Feb 23
FranzAllgemein
aber alle machen mit. Warum auch nicht, wenn es alle machen?
Bewundert wird Risikobereitschaft meist von denen, die kein Risiko eingehen. Dagegen sind oft die zum Risiko bereit, die nichts zu verlieren haben. Erstere bewerten das Wagnis und letztere betonen die Chance.
Meist geht es um Geld oder Leben oder und Leben.
Der Soziologe und Risikoforscher Ulrich Beck wurde vom „Euro“ (3/2012) zum Euro befragt.
Das ist an sich schon mal bemerkenswert. Fundamentale Experten bleiben ja gern unter sich, da es wenig wahrscheinlich scheint, zu komplexer Problematik vom Laien angeregt zu werden. Bewunderung holt man sich, Beschimpfungen kommen ohnehin, aber Anregungen sind rar.
Und der „Euro“ wurde nicht enttäuscht. Beck spricht von ignoranten Ökonomen und kaschiertem Nichtwissen. Er beruft sich auf den Ökonomen John Maynard Keynes, der „darauf hinwies, dass Wahrscheinlichkeitsrechnungen für bestimmte Entscheidungen untauglich sind, weil sie das Nichtwissen kaschieren. Aber das ignoriert die Ökonomie weitgehend.“ Und redet dann von Verantwortung:
„Wir haben es mit einer Art organisierter Unverantwortlichkeit zu tun… Unser System ist ein Schwarzer-Peter-Spiel, in dem sich Verantwortung kaum zuordnen lässt, sondern ständig umverteilt wird. Dabei ist die Haftungsfrage ein Schlüssel im Umgang mit Risiken.“
Für mich sind das zwei halbe Wahrheiten und eine ganze.
- Richtig ist, wer nicht haftet, kann auch kein Risiko eingehen.
- Problematisch ist das Verhältnis von Wahrscheinlichkeit und Restrisiko. Auch eine Wahrscheinlichkeit von 99,99 Prozent belässt das Risiko ungemindert bei 100 Prozent. Die Chancen stehen 50:50. Es kann schief gehen.
- Und letztlich wird Verantwortung nicht „umverteilt“, sondern eher völlig zerteilt. Jeder ist schon mit dem eigenen Funktionsbereich überfordert und kann nicht auch noch die Verantwortung für andere übernehmen. Gemeinsame Verantwortung ist immer noch die volle Verantwortung, zerteilte Verantwortung ist unverantwortliche Handlungsunfähigkeit.
Was früher überzeugtes Vorbild war, wird somit zum Störfaktor.
Feb 22
FranzAllgemein, Demokratie und Recht, Gesellschaft
Soviel Freiheit muss schon sein.
Überhaupt ist Freiheit eine merkwürdige Sache. Freiheit bezeichnet eine Errungenschaft, die aus Verlusten besteht. Frei von… was eigentlich? Freudvoll will sich niemand erinnern. Frei von Sorgen in all den Nöten.
Merke: Der mündige Bürger ist nicht frei. Auf ihm lastet Verantwortung.
Oder sollte Freiheit reduziert sein auf das positive Sein, überhaupt eine Wahl zu haben? Das wäre sicher ein Missverständnis. Um eine Entscheidung zu treffen, bedarf es keiner vorgelagerten Wahlmöglichkeiten.
Wahrscheinlich beschreibt Freiheit jenen Zustand, in welchem man von der Notwendigkeit zur Entscheidung enthoben ist.
Feb 21
FranzAllgemein
Und genau dies macht mir Angst. Erinnert mich an die Schlaraffenlandvisionen. Und nicht nur in der Bildausformung von Herrn Pieter Bruegel
sondern auch als Kapitel und Schriftsatz im Pinocchio. (selber lesen!)
In der Technology Review März 2012 steht ja nicht nur etwas über das Großprojekt „Hirnsimulator“
(ich bin mir nicht sicher, ob das eigentliche Projekt etwa dem elektronischen Gehirn gilt oder doch eher der Abzocke der Milliarde an Fördergeldern),
es steht da auch, es ginge dabei um die Erforschung von Krankheiten wie Alzheimer, Demenz oder überhaupt der Intelligenz.
Wozu eigentlich? Präimplantationsdiagnostik können wir z.B., wollen wir aber nicht. Sollte dies hier anders werden?
Natürlich.
Im selben Heft steht auch ein Artikel über das Verständnis von Nutzern sozialer Netzwerke.
Insgesamt zum Kringeln. Aus jedem Blickwinkel.
(Außer aus jenem, über den nicht gesprochen wird.)
Ich habe größte Hochachtung davor, dass es anscheinend gelungen ist, dem Chaos der Meinungen im Web einen messbaren Sinn abzuringen – möchte diesen mathematischen Algorithmus aber selber nicht wirklich verstehen….
Darum geht es ja auch nicht. Es geht um Rückkopplungen, Regelschleifen, Geld und Werbemillionen. Es geht darum, dass die User das bekommen, was sie wollen. Möglichst, bevor sie wissen, was sie wollen.
Was mich so belustigt hat?
Dazu ein Zitat:
„… löste die eine Ausstrahlung achtmal so viele Reaktionen in den sozialen Medien aus wie die andere. Niemand weiß, warum. In der Vergangenheit habe man den Kontext immer außen vor gelassen. `Aber Überraschung! Der Kontext spielt eine entscheidende Rolle.`… `Die Forschung steht noch am Anfang. Aber sie ist vielversprechend.`“
Ich jedenfalls finde das lustig. Jeder vorzeitige Druide hätte gewusst, dass es wichtig ist, wann man wo und wie was zu wem sagt. Ich meine, die wirklich wohlfällige Frage, ob noch jemand frisches Wasser benötige, wird wohl anders bewertet, wenn ich in der Wüste stehe oder auf sinkendem Schiff. Und sicher habe ich im Nähzirkel weniger Anklang als im Fanclub, äußerte ich mich über das gestörte Farbempfinden einiger Vereinsfarben….
Aber darum geht es ja nicht. Es geht letztlich um prüfbare Optimierungen im universalen Service.
Bleibt nur die Fragen nach dem Ziel, oder wie auch immer man Erfolg heute nennt.
Feb 17
FranzAllgemein
Sagt Dr. Dr. h. c. Hermann Simon, Chairman der Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partner im Manager Magazin 3/2012.
Beeindruckt hat mich die sehr nachvollziehbare Begründung, warum sie kommt und nicht wie dauerhaft vorhergesagt, längst schon vollzogen ist.
Drei Seiten weiter im selben Heft werden 8 Treiber benannt, die das globale Wachstum stimulieren werden. Titel: „Die Billionen-Chance“.
Klar, es geht bei der „Revolution“ nicht um Gewaltexzesse, nicht um den nächsten Sommermodentrend oder die direkte Demokratie, nicht um die Energiewende oder Anforderungen an die alternde Gesellschaft. Hermann Simon sagt:“ Die kommerzielle Nutzung des Internets steht erst am Anfang.“
Bla, bla, bla… alles schon gehört?
Ich zitiere:
„Ich habe übrigens nicht vor, meine Zeitung auf dem Kindle zu lesen. Ich warte, bis sie auf elektronischem Papier kommt. Solches wurde mir kürzlich bei Samsung Electronics in Seoul vorgeführt, noch nicht perfekt, aber zukunftsträchtig.“
Mir fehlt jede Vorstellung, wie elektronisches Papier aussehen könnte, vermute aber, dass dies die falt- und knorkelbaren Folien sein werden, die man sich in die Hosentasche stopfen kann und per Internet mit digitalem Content gefüllt werden, wie schon seit ein paar Jahren im Gespräch.
Aber immerhin hat sich Herr Simon sein Lesegerät mit einer Klassikerbibliothek von Homer bis Rilke bestückt, zum Nulltarif von Amazon und Gutenberg.org.
Und er widmet sich den Folgen. Verlagen, Druckereien, Händlern, Parkplatzbetreibern, all deren Ausrüstern und Zulieferern usw . etc….
Und da werden dann die Innovationen und Treiber zum globalen Wachstum interessant. Ich erinnere noch einmal an die längst empfohlenen Bücher, z.B. „Hydromania“, ISBN 978-3-630-62156-2
Und er hat Recht. „…so ungerecht ist das Schicksal. Die Revolution ist da. Wir werden uns wundern, was da noch kommt.“
Feb 16
FranzAllgemein
Herr Prof. Dr. Peter J. Brenner zitiert den Begriff und Definition „Gesundheit“ der Weltgesundheitsorganisation WHO, um dann selber festzustellen
„Das sind große Worte. Wegen ihres offensichtlichen Realitätsverlustes…“
(Universitas, 67. Jahrgang, No. 788, Februar 2012)
Über solch komplexes Thema ist sicher leicht zu streiten , was nicht mein Anliegen ist. Sicher wäre ich zwar befugt, sicher aber nicht kompetent.
Wie so oft, habe ich zwar keine Ahnung, wohl aber eine Meinung.
Das Fehlen von Krankheit galt ja lange als gesund. Das gilt offensichtlich nicht mehr. Es muss eine besondere Stufe der Sozialisation sein, wenn dem Einzelnen das Recht auf Befindlichkeit zwar unbenommen bleibt, die Bewertung dieser Befindlichkeit aber scheinbar objektiven Kriterien folgt.
Eigentlich eine Entmündigung, ein Souveränitätsverlust.
Nun habe ich mir immer Ärger und Vorwürfe eingehandelt, wurde sogar dafür beschimpft, wenn ich in der Gesundheit kein Lebensziel erkennen konnte. Gesundheit ist für mich kein Selbstzweck, aber eben doch eine wichtige Voraussetzung für viele andere Sachen. So würde für mich dann ein Schuh draus.
Gesundheit als ein Zustand, der mich nicht einschränkt, mir Möglichkeiten lässt. Wofür nur, ist danndie Frage?
(http://blog.corporatebookstore.de/page/2/?s=gesundheit)
Sicher mag es Leute geben, die sterben höchst gesund, aber sie sterben. Andere sind krank, leiden Schmerzen und leben doch, einige sogar wider Willen.
Das soll gar keine Witzelei sein. Nehmen wir nur den normalen Alterungsprozess, an dessen Ende unweigerlich der Tod steht. Mir selber erhoffe ich die Gnade, hochbetagt und unverhofft zu sterben. Aus unerfindlichen Gründen sozusagen…
Oder steht zwangsweise ein gesundheitlicher Verwitterungsprozess an, bis die Systeme kollabieren?
Und wenn dies normal wäre, wo begänne der Zustand, der von gesund in krank umschlägt?
Alt wollen alle werden, nur eben nicht alt. Meint ganz, ganz lange leben ohne klapprig zu werden. Aber ist, mit altersbedingten Einschränkungen leben zu müssen, noch gesund oder eben doch schon nicht mehr?
Ich weiß es nicht. Jedwede Körperfunktion an einem Optimum zu messen, scheint mir verkehrt. Mit einem „Das ist in Ihrem Alter normal“ kann man kaum einem schmerzgeplagten Senior beruhigen.
Der Anspruch an Gesundheit selber ist zu einer grassierenden Krankheit geworden.
Die äußert sich darin, dass Gesundheit als einklagbare Fremddienstleistung angesehen wird, gegen deren Ausfall man sich versichern kann. Und wenn dies sogar als unabweisbare Pflichtversicherung daherkommt, dann scheint man endgültig von Verantwortung befreit zu sein. Wie bei jedem Vertrag, muss man sich natürlich an die Regeln halten.
Einer zahlt, der andere liefert. Nun gut, so einfach ist es doch nicht. Es gibt ergänzende Vertragsnebenbestimmungen, Ausschlussrisiken und Wohlverhaltensregeln. Und trotzdem bleibt gänzlich unklar, woran Gesundheit denn gemessen werden soll. Welches Ausmaß an Einschränkungen ist noch gesund?
Ich gebe es zu, es klingt schon etwas merkwürdig, wenn ich, ob dieser ja auch mit vielen persönlichen Leiden und schweren Schicksalen verbundenen Sache, von Freude sprechen kann. Aber die Freude bezog sich nur darauf, dass ich mich bestätigt fühle, ungeachtet der tatsächlichen Zustände eigenen Zielen zuzustreben – natürlich nur, wenn diese Zustände schmerzfrei sind.
Nun fühlen sich ja viele Menschen heute weder schmerzfrei noch auch sonst im Zustand einer Zufriedenheit. Ja, folgt man den Erhebungen und Statistiken nehmen jene Leiden mit gefühlter Zustandsunzufriedenheit rasant zu.
Ich verweise auf da auf einen Aufsatz der Vizepräsidentin des Bundesverbandes der Personalmanager, Frau Ursula Schütze-Kreilkamp, der im Märzheft vom „Human Resources Manager“ publiziert wurde: „Viel Psychobrei“. Zum Thema Burn-out schreibt sie „Es ist keine Krankheit im Sinne des ICD (Internationale Klassifikation der Krankheiten), sondern ein Zustand.“
Kluge Frau. Gegen Ende formuliert sie: „Spiritualität im Sinne einer übergeordneten Sinnhaftigkeit scheint die intrinsische Motivation zu erhöhen und eine sehr gute Prävention vor dem Virus Burn-out zu sein.“ Faktisch in die gleiche Kerbe schlägt DM-Chef Götz Werner im Parallelheft „Focus“. Auch da geht es um die Sinnfrage: „Der Mensch neigt dazu, das Wesentliche aus den Augen zu verlieren.“
Bedenke ich nebenher die Debatten in den Neurowissenschaften, ob es denn überhaupt ein Subjekt gäbe, welches in Lage wäre, so etwas wie einen wesentlichen Sinn zu erfassen, erstaunt mich die akribische Beflissenheit zur autarken Isolation. Der Spiegel (7/2012) läßt David Eagleman verlauten:
„Das Ich ist ein Märchen“ und „Zeit Wissen“ (2/2012) behauptet, dass die Wissenschaft „dem Geheimnis des Selbst-Bewusstseins auf die Spur“ gekommen sei. „Was ist das Ich?“
Die „Piraten-Partei“, scheint mir, und auch die „world-wide-Occupy“-Bewegung scheinen diese Frage so zu beantworten: Dabeisein!
Und „Nö“ ist dazu mein ganzer Kommentar. Trial and error ist die Methode des blinden Huhns.
Der krude Laternenträger in der Selbsterläuterung des Lew Tolstoi zur „Kreuzersonate“ war da sicher schon weiter….
Aber es kommt eben immer auf die Positionen an: auf die Lagebestimmung, auf den Blickwinkel und auf die angepeilte Vision.
Feb 10
FranzAllgemein, Demokratie und Recht, Geld, Gesellschaft, Schwärmereien
Nicht immer, natürlich nicht. Aber immerhin so oft wird meine lästige Meinung in den öffentlichen Medien bestätigt, dass ich meine ureigenen Selbstgewißheit nicht fatal finden brauche. Eigene Erfahrungen wiegen eben schwerer als jedes Hörensagen von Autoritäten. Gewöhnlich muß ich auf solche Bestätigungen zwischen 7 bis 15 Jahre warten.
Ich kann verschmerzen, dass diese “Neuerkenntnisse” von neuerlichen autoritäten verkündet werden und meine Lästigkeitskonstante erhalten bleibt. Ich freu mich dann nur.
Heute ist so ein Tag.
“Psychologie heute”, März 2012
- “Dumme Dinge . Wie manche Maschinen unsere Intelligenz ruinieren” , wolfgang Schmidbauer ab S. 44
Ich wage zu behaupten, dass später auch vom Verlust der Sozialität gesprochen wird, “Burn Out” nicht auf Überlastung durch Ehrgeiz, sondern auf Sozialitätsverlust zurückgeführt wird und die “Schwarmintelligenz” gar keine ist, sondern nur eine selbstregelnde Mehrheitsbestimmung…
- “werfen Sie einfach eine Münze…” meint Gerd Gigerenzer (MPI für Bildungsforschung) ab S.64 und ersetzt damit auch eine überoptimierte Strategieplanung mit Kommissionsfindungskommissionen…
während die physikalische Abschaffung der “Zeit” (wegen diverser Axiomswidersprüche) mit philosophischen Termini diskutiert wird, sollte man meinen!, sollte Philosophie, Psychologie und Soziologie ernstlich die “Zeit” mal wieder als Determinante im sozialen Entwicklungsprozeß entdecken und nicht nur der Ökologie und Ökonomie als Werteinheit überlassen…
- “Das nervt! warum wir auf die Zumutungen des Alltags nicht gelassen reagieren können” ab S. 20 + Folgebeiträge
Wunderschönes Heft diesmal.
Und wenn ich schon dabei bin, kann ich auch gleich der vorwochenfreude etwas nachhängen und das Februarheft von “soziologie heute” (www.soziologie-heute.at) verweisen. Die moderne Freiheit schafft das Zeitalter der Angst.
Obiges Heft spricht von der “Lust am Umtergang”, S. 40, und dieses hier titelt: “Der Umgang mit der Unsicherheit. eine kultursoziologische Betrachtung”.
Fand ich gut.
Und erinnerte mich an den “Spiegel” 6/2012 ab s. 52: “Frei schwebend in der Wolke – Der Software-Konzern IBM plant eine Radikalreform seiner Belegschaft. ein internes Papier zeichnet die Blaupause für die Arbeitswelt von morgen: Kleine Kernmannschaften dirigieren ein Heer freier Mitarbeiter – weltweit.”
nunja, das hat die Logistikbranche ja schon hinter sich und dabei Unmassen von sauglücklichen freier Kleinunternehmern geschaffen, die regelmäßig nach 2-5 Jahren den finanziellen Offenbarungseid leisten und dafür 15 schneller gealtert sind. die positive Seite dabei ist, die großen Logistikanbieter sind darüber ökologisches Vorbild geworden – sie besitzen ja selber keine Fahrzeuge mehr… Preise und Medaillen haben sie vom Staat dafür schon bekommen…
Die Zukunft macht einfach neugierig.
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