FranzGesellschaft
Vor rund 250 Jahren lag es irgendwie in der Luft. Schicksal und Gesellschaft, so glaubte man jedenfalls, konnten verstanden und gestaltet werden. Die Götter wurden entlastet und nicht mehr für jeden Mist verantwortlich gemacht. So die Posaunen der Aufklärer.
Und damit begann die große Zeit der Erklärer. Lernen war angesagt. Wissenschaften und Volksbildung erlebten ideale Höhenflüge, wurden geradezu völlig neu erfunden. Mit dem Wissen kam das ungeheure Selbstvertrauen auf eine selbstbestimmte Zukunft.
Die Zeiten sind vorbei.
Zwar gelten Wissen und Qualifikation immer noch als unabdingbares Geländer an der Wendeltreppe des Lebens, doch wurde auch wieder zu alten Grundsätzen zurückgefunden und dem anarchischen Wesen vermeintlicher Bildung regulierende Bollwerke entgegengesetzt. Und erst hinter diesen Schutzmauern findet sich wirklich gesichertes Wissen.
Seit alters her war es doch immer so: Was die einen erklärt haben, wurde von den anderen umgesetzt, entweder nach erklärender Vorschrift oder erklärter Einsicht – jedenfalls mit einem Grundmaß an Vertrauen. Nachdem aber Wissen und Bildung zu inflationärem Allgemeingut wurde, glaubte jeder Tunichtgut tatsächlich, er sei aufgerufen , schlechtem Tun das bessere Wissen beizugeben und sich an der Welterklärung zu beteiligen. Mit breiterem Wissen kam folglich höhere Unzufriedenheit. Mit einen Mehr an Wissen verringerte sich die gesicherte Erkenntnis. Im wogenden Meer allgemeinen Wissens verringerte sich echte Bildung auf homöopathische Dosierung, wenn auch in gewaltigen Quantitäten.
Deshalb gibt es jetzt die völlig neue Richtung der erklärenden Aufklärung:
Um der aufgeputschten Mehrheit vermeintlichen Wissens die Grenzen aufzuzeigen, erklären die Erklärer heute nicht mehr, wie die Welt funktioniert und was sie zusammenhält, sondern beschränken sich auf die Erklärung, dass die allermeisten keine Ahnung haben – jedenfalls nicht im erforderlichen Maße, um wirkliche mitreden zu können.
Wer das Selbstbewusstsein zu solcher Aussage aufbringt, muss sich sicher sein und der muss wirklich Ahnung und Wissen haben! Das schafft Vertrauen. Das verlangt nach Vertrauen!
In der eigenen Unsicherheit begreift ja ein jeder, dass die hochkomplizierten Dinge viel reibungsloser funktionieren würden, wenn nicht jeder Möchtegern da zwischenfummeln würde.
Echte Kennerschaft ist eben elitär.
Alles wie früher. Nur mit der klaren Erkenntnis: Das Schicksal ist unfähig. Bitte nicht stören!
PS
Ich finde es trotzdem merkwürdig, dass die Kapitäne, die das Schiff auf die Sandbank setzen, die Mannschaft damit zu beruhigen sucht, dass sie in ihrem Kapitän die einzige wahrhaft ausgebildete Fachkraft an Bord haben.
Untermalt von der Drohung, andere hätten das Schiff wohl nur zum kentern gebracht. So sei man nur in schwieriger Lage – aber sicher!
PS 2
Eigentlich ist es widerlich, wenn die Gescheiterten alle anderen als dumm diffamieren.
Nur weil die tätlichbemerken, das nist ist, was angeblich sein soll.
Aug 26
FranzGesellschaft
Kann man gleich als hysterische Übertreibung abtun aber man kann es in den Medien auch fast täglich beweisen. Wird auch übermorgen so sein und in zwei Wochen auch.
Die sanfte und gleitende Steigerung der Intensität ist das Schockierende. Und der übergreifende Charakter auf alle gesellschaftlichen Bereiche.
Es ist nicht „kein Tabu mehr“, da sind wir eben nur „erwachsen“ geworden, sondern auch eine intellektuelle Übung geworden. Theoretisch kann eben ganz sachlich alles erörtert werden.
Wenn ich heute jemandem eine Urlaubslektüre empfehlen sollte, würde ich auf Heinrich Heines „Lutetia“ verweisen. Heutiger könnten die Umstände nicht sein. Und doch eben auch vergnüglich:
„Wir tanzen auf dem Vulkan. Aber wir tanzen.“
Wer es sachlicher mag, tauche ein in die Zeit nach dem Silvesterjubel zu 1900.
Kriege werden auf den Schlachtfeldern geführt, aber in den Salons gemacht. Jedenfalls jene der letzten 200 Jahre.
Es ist schon merkwürdig für mich, wenn überall die längste Friedensgeschichte Europas gefeiert wird, andererseits kaum ein europäisches Land keine Soldaten im Feld hat.
Überhaupt, seit dem Ende des Kalten Krieges scheint die Abstinenz zu kriegerischen Mitteln gesunken. Vielleicht weil der große Big Bang nicht mehr droht und die Sache beherrschbar scheint.
Natürlich will niemand Krieg. Wird nicht sein. Alles Quatsch. Völlig undenkbar. Allein der Gedanke ist schon krankhaft irre…
Mütter macht euch keine Sorgen. Niemand wird eure Kinder in einen Krieg schicken. Niemand.
Aber wenn eure Kinder in den Krieg ziehen wollen… zu diesem Zeitpunkt habt ihr eh´ keinen Einfluss mehr. Jetzt noch vielleicht, dann nicht mehr.
Aber wenn sie es wollen, sollten sie es zumindest können! Die Konditionierung darauf hin hat schon begonnen.
Das Muster ist immer gleich:
alle sind dagegen
dann darf man drüber reden (aufhorchen)
dann wird drüber geredet – als intellektuelle und theoretische Erörterung (stumpft ab)
dann gibt es Optionen und moralische Kategorien (versteht und interessiert niemanden)
dann erklärt jemand, was eigentlich gemeint ist (warum sagen die das nicht gleich?)
und dann ist man ganz moralisch konsequent (man kann sich nicht alles gefallen lassen)
Die Losungen der „Friedensbewegten“ sind gestrig und vergessen und umgemünzt
- „Schwerter zu Pflugscharen“ (liegen genug unverkauft auf Halde..)
-„es ist Krieg und keiner geht hin“ (muß ja keiner, aber er darf)
- „nie wieder…“ (ein Fehler, dass wir diesmal nicht dabei waren!)
Wir gewöhnen uns dran!
Arglos hatte ein Bundespräsident gesagt, man müsse seine wirtschaftlichen Interessen auch militärisch sichern, fühlte sich missverstanden und schied aus dem Amt. Solche Konsequenzen wären aktuell sicher nicht mehr zu erwarten.
Auch bei nicht verweigernden Bundeswehrsoldaten war noch stark zu befürchten, dass mehr das wehren denn der Angriff akzeptiert war. Heute wird vorab unterschrieben, dass alles möglich ist.
Vor 5 Monaten kamen noch Staatenrechtler zu Gehör, dass ein militärisches Engagement in fremden Landen vielleicht ein Verstoß gegen die Nichteinmischung wäre – heute wird nur noch bedauert, nicht beherzt dabei gewesen zu sein.
Laut war die moralische Entrüstung, wie sich eine Christin über eines Feindes Tod freuen könne, aber es gab keine darüber, dass zur Lynchjustiz auch noch in fremdes Staatsgebiet eingedrungen werden musste.
Geht eben nicht anders, gewöhnen wir uns dran.
Krieg ist Politik mit anderen Mitteln. Politik ist der Ordnungsrahmen der Wirtschaft. Wirtschaft ist existentielle Voraussetzung überhaupt. Und neuerdings muss das alles auch finanziert werden….
Daneben?
„Wie die Staaten der Schuldenfalle entkommen können, hängt von den Umständen ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Konstellation außerordentlich günstig… Der Schuldenstand in den Industrieländern fiel auf weniger als 30 Prozent der Wirtschaftsleitung.“
(Es wurde eben alles und überall alles gebraucht. Konjunktur durch Konsumhunger)
Mark Schieritz listet in der „Zeit“ die vier Wege aus der Kriese auf.
Titel: „So kommen wir da raus“
1. Schuldenschnitt: Mit den Schulden verschwinden die Vermögen = übel
2. Inflation: Mit den Schulden werden auch die Vermögen weginflationiert = übel
3. Sparen: Ist Konsumverzicht und Einnahmebremse. Schulden nur getauscht = übel
4. Wachstum: Einnahmen steigen schneller als Ausgaben = der goldene Weg
Nur ist auf einem hohen Konsumlevel ein weiteres Wachstum nur schwer zu erreichen… Es fehlt einfach an einem Bedarf, der das Wachstum aufsaugen kann und zugleich zahlungskräftig ist.
Und wie schafft man Bedarf?
Und jedenfalls sollte man sich nicht im eigenen guten Recht von irgendwelchen Menschheitsfeinden endlos auf der Nase herumtanzen lassen… Zur Moral gehört auch das entschlossene Handeln!
So und nun endlich Schluss mit dem Gelaber! Schließlich gibt es auch das wirkliche Leben. Und wenn da jeder seine eigenen Aufgaben gut erfüllt, ist schon viel getan und jedenfalls besser für die Welt, als wenn man endlos Sachen debattiert, von denen man sowieso nichts versteht. Macht nichts besser! Von nichts kommt auch nichts!
(Könnte ein Sinnzitat aus dem Hauptartikel der “brand eins” 09/11 sein)
Aug 25
FranzGesellschaft
Natürlich könnte mit Verständnis angemerkt werden, dass manchmal eben etwas unglücklich formuliert wird. Muß aber nicht.
Als Bewunder der Zeitschrift „Brand eins“ stockt mir beim allerersten Satz des Heftes 9/11 nachhaltig der Atem:
„Science-Fiction geh gern vom Schlimmsten aus. Und das für mich schlimmste Szenario ist: dass die guten am Ziel, die Bösen vernichtet und alle einer Meinung sind.
So wird es nicht kommen, glücklicherweise; es wäre langweilig und eine Diktatur.“
… schreibt die Chefredakteurin Gabriele Fischer.
Daran kann man in Hilflosigkeit ersticken.
- Weder ist anzunehmen, dass die Guten und die Bösen je auch nur unter sich einer Meinung sind
- Noch ist eine einhellige Meinung mit Diktatur gleichzusetzen
- Und ob nicht genug aufregende Aufgaben bleiben, wenn die Bösen vernichtet sindm würde sich zeigen
- Wenn hier nicht ein Schutzrefugium für die Bösen eingefordert würde
Wie erwachsen und geistreich die Welt doch geworden ist.
Ganz naiv übersetze ich mir das so:
Gäbe es die die wunderbaren entsetzlichen Krankheiten nicht, müßten wir wohl auf bewundernswerten medizinischen Fortschritt vergebens warten.
Aug 25
FranzGesellschaft
Mit dieser Vermutung kann die Rede vom 24.08.2011 zur Eröffnung der Tagung der Wirtschaftsnobelpreisträger in Lindau als erledigt betrachtet werden.
Allerdings wird diese Rede sich auch als Quelle „geflügelter Wörter“ erweisen.
- Später wird uns deutlich werden, wie sehr das, was wir jetzt tun oder unterlassen, die kommenden Jahrzehnte bestimmen wird.
- Nichts ist selbstverständlich. Das Schicksal Europas ist das Schicksal aller seiner Völker.
Die beiden Beispiele verdeutlichen das und weisen den Weg „Zurück in die Zukunft“.
Zurückfinden und wieder, wieder, wieder … wie ehedem. Als ob eine Reanimation der Vergangenheit tatsächlich Zukunft bedeuten würde.
- Für die europäischen Länder ist ein enger Zusammenhang zwischen der Lebenszufriedenheit und dem Vertrauen in die Mitmenschen gemessen worden.
- Wir müssen offen und ehrlich Knappheiten benennen, da die Dinge in dieser Welt nicht im Überfluss vorhanden sind.
- Wer Hilfe braucht, muss die Bedingungen erfüllen, ohne die eine Gesundung nicht möglich ist. Die Vielfalt Europas ist ein großer Vorteil.
Das wirklich schöne an den Worten ist, dass die aus tiefster Seele ein jeder versteht, obwohl eigentlich kein richtungsweisender Sinn in Allgemeinheiten beinhaltet ist. „Ja so ist es!“ mag es aus der euphorischen Gemeinde klingen – aber wo ist die Zukunft?
Und da wird die Frau ganz Mann:
- Ich begrüße, dass die Wissenschaft menschliches Verhalten, dessen psychologische und soziologische Grundlagen künftig stärker experimentell erforschen möchte.
Jedoch ohne sich zu verleugnen:
- Viele Menschen wünschen sich das
Es ist eine liebevoll überkommene Annahme, dass Frauen weniger brachial auf irgendeine Lösung hinarbeiten und dafür eine höhere Kompetenz haben, Stimmungen und Gefühle zu harmonisieren.
Ein falsches Klischee wie die Rede des BundespräsidentIn…
http://www.faz.net/artikel/C30638/tagung-der-wirtschaftsnobelpreistraeger-die-rede-von-christian-wulff-in-lindau-30490622.html
Aug 25
FranzAllgemein
Das hiesige Ordnungsamt hatte sich nach dem gewaltigen Unwetter mit einem merkwürdigen Fall zu beschäftigen. Es ging nicht um übliche Wasser-, Biltz- und Sturmschäden. Man hatte einen Mann auf den öffentlichen Wiesen in völlig desolatem Zustand aufgegriffen. Der entschuldigte sich für die Störung der Ordnung und gab zu Protokoll, er habe seit jeher trotz aller seiner Bemühungen von der Gesellschaft und den Anverwandten die kalte Schulter erfahren und sei somit vom Leben eher geduldet denn gewünscht gewesen. Darum habe er die Gelegenheit des Unwetters genutzt, es anders zu versuchen. Allein trotz der nun wirklich gewaltigen Blitzmengen habe ihn offensichtlich selbst der Tod verschmäht. Nun sei er erschüttert und verzweifelt.
Der Mann wurde mit einer Geldstrafe belegt und für die Zukunft ermahnt, nicht weiter aufzufallen, sonst müsse er weggeschlossen werden.
Aug 24
FranzAllgemein, Fundstücke, Produktinformationen
nannte man früher mal Selbstbefriedigung. Hatte damals einen anzüglichen Touch und einen Drall ins Verwerfliche. Das hat sich heute grundsätzlich geändert. Jedenfalls in der allgemeinen öffentlichen Verlautbarung. Gilt heute als absolut lebensnotwendige Zwischenstufe zu Selbstfindung und Selbstzufriedenheit und böswillig ist, wer Arges dabei denkt.
Aber ich sag mal so: Wer sich selbst befriedigt, bedarf der Hilfe anderer nicht. Man ist befriedigt zufrieden. Und jede Zufriedenheit ist ein Reset-Knopf für neue Aufgaben.
Viel wichtiger aber, diese Selbstbezogenheit schützt auch vor anderen (man weiß ja nie, was man sich einfängt!), und läßt diese anderen auch in Ruhe. Schöne heile Welt.
Wenn da nicht ein kleiner Makel wäre.
Auch die größte Zufriedenheit reicht nicht zum Leben. Man muß sich eben anbieten auf dem Markt der Eitelkeiten. Lästig aber unabdingbar.
Und auch hier sind die Änderungen zu verflossenen Zeiten sichtbar. Auf dem Markt zu schauen, was man braucht, das war einmal und ist zumindest nachrangig geworden. Man sucht nicht, sondern bietet an. Und das mit zukunftsstrahlender Verzweiflung.
Im Überangebot aber, geht der Blick für Bedürftigkeit verloren. Keine Zeit, kein Interesse, keine Muße. Wen schert schon, was ein anderer braucht, wenn es darum geht, das, was man selber überzählig hat, los zu werden und breit zu tragen. Die Selbstzufriedenheit krankt an dem Zwang , sich selber los zu werden. Im Angebot: das große Los.
Aber „Angebote“ haben einen Hang zum Ramsch. Das drückt die Stimmung.
Spezialisiert auf solche Stimmungen hat sich die Zeitschrift „Absatzwirtschaft“.
Im Septemberheft 2011 findet sich eine Kolumne von Vince Ebert, die das hinreißend beschreibt.
Seite 98 mit dem Titel: „Informiert, aber ahnungslos“
So köstlich, dass ich gern den Text im vollen Wortlaut präsentieren würde. Geht aber nicht. Nicht etwa, weil ich Urheberrechtsbedenken hätte, sondern Rücksicht und Einsicht. Schließlich ist diese
Seite der einzige substantielle Gegenwert im ganzen Heft zum Kaufpreis. Drum rum nur noch die pure Lust an sich selber… falls man dazu gehört.
Aug 23
FranzAllgemein, Gesellschaft, Schwärmereien
War das erste, was mir einfiel. Und gleich danach: Das würde uns heute nicht mehr passieren.
Damals blieb der himmelstürmende Turm unvollendet, die Menschen gaben sich mit bescheideneren Zikkuraten im eigenen Staat zufrieden und hatten neben dem Wettbewerb zusätzlich mit Sprachproblemen zu kämpfen. Die Vielfalt blühte .
Heute sind Probleme in Wettbewerb und Sprache durch Standards geregelt und vereinheitlicht.
Produktqualitäten sind optimiert auf die moralische Lebensdauer. Mehr wäre einfach nur Verschwendung. Nachhaltigkeit bedeutet nicht verlängerte Lebensdauer, sondern geregelten Ersatz. Die Selbstbehauptung von alles und jedem wird über den Preis geregelt, zwischen billigst und umsonst.
Und so wird es wieder sein! Umsonst auf alle Fälle, ob auch billig, wird sich zeigen. Später dann mal.
Wenn die Einheitlichkeit unerträglich geworden ist. Wenn hinter der individuellen Kompliziertheit die Uniformität erkennbar wird. Wenn die Universalsprache die Sprachlosigkeit nicht mehr verstecken kann. Wenn es nichts mehr zu verstehen gibt. Wenn nicht mehr viele einiges und einige viel wissen, sondern jeder alles – in seinem atomisierten Fachgebiet!
Der Harvard Business Manager vom September 2011 ist wieder was ganz eigenes.
Eingestanden wird der Nachtrag zum hunderttausendsten Life-Balance-Artikel, um auch das Thema
der kinderlosen Partnerschaft aber mit Hund behandelt zu haben, und: Und dann wird das „Zeitalter der Spezialisten“ prophezeit!
Das ist natürlich sachlich richtig. Aber wünschenswert?
Und warum sollten sich nun ausgerechnet Manager darüber schwärmen?
Manager müssen Strategien entwickeln, Taktiken justieren, müssen Entscheidungen treffen und diese zudem durchsetzen, müssen die Welt im Detail und in der Gesamtheit nicht nur verstehen, sondern auch noch gestalten. Dazu omnipotent in jeder Situation und Lage auch noch Auskunft geben und den allgemeinen Buhmann spielen – das Berufsbild des universalen Generalisten.
Und die sollen sich über eine Aera der Spezialisten freuen?
Diese Spezialisten hängen heute schon wie Kletten und Blutsauger an jedem Ärmel. Um vorsorglich dem Vorwurf der Nachlässigkeit zu begegnen, verlangen diese Zeitdiebe von Spezialisten Aufmerksamkeit und Gehör und überschütten die Welt mit unverständlichen Botschaften und singulärem Detailwissen und überschwemmen alles mit den Wogen belangloser Achtsamkeit.
Es gehört zum Selbstverständnis des Superspezialisten nur mit sich selber zu reden, denn wenn ihnen einer verständnisvoll folgen könnte, wäre es mit dem ganz eigenen Spezialwissen wohl nicht so weit her. Sie wollen also nicht unbedingt verstanden werden, sie wollen, dass man ihnen glaubt.
So weit zu den Theoretikern.
Solange es Bedarf und Mangel gibt, ist der praktische Superspezialist natürlich eine begehrte Person. Niemand könnte das besser, schneller und billiger. Das hat natürlich seinen Preis.
Zunächst ist der Spezialist ist seiner reifen Einmaligkeit nicht billig und danach eigentlich für nichts anderes zu gebrauchen. Für was anderes gibt es eben auch den anderen Spezialisten.
Und es bleibt die Frage, nach welchen Kriterien man Einzigartigkeit bewertend vergleichen kann? Kann man das?
Im Magazin heißt es:
„In der Tradition der Arbeitsteilung erweist sich auch diese beginnende Hyperspezialisierung als sehr lukrativ… sind die potentiellen Vorteile hinsichtlich Qualität, Geschwindigkeit und Kosten so enorm, dass sich das Modell der Hyperspezialisierung garantiert verbreiten wird.“
Stimmt. Im Ergebnis wird der Welt der optimierte Einheitsbrei aus allen Ecken den lebendigen Atem nehmen. Mich tröstet nur, bisher war in der Evolution der Spezialist immer das erste Opfer, weil zu speziell, um sich noch anzupassen.
Noch aber sind wir nicht so weit. Noch wird das kommunikationsgehemmte Spezialistentum vom sinnentleerten Smalltalk gekittet.
Aug 12
FranzAllgemein, Gesellschaft
Meldungen:
Keine Ahnung, ob sich BILD auf dieselbe Studie stützt, ist auch egal, wenn man mal die eigenständige Leistung der Postille würdigt. Ein echter Freudenbringer!
Viele Medikamente werden in der Medizin ja oral oder als Zäpfchen gereicht. Bild bekommt beides gleichzeitig hin. Schaut dem Volk auf`s Maul und kriecht dem in den Arsch! Besonders gelungen finde ich die kongeniale Einheit, die Text und Foto ausmachen.
Aber mal im Ernst:
Es gibt in deutschen Landen auch Unternehmen, bei denen es das vermißte Personalgespräch zu solchen Blüten gebracht hat, daß nicht nur die Demoralisation Konjunktur hat, sondern die heimlichen Kosten sogar in doppelter Höhe anfallen. Das sind die Unternehmen, die human performance nicht nur sehr ernst nehmen, sondern todernst.
Um der quartalen Börsenberichterstattung noch mal Drive und Kick zu geben, bekommt jeder Mitarbeiter noch mal einen Emotionsschub per Mitarbeiterbewertung via Formulargespräch und Selbsteinschätzungszwang. Das nachfolgende Wochentrauma der angehenden Wollmilchsau wird hingenommen und sechswöchiger komatöser Vorbereitungsstress auf den Zielpunkt auch. Zwischendurch fungiert der MA als ausgebrannt. Das nennt man dann gut beschäftigt und erhöhten Zeitdruck.
Ich behaupte mal, die höchste Motivation findet man immer dort, wo Gestaltungskraft, Verantwortung und Wahrnehmung ein gutes Zusammenspiel ergeben. Ohne Luft kann man nicht atmen, nur von Luft nicht leben. Gilt für jede Sprosse in der Leiter, oben und unten.
Aug 11
FranzAllgemein, Gesellschaft
vor solchen Meldungen:
„Die jüngste Gallup-Studie war für mich alarmierend: 60 % aller Mitarbeiter in Deutschland machen lediglich Dienst nach Vorschrift und rund 23 % haben ihre Firma innerlich verlassen.“
Ob das stimmt? Wahrscheinlich will wieder irgendein Tändler mit diesem Marktgeschrei irgendwelche Guru-Ergüsse verkaufen. Andererseits sind mit solchen Feststellungen alle Publikationen für „human ressources“ gepflastert, debattieren die Fachorgane für Medizin, Sozialwesen, Psychologie und Arbeitsrecht, bekommt man Ohrensausen, wenn an beliebigem Zeitungskiosk vorbeischreitet und zum Thema zelebrieren die Visualmedien 7 Tage die Woche eine 24-Stunden-Talkshow. Ob doch was dran ist?
Mir egal. Ich hatte am 01.08.2011 in der „Wirtschaftswoche“ Nr. 31 einen Artikel gelesen, der durchaus als Stöpsel für die Unheilsflasche taugt. Klar, ist Pandoras Büchse erst mal leer, nützt deren Verschluß nicht wirklich und die Zeit zurückdrehen kann man auch nicht. Aber neuerliches Modethema lautet ja „Selbstheilung“. Obiger Artikel hilft, erst mal die Krankheit zu diagnostizieren.
Sieht man mir nicht an, zugegeben, aber als Zyniker bin ich unverbesserlicher Optimist und weiss mich mit der Geschichte der letzten Jahrtausende im Einklang. Mögen die Fachleute doch schwafeln.
Hochdekorierte Spezialisten sind wie Grottenolme: bewundernswert in ihrer Enklave, aber die Welt werden sie nicht erobern! Nach dem Ausflug kehrt man in den Alltag zurück.
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