Wer es mag und braucht…
Nov 04
Für die beliebige Restlaufzeit widmet sich dieser Ort hier einer besonderen Rubrik:
„Worüber ich mich heute (nicht) geärgert habe…“
Tja, wer also mal Frust oder Freude laut herausschreien will, mag das gerne tun. Es lebe der aufmerksame Moment.
Da es überhaupt nicht darauf ankommt, von anderen verstanden zu werden, kann man sich ganz ungehemmt mit sich selber beschäftigen. Kein Problem. Oder eben doch, weil es dann keine Fluchtburgen und Deckungen inmitten der Wüsten allgemeiner Gemeinsamkeiten gibt. Wie jeder weiß und allgemein gefühlt oder verstanden wird, erweisen sich ganz unmittelbar als des Kaisers neue Kleider…
Ich kann man sagen oder sein!
Ich bin mir unzweifelhaft sicher, die Erkenntnisse werden unübersehbar sein.
Für den, der die Rubrik nutzt, ergibt sich das Spannungsfeld, wie distanziert er sich selber zu den „fremd“ gewordenen Momenten fühlt, die doch eigentlich „eigene“ sein sollten und im Wiederholungsfall sicher auch das Nachdenken darüber, wie vielgestaltig und gratig die eigene Chamäleonexistenz eigentlich ist.
Dem stillen Beobachter erschließt sich ganz genau die identische Botschaft, nur seiner selbst bleibt er ungewiss. Das ist aber nicht schlimm, denn jedes ich ist ja nicht vorgegeben und muss erst gebaut werden. Sich im Spiegel zu erkennen ist kein ausreichendes Kriterium (wie jeder Säufer weiß) und zur bloßen Ich-Existenz nicht mal herangezogen werden.
Und selbst wenn hier nun gar nichts weiter folgt, was ja erst festgestellt werden müsste, ergibt sich wie aus dem Nichts und auch tatsächlich aus dem Nichts haargenau die gleiche Erkenntnis. Die will man dann sicher nicht haben und hat sie aber schon.
Neugier bringt eben nicht nur schöne Momente – steht so im Märchen…
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Nov 04, 2011 @ 14:04:09
Kunst und Artistik
Erst habe ich gelacht, mich dann geärgert und doch wieder gefreut.
Ich hatte heute gelesen, dass wieder mal ein modernes Kunstwerk in Düsseldorf dem Putzbedürfnis einer grundsoliden Reinigungskraft zum Opfer gefallen war. Fiel mir doch sofort ein, wie vor Jahren ein Unternehmer für 200.000 mit einem echten Beuys in seinem Büro beeindrucken wollte. Der nächtliche Reinigungsdienst konnte mit der „Fettecke“ wenig anfangen und reinigte den mit einem Butterfleck geehrten Stuhl. Das Kunstwerk war dann weg. Heute ging es um Wasserränder einer Schüssel mit dem Titel „Wenn der Regen durch die Decke tropft…“
Wütend war ich natürlich nicht wegen dem Verlust, sondern dass unsere intellektuellen Bewusstseinsakrobaten und Fachspezialisten so gänzlich jeden Sachbezug verloren haben. Ich frage mich, wie viel hehre Kunstwerke wohl den Bach runter gingen, sollte man die Absperrzäune und schützenden Museumswände entfernen. Womöglich würde das Pissbecken von Duchamp auch nur den weg gealterter Sanitärkeramik gehen. Ein anderer moderner Künstler klaubt aus verfallenen Hütten in Siebenbürgen die Reste morschen Parketts hervor und baut die als Installation in galerien wieder auf.
Gott sei Dank verstehe ich davon nichts.
Nicht das ich was gegen kulturgeschichtliche Erinnerungsstücke hätte und auch gegen den Kunstmarkt habe ich nichts. Letzteren mag ich sogar. Soll doch jeder sein Geld ausgeben, für was er mag und wenn er dann seine Wertobjekte auch noch sicher wegschließt, bleibt der Öffentlichkeit so manches Entsetzen erspart.
Kunst hat für meinen Geschmack eine selbstschützende Autorität die eigener Wesenheit entspringt und nicht vom Preisschild abhängt und zudem einen Dialogsog, dem sich auch ein unbedarfter Gast nicht wirklich zu entziehen vermag. Weder aktuell noch lädiert in 1000 Jahren.
Und das freute mich dann wieder. Letztlich kann man darauf vertrauen, das Kunst von Dokumentationen, Erinnerungsstücken und purem Schwachsinn unterschieden werden kann – auch eben durch den Ordnungssinn von Reinigungskräften!
Fiel mir auch Schillers Schrift über „Manier, Art und Stil“. Na egal, jeder kann ja anderer meinung sein, aber hin und wieder bin ich schon überrascht, wenn manche Leute glauben, der manchmal bewundernswerten Flüchtigkeit und Großartigkeit von echter Kunst und wirklichen Können in der darstellenden Kunst mit simplen Materialeinsatz etwas entgegensetzen zu können und somit Anspruch auf Ewigkeit zu haben.
Es leben die Putzkräfte!
Nov 07, 2011 @ 13:14:07
Die Galle ist mir lila…
Wiederholungstatbestand der Fehleinschätzung….
Warum, weiß nur der Grottenolm.
Das sind seltsame Tiere. Vorgeführt vornehmlich in ihrem eigenem Lebensbiotop bei diversen Bergwerksbesichtigungen, in Tropfsteinhöhlen und sonstigen vergessenen Landschaften. Denen sind die Augen rückentwickelt mangels Gebrauchsmöglichkeiten und somit Gebrauch. Anscheinend ist der Verlust so gründlich, dass man sie sehen kann, sie fliehen das Licht nicht.
Kaum vorstellbar, wie der Urahn gelitten haben muss, der das Licht noch vermisste…
Dieser Urahn bin ich.
Es tut mir leid. Das Leiden ist echt. Es – kann alles Mögliche sein.
Wahrscheinlich bin ich zu wehleidig und zudem auch unempfindlich für das Leiden anderer. Wäre kein schöner Zug von mir.
Der Vorwurf: „Langsam nervts wirklich, alles immer bis zum Kotzen auszudiskutieren.“
Anpassung heißt die Zukunft.
Nov 08, 2011 @ 15:57:52
Also nur noch Vermerke.
Die e-mail, gerade mal 40 Jahre jung, darbt und blasst. Der Gebrauch schwindet. Gewohnheitsuser machen sich rar und nachwachsende Altersgruppen ignorieren die mail weitestgehend.
Naja… nach der Fama kam der Bote, der Brief, Fax, Telegramm und die mail und jetzt eben diverse andere Kommunikationswege. Aus der knochentrockenen Information uferten Gedanken und erwuchs das Geschwafel, wie wenn ein steinwurf vom Gipfel im Tal als Lavine alles begrub und erschlug. Neuerliche Kommunikation entwickelte wieder einen Hang zur Kürze und Flüchtigkeit, was aber nicht mit dem Begriff “Dauer” abgebildet werden kann, sondern essentielle Entleerung meint.
Das ist schon verwunderlich. Denn “dauern” kann diese Kommunikation schon unbegrenzt und ununterbrochen, aber selten wird “Dauerndes” von Bestand zuwege gebracht. Das wird aber auch nicht vermißt, denn ein Erinnern ist sowieso nicht vorgesehen. Im Gegenteil, es wird um “vergessen” gekämpft. Wohl deshalb, weil, obwohl es keine Archivierung gibt, auch nichts wirklich verloren gehen kann. Da fühlen sich viele in ihren Entwicklungen verloren, da der Bestand der Fundstücke nicht in Zeit und Umstände geordnet werden kann.
Es kann einem schon schwindlig werden. Sprache ist eben auch nicht mehr das, was sie war.
Eigentlich folgerichtig, dass, wenn im Erlebensmoment ob der abstrahierenden Kürze jeder Beteiligte sowieso etwas anderes verstanden hatte, im Fortgang nicht auf Sachzeugen zurückgegriffen werden kann oder muss, weil sich das wirkliche Leben im praktizierten Leben begreift. Wozu noch wissen, was irreal anders geplant war, wenn aus dem empfundenen Sein nicht mal das wahrhaftige Beziehungs- und Bedingungsgefüge der Akteure ausgemacht werden kann. Wozu da das hätte, wäre, könnte?
Zukunft läßt sich sowieso nicht verhindern, auch wenn keiner sagen kann, wie die sein wird. Und diese Unbestimmtheit bestimmt auch den kaum auszumachenden Startplatz im jetzt, über dessen Günstigkeit oder Gunst erst dann entschieden werden kann, wenn auch das irrelevant, weil unbeeinflußbar, geworden ist.
Lieber kein Ziel, als an diesem zu scheitern. Nehmen, was ist. Oder gleich etwas mehr…
Fragen sich da Fachleute wirklich, aus welchen Quellen sich Depresionen, Phantomschmerzen und Selbstverbrennung speisen?
Dabeisein ist nicht alles, man muss das auch in der richtigen Mehrheit.