Die pure Lust an sich selbst
Aug 24
Allgemein, Fundstücke, Produktinformationen No Comments
nannte man früher mal Selbstbefriedigung. Hatte damals einen anzüglichen Touch und einen Drall ins Verwerfliche. Das hat sich heute grundsätzlich geändert. Jedenfalls in der allgemeinen öffentlichen Verlautbarung. Gilt heute als absolut lebensnotwendige Zwischenstufe zu Selbstfindung und Selbstzufriedenheit und böswillig ist, wer Arges dabei denkt.
Aber ich sag mal so: Wer sich selbst befriedigt, bedarf der Hilfe anderer nicht. Man ist befriedigt zufrieden. Und jede Zufriedenheit ist ein Reset-Knopf für neue Aufgaben.
Viel wichtiger aber, diese Selbstbezogenheit schützt auch vor anderen (man weiß ja nie, was man sich einfängt!), und läßt diese anderen auch in Ruhe. Schöne heile Welt.
Wenn da nicht ein kleiner Makel wäre.
Auch die größte Zufriedenheit reicht nicht zum Leben. Man muß sich eben anbieten auf dem Markt der Eitelkeiten. Lästig aber unabdingbar.
Und auch hier sind die Änderungen zu verflossenen Zeiten sichtbar. Auf dem Markt zu schauen, was man braucht, das war einmal und ist zumindest nachrangig geworden. Man sucht nicht, sondern bietet an. Und das mit zukunftsstrahlender Verzweiflung.
Im Überangebot aber, geht der Blick für Bedürftigkeit verloren. Keine Zeit, kein Interesse, keine Muße. Wen schert schon, was ein anderer braucht, wenn es darum geht, das, was man selber überzählig hat, los zu werden und breit zu tragen. Die Selbstzufriedenheit krankt an dem Zwang , sich selber los zu werden. Im Angebot: das große Los.
Aber „Angebote“ haben einen Hang zum Ramsch. Das drückt die Stimmung.
Spezialisiert auf solche Stimmungen hat sich die Zeitschrift „Absatzwirtschaft“.
Im Septemberheft 2011 findet sich eine Kolumne von Vince Ebert, die das hinreißend beschreibt.
Seite 98 mit dem Titel: „Informiert, aber ahnungslos“
So köstlich, dass ich gern den Text im vollen Wortlaut präsentieren würde. Geht aber nicht. Nicht etwa, weil ich Urheberrechtsbedenken hätte, sondern Rücksicht und Einsicht. Schließlich ist diese
Seite der einzige substantielle Gegenwert im ganzen Heft zum Kaufpreis. Drum rum nur noch die pure Lust an sich selber… falls man dazu gehört.
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