Mai 05
FranzGeld, Gesellschaft
Wenn Staaten eine Pleite droht, warum dann noch Kredite geben?
Weil es trotzdem ein gutes Geschäft ist…
1. Weil Staaten eben doch recht selten aufgelöst werden und auch bei Ausfall kann man noch verhandeln.
2. Weil man das kalkulieren kann. Solange Zinseinnahmen und eine Teiltilgung immer noch einen höheren Betrag ergeben als die Kreditsumme einer war, hat man Gewinn gemacht. Also eine Spekulation auf die Zeit.
3. Weil man ein gutes Herz zeigen kann, die Tilgung auf den St.- Nimmerleinstag verschieben und bis zu diesem Tag dann wenigstens die Zinsen kassiert. Das ist drin – und nennt sich Umschuldung. Da sind mehrere 100 % Gewinn drin.
4. Wohin sonst mit dem Geld?
Wenn man Geld hat und nicht zusehen will, wie das verlustvoll vor sich hinwelkt, muss man damit was machen und es gibt nicht viele Möglichkeiten:
1. Verschenken – schenkt man sich auch den Kommentar
2. Verkonsumieren – Prasser-Image und ständige Angst, ob es wohl reichen wird, wo man doch so lange leben will
3. Investieren – bekommt man überall den roten Teppich vor die Tür, auch bei Regen
Investieren will abgewogen sein. Wird man Unternehmer oder Geschäftsmann?
1. Glaubt man an eine Unternehmung oder hält die für wichtig, beteiligt man sich dran und sieht zu, dass die Sache vorankommt. Gewinnt man immer – nur ob es einen Ertrag gibt und der stetig ist und sich vielleicht gar in der Fratze des Verlustes zeigt, ist ungewiss. Das fordert mehr als Geld. Das braucht Engagement, Arbeitsfreude, Ideen und Hartnäckigkeit und Überzeugung.
2. Will man das alles nicht und von eigenem Zutun befreit sein, muss das Geld in Aladins Wunderlampe: eine Verzinsung muss her! Kredite, Pfandbriefe, Zertifikate, Sparanlagen und stille Beteiligungen. Wo immer das Geld eingesetzt wird, ist wurscht! Die können den Gürtel enger schnallen oder sich das Standbein amputieren, die Rendite ist verbrieft und die Forderung auch. Da geht es um keine Sache, das ist ein Geschäft.
3. Die unbekannte Unternehmung. Das ist eine Sache, von der man keine Ahnung hat, von der und die man nicht versteht. Von einem Guru wird die wie 1. angepriesen und wie 2. verkauft und garantiert auf lange Sicht das Weder-Noch. Da braucht es eine Barreserve, weil erst wachsen die Papierzahlen, auf die man dann reale Steuern zahlt und später kommt unvermutet eine traurige Nachricht. Solange man Steuern zahlen darf, trennt man sich nicht vom Goldesel und nach der Schlachtung hat man einen verkorksten Magen.
Also – und das gilt für beide Seiten am Geben und Nehmen – das Schönste ist doch, wenn man sich Verluste teilt. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Bei solidarischer Haftung sogar noch weniger. Jedenfalls auf das Ganze gesehen.
Ein Unterschied wird erst deutlich, sollte man die einzelnen Personen in der Gesamthaftung betrachten:
Der Reiche verliert von Vielem wenig.
Der Mittelreiche verliert von Einigem alles.
Der Arme verliert das, was er hatte.
Der ganz Arme verliert von Nichts auch nichts.
3. Merksatz: Immerhin die Hälfte kommt ganz glimpflich davon. Und das istjedenfalls die Mehrheit.
Mai 04
FranzGeld, Gesellschaft
Ja, sagen die Gurus. Es sei jedoch politisch nicht erwünscht, darüber in der Öffentlichkeit zu schwadronieren. Es muss Panik vermieden werden und der für alle beste Weg bedacht werden. Chaos und Hysterie könnte unabsehbare Folgen für die Weltwirtschaft heraufbeschwören… erinnert sei an die Folgen von 2008 an denen man noch zu tragen habe und die doch vergleichsweise harmlos sein würden.
Und überhaupt, die Kunst sei eigentlich nicht eine Prognose des ob und vielleicht, sondern die wahre Meisterschaft sei die Bestimmung des wann!
Das ist interessant.
So spricht doch keiner, der vom der schlichten Ereignis überwältigt ist. So spricht nur einer, der nicht nur seine Felle in`s Trockene bringen will, sondern dabei auch noch seinen Schnitt machen. Zur richtigen Zeit, am richtigen Ort mit dem passenden Angebot. Möglichst allein und nicht im Pulk.
Merksatz 2:
Nimm die Meinung der Fachleute und Insider gern entgegen, nur glaube ihnen nicht. Es sei denn, du kennst das Motiv, genau jetzt und genau das und genau so zu formulieren, weil… da gehofft und gesteuert wird.
Im Übrigen bin ich bass erstaunt, dass bei allem Berechnen von Rettung und Sanierung eigentlich immer nur ein Verzögern gemeint wird, als ob man neu anfangen könnte, ohne einen Abschluß durchlaufen zu haben und dass „Sicherheit“ niemals infrage stellt, dass letztlich dem natürlichen Kreislauf nichts entgegengesetzt werden könne. War doch immer so und schon mehrfach durchlebt. Und siehe, die Welt dreht sich immer noch.
Mir dagegen scheint es eine Maßnahme zu geben, die den Kreislauf durchbricht und einen Crash für alle Zukunft ausschließt.
Komme ich noch zu…
Mai 04
FranzGeld
Zumindest scheint die dies die Grundeinstellung in unserem septischen Zeitalter. Weswegen zwar alle Geld haben wollen, es aber nicht wirklich besitzen. Verfügbarkeit muss reichen.
Früher haben die Leute Geld geradezu gesammelt und in eisenbewehrten Kisten gehortet. Die Nibelungen zwar mit Drachen aber ohne Kiste, später dann ohne Drachen aber in vielen Kisten.
Heute will man Geld schnellstmöglich irgendwie loswerden. Beäugt man so einen realen Berg an Geld in Münzen und Bündeln, stellt sich sofort ein mulmiges Gefühl ein. Reales Geld ist nicht nur dreckig, es ist auch noch verlustgefährdet. Weg damit.
Man kann das tatsächlich beobachten, ausnahmslos alle haben einen erleichterten Gesichtsausdruck, wenn sie eine größere Bargeldsumme erst mal losgeworden sind. Sie fühlen sich befreit und wahrhaftig erleichtert.
Zumeist wird es zur Bank gebracht und gegen Zahlen auf einem zettel oder im Computer eingetauscht.
Wenn ich es recht bedenke, eine merkwürdige Sicherheitsverwahrung. Schließlich bestehen Banken fast ausschließlich aus Schulden! Da sind die wackligen Kredite, die die Banken vergeben haben, und da sind die hauseigenen Schulden gegenüber den Anlegern und Sparern.
So ein Schuldenhochhaus gilt aber heute als sicherster Ort für Geld.
Mai 03
FranzGeld, Gesellschaft
Zweifelsfrei, hatten wir schon öfter. Der einfachste Weg ist die Eroberung. Etwas komplizierter eine Übernahme durch Fusion.
Das alles ist dann erst einmal politischer Natur. Ökonomisch ist das komplizierter. Vermögenswerte werden einfach übernommen und Schulden für nichtig erklärt. Die Gläubiger machen lange Gesichter. Wehe wenn die dadurch selber ruiniert werden. Und deren Gläubiger dann auch. Und deren dann. Und immer so weiter.
Dann ist die Kacke am Dampfen!
Könnte man schöner ausdrücken, aber nicht richtiger.
Nun ist es aber so, dass sich ab einem gewissen Schuldenstand sich das Ganze nicht mehr verhindern lässt – außer durch eine exorbitante Schenkung.
Ist eine relativ simple Rechenaufgabe. Wenn Schuldgelder nicht so investiert werden, dass als Ertrag der Unternehmung nicht neben den Zinsen auch mindestens eine Tilgungsanteil und zusätzlich die Deckung sonstiger Kosten rauskommt, kann die Schuld niemals getilgt werden.
Ungezahlte Zinsen erhöhen die zinspflichtige Schuldsumme noch.
Ohne Tilgung bleibt die Schuldsumme ewig und fordert ewige Zinsen.
Und überhaupt ist die Sache wenig lukrativ, wenn nicht neben Zins und Tilgung ein zusätzlicher Gewinn bleibt – alles neben den Selbstkosten der Unternehmung versteht sich! – als Gesamtgewinn.
Wer also Kreditgelder nicht investiert, sondern konsumiert, gibt von der ersten Sekunde an das Signal, hier soll überhaupt nicht retour gezahlt werden.
Eine Art Schneeballsystem, wenn mit immer höheren Neu-Schulden irgendwelche Altschulden bezahlt werden.
Und irgendwann ist allein die Zinspflicht höher als die beste und utopischste Einnahmehoffnung, also hoffnungslos.
Diesen Punkt haben die wichtigsten Volkswirtschaften der Welt schon längst überschritten. Keine Sorge , China auch, Japan und die USA sowieso und für Deutschland braucht man nur mal ausrechnen, wieviele Jahrzente von den erhofften Steuereinnahmen kein Cent ausgegeben werden dürfte, nix investiert und nix konsumiert und kein einziger Beamter bezahlt werden, bis die aufgelaufene Kreditsumme zurückgezahlt werden kann (nebst laufender Zinsen versteht sich!)
Also am St. Nimmerleinstag.
Denn wenn nicht mal der Staatsapparat bezahlt werden kann, existiert er ja eigentlich nicht mehr. Niemand da, der irgendwelche Einnahmen entgegennehmen kann.
Ist doch so. Also funktioniert das System nur solange, wie neben den eigenen Versorgungskosten auch die Zinslasten (deren Zahlung ja die Gläubiger bei der Stange hält) als Mindesteinnahme vorliegen.
Wenn die eigenen Versorgungskosten steigen, steigen auch die Zinslasten, denn die Differenz muß ja durch zusätzliche Kredite getragen werden, wenn nicht die Einnahmen gestiegen sind.
Das ist schon vorgekommen, doch wirklich. Aber immer wenn die Einnahmen gestiegen sind, sind zeitgleich die Ausgaben noch viel schneller gestiegen und damit die Gesamtschuldsumme auch.
Und nur als Nebenbeigedanken, wenn sich die Staatseinnahmen erhöhen, hat irgendjemand garantiert höhere Ausgaben – als Zahler an den Staat.
Nun ist die Zahleranzahl und deren Belastungsfähigkeit aber durchaus begrenzt.
Aber zurück: Solange die Zinsen an die Gläubiger fließen und umgeschuldet werden kann, ist alles bestens.
Weil, das ist ja klar, wenn ein Gläubiger nach dem hübschen Zinssümmchen dann passend die Rückzahlung erhält, ist er ja sofort tieftraurig. War doch ein schönes Geschäft. Schade drum. Jederzeit wieder! Das Vertrauen war doch gerechtfertigt. Der Leumund des Ex-Schuldners ist glänzend.
Und so werden aus einem Gläubiger 10, aus 10 dann 100 und später viele tausende. Dass dabei sich die Schuldsumme des Schuldners auch vertausendfacht hat, spielt für den Einzelgläubiger keine Rolle, solange eben seine Forderung beglichen wird.
Aber auch die Zahl der potentiellen Gläubiger ist begrenzt. Irgendwann wird aus dem schlichten Schneeballsystem ein Ringelpietz mit Anfassen und die Gläubiger zahlen sich wechselseitig wissend die Schulden des Schuldners hin und her und führen nur an den Schuldner sozusagen eine „erlaubnisgebühr“ ab. Die der bitter braucht, schon um sich zu erhalten.
und erhalten muss er schon werden, das ist auch das Interesse der Gläubiger, sonst wären Ihre Pfand- und Kreditbriefe ja wertlos!
Sind sie ja auch, nur zugeben will es keiner…. Sonst gibt es den großen Crash.
Da läßt sich doch noch was machen!
Stimmt sogar. Mehrere Wege stehen offen: die weiche und die harte Tour.
Erst einmal Zeit gewinnen…
1. Merksatz:
Der erste kritische Blick auf einen Haushalt sollte nicht begutachten, was wofür ausgegeben werden soll, sondern ob die Kreditaufnahme höher ist als eine geplante Tilgungsleistung. Der zweite Blick gilt dem Verhältnis von Zinslasten zu allen anderen Ausgaben. Und der dritte Blick gilt dem Verhältnis von Zinslasten zu den Einnahmen ohne Kreditzufluß.
Apr 21
FranzGeld, Gesellschaft
Ostern ist keine, aber die Ausgabe 5/2011 der Zeitschrift „Capital“ schon.
Fast eine Kurzfassung dessen, was ich mir hier seit über einem Jahr notiere…. Kostet nur 7 Euro, was mich nachgerade deprimiert. Mehr war das alles also nicht wert?
Naja, es gibt einen kleinen Trost. Ein Hinweis auf dem Deckblatt sagt: Die Euro-Lüge Warum uns die Politiker für dumm verkaufen“ So findet sich das dann im Heft nicht wieder. Ist ja klar, die beschränken sich auf eine Illustration des „wie“. Bei der Erörterung des „warum“ wären sie denn doch schamhaft gescheitert! Das macht immerhin noch einen Unterschied.
Immerhin aber ein bemerkenswertes Heft, auch in der Spannbreite. Wer nicht nur lesen kann, sondern sich über 20 Minuten etwas merken, wird überrascht sein, wie die einzelnen Artikel sich verzahnen, ergänzen und ausleuchten, gerade wenn sie scheinbar so gar nichts miteinander gemein haben.
Besonders interessant, trotz Außenhandelssteigerung und Senkung des Defizits ist der Bankrott der USA nur zu verhindern, wenn es gelingt, ohne Meuterei die Schulden erst breit zu verteilen und dann verfallen zu lassen. Sonst…
Oder wie sich im Vergleich einerseits der Entwicklung der Firma „LEGO“ und andererseits des US-Startup „Boku“ der Zeitgeist der Moderne erhellt und die gesellschaftliche Zukunft projiziert…
Und das Gespräch der Vermögensverwalter ist eine Feierstunde für sich, denn wer wäre nicht hellhörig, wenn ausgerechnet jetzt „Griechenland-Anleihen“ gekauft werden sollen, zumal mit der Begründung, WEIL der Staat unrettbar pleite ist…
Und gegen Apple gibt es keine Chance. Warum?
Und noch viel, viel mehr
So erläutert Günter Ederer ganz nebenbei am Beispiel der Atomkraft, wie der Preis nicht nur den Markt sondern auch den Verstand reguliert.
Wenn jemand in 100 Jahren zufällig über dieses Heft stolpert, wird es vielleicht Forschungsprojekt werden, warum trotzdem alles so gekommen ist…
(ein Teil der Antworten finden sich im Heft selber)
Apr 20
FranzAllgemein, Geld, Gesellschaft
Sagen die Befürworter.
Nur wenn es keine gibt! – sagen ihre Gegner.
Sowohl als auch! – ist das politische Statement Deutschlands.
Wo ist das Problem?
Das Problem besteht darin, am Problem vorbei zu sehen.
Selbstverständlich sind sichere Kraftwerke möglich. Überlegen wir doch mal:
Die Gesamtkatastrohe muss nicht bedacht werden, denn wenn der ganz Erdball hopps geht, muß das nicht ausgerechnet ein Kernkraftwerk überstehen. Gleiches gilt für einen Neuanfang der Evolution, wenn das bestehende Leben durch Meteoriteneinschlag ausgelöscht wird.
An der Grenzlinie driftender Kontinentalplatten sollte ein Kernkraftwerk natürlich nicht auf jener Platte stehen, die sich unter die andere schiebt, sonst wäre ein Zugriff wirklich erschwert.
Sonstige Katastrophen vom Tsunami, Erdbeben, Flugzeugabstürze, ja sogar Bomben- und Raketenbeschuss sind insofern kalkulierbar, als Auswirkungen berechenbar sind, sogar das Vielfache des allerschlimmst Denkbaren.
Die Kraftwerke funktionieren ja. Das ist also kein Problem. Gesucht wird ein Raum, ein Schutzraum, in dem sie das ungestört tun dürfen. Und da die Dinger nur mit allen möglichen Zusatzserviceaggregaten funktionieren, müssen die zwangsweise mit in diesen Schutzraum.
Also wer kilometerhohe Hochhäuser und kilometertiefe Bunker in Erdbebengebieten bauen kann, stabil und unkaputtbar, scheut diese Aufgabe nicht. Wenn diese Hülle äußerlich unversehrt bleibt, brauch ich auch um die innen angebrachten Strahlenschutzelemente nicht zu fürchten.
Da, wenn Menschen arbeiten, Fehler nie ausgeschlossen sind, muss ich an Ausfall denken und entsprechende Vervielfachung der Schutz – und Betriebselemente denken. Aber nicht wie bisher, dass die sich ersatzweise ergänzen, sondern als permanente Dopplung und Vervielfachung. Wenn dann Regler und Steuer ausfallen, kann zum Beispiel schlimmstenfalls die Kühlung in eine Frostung übergehen, also Abbruch statt Überhitzung und Aufbruch.
Das alles ist denkbar und somit machbar. Man kann unterschiedliche und aus verschiedenen Quellen stammende Systeme übereinanderlegen, jeweils autark im Betrieb und autark in der Kontrolle.
Machbar.
Finanzierbar? DAS ist ein ganz anderes Problem. Weil man dieses Problem vielleicht nicht lösen kann, sollte man nicht behaupten, sichere Kernkraftwerke seien nicht möglich. Nur weil ich mir keine Villa leisten kann, kann ich doch nicht sagen, Versailles habe es nie gegeben, zumal der alte Ludwig sich Versailles auch nicht leisten konnte… hat er trotzdem gemacht und wir sind heute ihm dankbar.
Also, wenn ich es recht bedenke, ist auch die Finanzierung kein Problem. Es gibt da Grenzwertberechnungen, dass es sich trotzdem lohnt, wenn der Energiehunger nur groß genug ist. Muss man halt warten, bis der Energiebedarf zum Problem wird…
Da verweisen die jüngst bewilligten 550 Millionen für Tschernobyl schon eher auf das eigentliche Problem, wobei die Summe unerheblich ist.
Das eigentliche und wirkliche Problem sind die Abfälle und Reste. Und dieses Problem ist tatsächlich unerledigt und ungelöst.
Kein Mensch käme auf den Gedanken, aus einem Flugzeug zu springen und zu sagen, einen Fallschirm besorge ich mir später, der wird schon noch entwickelt. Das wäre wohl für ihn zu spät.
Also kurz und bündig:
Wenn Abfälle der Atomwirtschaft für eine Million Jahre sicher weggesperrt werden müssen und wir gleichzeitig wissen, dass vor 30.000 Jahren die letzte Eiszeit und das schwarze Meer ein Binnensee war und kurz vorher auch die Alpen noch ein tropisches Meer… dann weiß man, dass es auf der Erde keinen sicheren Platz für diesen Zeitraum gibt.
DAS ist das Problem.
Egal, wie groß der Energiehunger ist – wohin mit dem energetischen Abfall?
Für welchen Zeitraum kann man da Sicherheit garantieren und welche Optionen gibt es für danach?
Nehmen wir an, irgendwann wäre eine geregelte und kontinuierliche Entsorgung der Atomabfälle in den Schmelzmassen unserer Sonne möglich. (einzige Möglichkeit, um eine Rückkehr zur Erde zu verhindern oder genau jenen Planeten irgendwo zu verseuchen, den wir vielleicht mal bitter brauchen werden)
Nehmen wir das an und verdoppeln zur Sicherheit die Zeitspanne bis zu diesem Augenblick, haben wir neben dem grundsätzlichen und bislang ungelösten Problem der „Zwischenlagerung“ bis dahin auch noch zusätzlich das Dilemma, nachfolgenden Generationen ultimativ das Problem von „Sein oder Nichtsein“ aufgebürdet zu haben.
„Den Enkeln fällt bestimmt etwas ein!“ sagte sich einst der letzte Holzfäller auf den Osterinseln…
Apr 07
FranzAllgemein, Fundstücke, Geld
So nennt sich ein Beitrag in der Zeitschrift WiSt (Wirtschaftswissenschaftliches Studium) 4/2011
Ein Interview mit Prof. Dr Bernd Raffelhüschen, Lehrstuhlinhaber für Finanzwissenschaft und Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Vorstandsmitglied der Stiftung Marktwirtschaft.
Der Herr Professor zeigt sich als Extremfachmann seines Fachs, hochintelligent und mathematisch versiert und als ein vollkommener Idiot.
Fachkenntnisse sind eben nicht Bildung.
Zwei Zitate:
„Wenn heute jemand im Kreißsaal geboren wird, kostet er bereits Geld. Das bedeutet, dass der Barwert der Zahlungen, die der Neugeborene über sein ganzes Leben verlangt, höher ist als der Barwert der Beiträge, die er Zeit seines Lebens zahlen wird… wir sind nicht in der Lage, die Lebensforderungen eines Neugeborenen über seine Beiträge zu refinanzieren. Das ist ein untragbarer Zustand. Nachwuchs sollte uns etwas bringen. Tatsächlich ist er aus fiskalischer Sicht zunächst eine Belastung.“
„Ja, diese Generation ist selbst schuld. Denn die heute 30 bis 60-Jährigen sind diejenigen, die nicht die Kinder in die Welt gesetzt haben, die notwendig gewesen wären, um ihr Rentensystem zu finanzieren. Folglich wurde nach dem Verursacherprinzip gehandelt. Diejenigen, die das Kollektiv der Zukunft kleiner gemacht haben, müssen mit den Konsequenzen leben.“
Das brauchte man eigentlich nicht zu kommentieren. Mathematisch stimmt alles, kann man nachrechnen. Außerhalb der Mathematik stimmt nichts.
Wir blicken auf ein Jahrzehnt erhöhter Arbeitslosigkeit zurück. Höhere Wirtschaftseffizienz bei geringerem Personalbedarf. Ohne Geburtenknick wäre womöglich nicht die Zahl der Beitragszahler, sondern die Zahl der Arbeitslosen höher gewesen.
Wenn Kinder eine barwertberechnete Belastung sind, warum brauchen wir davon noch mehr?
usw, usw…
Wenn sich die Bevölkerung seit 100 Jahren verdoppelt hat, und die Produktivität gestiegen ist, wieso eigentlich gibt es dann viel zu wenige Konsumenten und Beitragszahler, dafür unerträglich viele Sozialnassauer?
Weil zugelassen wurde, dass zunehmend Fachleute und damit meine scheuklappenbewehrte Spezialisten am Lenkrad des Lebens sitzen und eigentlich seither die Bildung vernachlässigt wurde.
Aber Bildung, auf breiter Basis zu verstehen und komplexe Zusammenhänge zu begreifen, ist eben nicht so effektiv wie das Spezialistentum.
Auch das ist ein Beitrag zum Geld. bzw. zu
(Hermann Lübbe in “Merkur”, 65. Jg., Heft 4, No. 743)
Mrz 31
FranzAllgemein, Demokratie und Recht, Fundstücke, Geld, Gesellschaft
Oder eben doch. Weil es keiner kennt.
Die Zeitschrift „Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken“ ist sicher nur den zuzuordnenden Fachleuten ein Begriff und selber habe ich auch nur hie und da etwas geblättert.
Wie jedes Heft kostet auch April 2011, Nr. 743 insgesamt 12,00 Euro und ist damit für die Allermeisten eben nicht die billigste Alternative, nur mal so etwas vor sich hin zu lesen.
Aber allein der erste Artikel in diesem Heft ist sicher ein Vielfaches wert. Gut geschrieben und über weite Strecken auch für „jedermann“ lesbar. Das macht aber nicht den Wert des Artikels, sondern der Wert liegt darin, dass unübersehbar ganz lange über ihn gesprochen und gestritten werden kann – und dies zusätzlich zum originären Erkenntnisgewinn. Da steht mehr drin, als drinsteht.
Lohnt aber nicht, dies zu erörtern, wenn niemand den Artikel kennt. Hier soll nur gesagt werden, dass der Erwerb des Heftes sogar dann lohnt, wenn das nur unter Verzicht und Opfern möglich wäre.
Wie gesagt, es steht mehr drin, als die akademische Titelformulierung vermuten läßt, die sicher Nichtakademiker eher abschreckt und Akademiker zu einem „das Übliche!“ verleitet und gähnen läßt.
(Den Akademikern sei das unbenommen, da an theoretischem Fachsimpeln wirklich kein Mangel herrscht.)
Allen anderen sei angeraten, ausnahmsweise mal verschwenderisch zu sein und sich das Ding trotzdem zu besorgen, meinetwegen illegal.
Der betreffende Artikel ist von Hermann Lübbe und nennt sich „Die Werte, die Kultur und das Geld“
PS
Wenn ich sage, man könne drüber streiten, heißt das gewisslich, entgegen dem logischen Anschein von Lektürebegeisterung, man kann anderer Meinung sein, zumindest in Detailpunkten – und es öffnet sich ein ganzer Kosmos an Verstehen, Denken und Erkenntnissen. Es ist gar nicht wichtig, einhelliger Meinung zu sein. Womöglich sogar hinderlich, den ganzen Reichtum zu entdecken.
Mrz 18
FranzGeld, Gesellschaft
Eben! Das ist bloß ein blöder Spruch. Ein Blickschutz, hinter dem sich die wahren Triebkräfte verstecken.
Die von den Ereignissen in Japan betroffenen Menschen haben mein allertiefstes Mitgefühl. Und da kann ich auch nicht auf die Hoffnung verzichten, dass möglichst viele Menschen mit möglichst minimierbaren Verlusten aus den Vorgängen herauskommen. Das gilt für jeden einzelnen.
Darüberhinausgehend fällt der Hoffnungspegel ziemlich gering aus und ist durch hoffnungslose Verzweiflung ersetzt worden. Nicht durch eine Katastrophe oder ein besonderes Ereignis, sondern durch das aufmerksame Durchleben der mir zugebilligten Lebensspanne und die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmitteln. Vielleicht sollte ich für beides mal eine Pause einlegen.
Das heutige Manager Magazin 4/2011 hat heute einen genialen Coup gelandet. In absehbarer Zeit wird das Magazin auf einen heutigen Artikel verweisen und stolz auf Weitsicht pochen. Schon damals (also heute) haben sie gewarnt. Die Saat ist im Boden, geerntet wird später. Noch abgelenkt von anderen Entsetzlichkeiten, wird wohl kaum jemand heute sich wirklich damit beschäftigen wollen.
Später wird man sowieso müssen…
Noch im Schwindel (Taumel) um die Risiken der atomaren Verstrahlung, die allein durch die mathematische Messung von Dichte zur Zeit erklärbar wird ,
(atomarer Müll soll undurchdringlich weggeschlossen in einer Million Jahren völlig ungefährlich sein… – aha, wo ist denn dann die eingesperrte Strahlung hin?)
verschwindet der Schwindel (Lüge) um eine andere Gefährdung ins Unbegreifbare und wird auch nur noch durch reine mathematische Modelle erklärbar: der Wert des Geldes.
Geld selber gewinnt gerade durch zunehmende Unsichtbarkeit ungeheuer an Dichte je Zeiteinheit. Es wird nicht nur immer mehr, sondern weil man es immer weniger fassbar mit sich herumtragen kann oder in einen Tresor legen, vermehrt sich der Druck zum Beweis tatsächlicher wirksamer Existenz. Es muß in Bewegung bleiben!
Man stelle sich vor, alle diese digitalen Werte und Ziffern würde man in einen Rechner sperren und dem dann den Stecker ziehen. Sie wären futsch. Gold konnte eingeschmolzen werden und war immer noch da, Papiergeld konnte man verbrennen, doch war dieser Tauschwert noch einigermaßen durch reale Sachwerte gedeckt. Digitales Geld aber ist zumeist die spekulative Erwartung auf einen Zukunftsertrag. Und wenn da die Hoffnung schwindet, muss schnell eine neue hoffnung her – sonst wäre der Geldwert futsch, nur noch einfache und wertlose Zahlen und Ziffern!
Und wieder einmal sammeln sich riesige Halden an Zahlenmaterial, im Soll und im Haben, die schnellstens mit irgendwelchen Hoffnungen beheftet werden müssen, damit dieses Pseudogeld einen Wert ausweisen kann.
Wenn früher ein Schiff kenterte oder eine Scheune abbrannte… schade und weg, aber mit Zahlen kann man vielleicht noch was machen. Z.B. kann man Schulden verkaufen. Sogar mit Gewinn.
Der Artikel im manager magazin heißt übrigens „Kasino Fatal – Finanzmärkte.Die Spielhalle ist wieder eröffnet.“
Vielleicht fehlte deshalb das Geld dafür, simple Teichpumpen ins Meer zu schmeißen, mit einem Dieselaggregat Strom zu erzeugen und per Gartenschlauch ein paar havarierte Kernreaktoren zu kühlen. Geld und Diesel wurden für Hubschrauber gebraucht, die von außen gegen das Reaktorhaus pinkeln durften.
Wenn ich mir hin und wieder den Luxus von Hoffnung erlaube, dann den, dass es irgendwo in der Welt eine breit vernetzte Gemeinschaft von klugen Leuten gibt, die von einer beliebig und willkürlich vermehrbaren Geldmenge unabhängig machen und vielleicht eine absolut endliche Größe als Verrechnungseinheit finden, wo man dann erkennen kann, dass das Mehr an Wohlstand ganz logisch zu einem höheren Teiler führt, weswegen der Preis als Zähler kleiner wird, wogegen eben auch ein Weniger an Wohlstand zu höherem Preis führt.
Das gesunkene Schiff und die verbrannte Scheune hätten dann keinen Wert mehr, mit dem sich prächtig spekulieren könnte.
Wohltuenderweise werden solche Hoffnungsanfälle immer seltener. Gleichgültigkeit macht stark.
Das kommt also danach?
Nov 05
FranzAllgemein, Fundstücke, Geld, Gesellschaft
geb ich mein Staunen kund über die Änderungsfähigkeit deutscher Fiskalpolitik.
Schäuble will den Kommunen und Gemeinden das Recht einräumen, z u s ä t z l i c h ein Gemeindezuschlag auf die Einkommenssteuer zu erheben. Sie dürfen auf den weiterhin bestehenden Satz was draufsatteln und auch die Gewerbe- und Hundesteuer behalten. Weiteres Gemauschel mit Anteilen und Lastenausgleich soll jetzt nicht interessieren.
Ich finde das schon interessant, da es für den Steuerbürger eine Mehrbelastung darstellt, die aber keine Steuererhöhung durch den Bund darstellt (die Regierung wäscht sich die unschuldigen Hände!), sondern die gieriegen Gemeinden schlagen zu.
Statt also den blutenden Gemeinden medizinische Hilfe angedeien zu lassen, reicht man Ihnen das Messer zum Selbstmord. Es lebe die Stadtflucht.
Logisch, schon wegen der Hebesätze bei der Gewerbesteuer haben viele Firmen ihren Laden außerhalb der Ortsschildgrenzen und viele private Autos laufen versicherungtechnisch über die Oma in Kleinkleckersdorf und jetzt wird den Stadtbewohnern durch den Einkommenssteuerzuschlag in unterschiedlicher Höhe nahegelegt, doch lieber außerhalb im Grünen zu wohnen?
Zum Theaterbesuch und den Abschluß obiger Versicherungsverträge fährt man halt mal in die Stadt….. Im Dorf ist auch die Straßenbeleuchtung und das Verbrecherunwesen nicht so üppig !
Eine Ermutigung für Ärzte eben doch aufs Land zu ziehen.
Bin ich bescheuert?
Da die Gemeinden erst einmal jubeln, muß ich wohl einen Denkfehler haben.
Doch, mir ist was eingefallen:
Einerseit werden Nichteinkommenszahler die Mehrheit städtischer Vollbürger stellen und über ihre Alimentierung den Zusammenbruch der städtischen Wohnungswirtschaft verhindern und andererseits wird den Geringverdienern der Solidargedanke vertraut, den betuchten Stadtgästen die Stadtinfrastruktur zu finanzieren: Museen, Galerien, Winterdienst, und Müllabfuhr…
Die Refinanzierung der Gemeinden erfolgt dann über den Verkauf der vorher eingemeindeten Speckgürtel…
Zum Weihnachtsmarkt treffen sich dann ehemalige Nachbarn wieder beim Glühwein wieder.
(Ich meine, wenn neuerdings in Deutschland die kleinste steuerliche Recheneinheit die Milliarde ist, muss die Umlage gewaltig sein.)
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