Und wieder habe ich mich gefreut…
Feb 16
Herr Prof. Dr. Peter J. Brenner zitiert den Begriff und Definition „Gesundheit“ der Weltgesundheitsorganisation WHO, um dann selber festzustellen
„Das sind große Worte. Wegen ihres offensichtlichen Realitätsverlustes…“
(Universitas, 67. Jahrgang, No. 788, Februar 2012)
Über solch komplexes Thema ist sicher leicht zu streiten , was nicht mein Anliegen ist. Sicher wäre ich zwar befugt, sicher aber nicht kompetent.
Wie so oft, habe ich zwar keine Ahnung, wohl aber eine Meinung.
Das Fehlen von Krankheit galt ja lange als gesund. Das gilt offensichtlich nicht mehr. Es muss eine besondere Stufe der Sozialisation sein, wenn dem Einzelnen das Recht auf Befindlichkeit zwar unbenommen bleibt, die Bewertung dieser Befindlichkeit aber scheinbar objektiven Kriterien folgt.
Eigentlich eine Entmündigung, ein Souveränitätsverlust.
Nun habe ich mir immer Ärger und Vorwürfe eingehandelt, wurde sogar dafür beschimpft, wenn ich in der Gesundheit kein Lebensziel erkennen konnte. Gesundheit ist für mich kein Selbstzweck, aber eben doch eine wichtige Voraussetzung für viele andere Sachen. So würde für mich dann ein Schuh draus.
Gesundheit als ein Zustand, der mich nicht einschränkt, mir Möglichkeiten lässt. Wofür nur, ist danndie Frage?
(http://blog.corporatebookstore.de/page/2/?s=gesundheit)
Sicher mag es Leute geben, die sterben höchst gesund, aber sie sterben. Andere sind krank, leiden Schmerzen und leben doch, einige sogar wider Willen.
Das soll gar keine Witzelei sein. Nehmen wir nur den normalen Alterungsprozess, an dessen Ende unweigerlich der Tod steht. Mir selber erhoffe ich die Gnade, hochbetagt und unverhofft zu sterben. Aus unerfindlichen Gründen sozusagen…
Oder steht zwangsweise ein gesundheitlicher Verwitterungsprozess an, bis die Systeme kollabieren?
Und wenn dies normal wäre, wo begänne der Zustand, der von gesund in krank umschlägt?
Alt wollen alle werden, nur eben nicht alt. Meint ganz, ganz lange leben ohne klapprig zu werden. Aber ist, mit altersbedingten Einschränkungen leben zu müssen, noch gesund oder eben doch schon nicht mehr?
Ich weiß es nicht. Jedwede Körperfunktion an einem Optimum zu messen, scheint mir verkehrt. Mit einem „Das ist in Ihrem Alter normal“ kann man kaum einem schmerzgeplagten Senior beruhigen.
Der Anspruch an Gesundheit selber ist zu einer grassierenden Krankheit geworden.
Die äußert sich darin, dass Gesundheit als einklagbare Fremddienstleistung angesehen wird, gegen deren Ausfall man sich versichern kann. Und wenn dies sogar als unabweisbare Pflichtversicherung daherkommt, dann scheint man endgültig von Verantwortung befreit zu sein. Wie bei jedem Vertrag, muss man sich natürlich an die Regeln halten.
Einer zahlt, der andere liefert. Nun gut, so einfach ist es doch nicht. Es gibt ergänzende Vertragsnebenbestimmungen, Ausschlussrisiken und Wohlverhaltensregeln. Und trotzdem bleibt gänzlich unklar, woran Gesundheit denn gemessen werden soll. Welches Ausmaß an Einschränkungen ist noch gesund?
Ich gebe es zu, es klingt schon etwas merkwürdig, wenn ich, ob dieser ja auch mit vielen persönlichen Leiden und schweren Schicksalen verbundenen Sache, von Freude sprechen kann. Aber die Freude bezog sich nur darauf, dass ich mich bestätigt fühle, ungeachtet der tatsächlichen Zustände eigenen Zielen zuzustreben – natürlich nur, wenn diese Zustände schmerzfrei sind.
Nun fühlen sich ja viele Menschen heute weder schmerzfrei noch auch sonst im Zustand einer Zufriedenheit. Ja, folgt man den Erhebungen und Statistiken nehmen jene Leiden mit gefühlter Zustandsunzufriedenheit rasant zu.
Ich verweise auf da auf einen Aufsatz der Vizepräsidentin des Bundesverbandes der Personalmanager, Frau Ursula Schütze-Kreilkamp, der im Märzheft vom „Human Resources Manager“ publiziert wurde: „Viel Psychobrei“. Zum Thema Burn-out schreibt sie „Es ist keine Krankheit im Sinne des ICD (Internationale Klassifikation der Krankheiten), sondern ein Zustand.“
Kluge Frau. Gegen Ende formuliert sie: „Spiritualität im Sinne einer übergeordneten Sinnhaftigkeit scheint die intrinsische Motivation zu erhöhen und eine sehr gute Prävention vor dem Virus Burn-out zu sein.“ Faktisch in die gleiche Kerbe schlägt DM-Chef Götz Werner im Parallelheft „Focus“. Auch da geht es um die Sinnfrage: „Der Mensch neigt dazu, das Wesentliche aus den Augen zu verlieren.“
Bedenke ich nebenher die Debatten in den Neurowissenschaften, ob es denn überhaupt ein Subjekt gäbe, welches in Lage wäre, so etwas wie einen wesentlichen Sinn zu erfassen, erstaunt mich die akribische Beflissenheit zur autarken Isolation. Der Spiegel (7/2012) läßt David Eagleman verlauten:
„Das Ich ist ein Märchen“ und „Zeit Wissen“ (2/2012) behauptet, dass die Wissenschaft „dem Geheimnis des Selbst-Bewusstseins auf die Spur“ gekommen sei. „Was ist das Ich?“
Die „Piraten-Partei“, scheint mir, und auch die „world-wide-Occupy“-Bewegung scheinen diese Frage so zu beantworten: Dabeisein!
Und „Nö“ ist dazu mein ganzer Kommentar. Trial and error ist die Methode des blinden Huhns.
Der krude Laternenträger in der Selbsterläuterung des Lew Tolstoi zur „Kreuzersonate“ war da sicher schon weiter….
Aber es kommt eben immer auf die Positionen an: auf die Lagebestimmung, auf den Blickwinkel und auf die angepeilte Vision.
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