Apr 05
FranzGesellschaft
Klingt griffig, stimmt so aber nicht. Denn man muss das Ziel auch kennen.
Erst dann ist man vom schematischen Ablauf befreit, kann frei mit Regeln hantieren und tatsächlich einem Plan folgen.
Sehr gut macht sich das am Beispiel der Äquilibristik.
Für den Artisten, der davon lebt, ist es zwar wichtig, in staunenswerter Qualität und Vielfalt seine
Objekte im Gleichgewicht zu halten, entscheidend aber ist die gute Show als Ganzes. Das Ziel ist die atemberaubende Show, für die das Publikum zahlt. Ob er nicht nur in seinem Übungskeller, sondern auch auf der Bühne, 4 oder 12 Objekte in der Schwebe hält, verliert seine Bedeutung, sollte er als Langweiler und graue Maus das Publikum nur zum Gähnen bringen.
Noch genauer (wenn auch vielleicht weniger verständlich) konturiert die Äquilibration die grundlegende Bedeutung eines jeden Ziels.
Und nur scheinbar, also anscheinend, loben in der “ Psychologie heute“ (Mai 2012) zwei Beiträge die planfreien Erfolge:
Seite 26 „ Das war so nicht geplant. Warum Umwege oft schneller zum Ziel führen“
Seite 20 „Sich durchwursteln: Die Kunst der Improvisation“
Beide Artikel unterstellen mehr oder weniger laut ein Ziel, einen Zukunftsentwurf.
Der schlichte Plan und die Organisation von Etappen sind fast immer zum Scheitern verurteilt. Wir leben in vernetzten, hoch komplizierten und adaptierenden Systemen, die sich gegenseitig beeinflussen. Da wird den geplanten „next steps“ ganz schnell mal der Boden unter den Füßen entzogen.
Doch auch wenn der Plan nur noch Makulatur ist – umso besser, wenn man sich des Ziels vergewissert. Nur dann, mit diesem Leitstrahl eigenen Tuns, fallen die Reaktionen auf widrige Umstände deckungsgleich mit den bewussten Aktionen zum Erfolg zusammen. Daneben hört man nur das freudige Gackern der blinden Hühner…
Übrigens passt eine Leserzuschrift von Toni Weiser aus Dortmund ganz wundervoll in diesen Zusammenhang. (S. 7)
Das Heft gibt es demnächst am Kiosk.
Antibeispiele finden sich im wirklichen Leben zuhauf.
- Dem Hungernden wird nicht Brot sondern Geld gegeben.
- Sozialhilfe erfolgt durch Grundversorgung bei gleichzeitiger sozialer Ausgrenzung.
- Das Kinderbetreuungsgeld wird gezahlt, damit die Eltern nicht die geförderten Kinderbetreuungsstätten nutzen und nicht wieder in die Arbeitswelt zurückfinden.
- Die Studienkosten werden dem bar ausgezahlt, der nicht studiert. (noch nicht realisiert)
- Für die Wertstabilität des Geldes wird es inflationär gedruckt.
- Für die Sicherung der Gesundheitsversorgung werden die Leistungen gestrichen.
- Weil die Käufer fehlen, soll die Produktion wachsen.
Ach ja… die Mär vom Wachstum!
Wachstum wird in Geld ausgedrückt und am Umsatz von Waren und Dienstleistungen festgemacht.
Bleiben da noch Fragen?
Immer wieder hört man vom Ziel, Umsatz zu steigern. Besser kann man sich die eigenen Ziele gar nicht verkleistern!
Denn was wird eigentlich gemeint?
Das Ziel ist die stärkere Marktdurchdringung mit nachhaltiger Kundenbindung und wachsendem Ertrag.
Da kann steigender Umsatz sogar schädlich sein. Wer nur diese Stellschraube bedient, kann bei einem Mehr an Aufwand, den Ertrag mindern. Auch bei gleichen absoluten Ertragszahlen wächst die Crashgefahr, wenn das stetig wachsende Umsatzvolumen mal ausnahmsweise nicht fortgeführt werden kann. Umsatzwachstum kann das Exklusivitätsgefühl der Bestandskunden mindern und den Markt überschwemmen.
Marktdurchdringung und Nachhaltigkeit kommen ganz gewiss nicht aus Menge und Volumen. Die kommen aus Qualität und Innovation. Ertrag ist eben die Differenz von Verkaufspreis und Gestehungskosten. Auch bei sinkendem Umsatz.
Aber wir lieben nun mal Märchen. Die gehen meist gut aus, haben kein Ziel und entbehren jeden Plans.
Apr 03
FranzGeld, Gesellschaft
Das Schicksal verhandelt nicht.
Mag ja sein, es ließe sich etliches unter der Rubrik „kuriose Welt“ unterbringen, anderes gehört jedenfalls nicht dazu. Es folgt notwendiger Folgerichtigkeit.
Ich fand ja schon lustig, höchst real unter einer Ladenbimmel durchzuschreiten, nach Sichtung der Auslagen und intensiver Beratung eine App zu kaufen, um dann dem Funkloch entflohen wieder daueronline mittels der App den Gelüsten und Meriten frönen zu können…
Aber noch lustiger finde ich die Ankündigung in der “Internet World Business” vom 02.04.2012:
„Das Bargeld geht online“
Nach glaubhaften oder unglaublichen Untersuchungen seien 60 % der Deutschen nicht für eine Onlinezahlung zu gewinnen, weil sie entweder diesem Zahlungsweg nicht trauen oder eben gar nicht über die erforderliche Kreditkarte verfügten. Angeblich tummelten sich diese Ignoranten in den Altersgruppen 50+ und unter 30. (auch interessant…)
Die sollen nun als Onlinekäufergruppen erschlossen werden. Durch die Möglichkeit der Barzahlung.
Der Weg ist bekannt und simpel, es fehlte nur der Mut ihn zu beschreiten.
Ein Onlinekäufer, der Barzahlung wünscht, bekommt einen Barcode generiert, der an einem beliebigen Point of Sale eingelesen werden kann und durch Barzahlung seine Ausliefersperre aufhebt. Die Ware ist ab sofort zum Empfänger unterwegs.
Die beiden Anbieter „Barpay“ und „Barzahlen“ haben sich dazu diverser Großhandelsketten verpflichtet, um die benötigten Tausende von Akzeptanzstellen aufzubieten, bei denen quasi nebenbei die künftigen Onlineshopper ihr Cash abliefern können.
Sollte sich dies Verfahren etablieren, hätte dies für die Ängstlichen noch einen weiteren Vorteil:
Außer einer beliebigen Anlieferadresse erfährt der Verkäufer absolut nichts über den Käufer. Gar nichts!
Statt sich mit den Vorlieben eines Kunden zu quälen, können so die Produzenten sich wieder ganz auf die Qualität der Produkte konzentrieren.
Mrz 13
FranzGesellschaft
Doch was dem Odysseus als Verlockung in die Ohren kam, setzt heute eher auf moralische Entrüstung, Ratgebertum und geradezu unmanierliche Verbrüderungsgeste.
- Halt dich fit
- Ernähre dich gesund
- Sei clever
- Wir sind die besseren
Und alle wissen das!
Wo immer man sich anschließt, steht man auf der richtigen Seite der Barrikade. Wenn man nur klug genug ist, sich dem Verführer anzuschließen.
Immer wieder sieht man sich einer objektiven Wahrheit ausgesetzt, die begründungs- und argumentfrei sich allein dadurch legitimiert, eben mit der Autorität eines Berufenen vorgebracht zu werden. Geheimes gelehrtes Insidertum.
„Wie hältst du`s mit der Kunst?“
fragt Christian Horn im Theater der Zeit März 2012 und beleuchtet die Kulturleuchttürme in Leipzig. Von Kunst redet er dabei wenig, sondern von Spektakel und Aufmerksamkeit. Muss er ja auch nicht. Als Insider gesetzt, bleibt er von Verständigungszwängen befreit, muss sich nicht mit Ansichten und Meinungen plagen und kann frei schwebend den interessierten Adepten belehren. Verweise auf innere Zirkel und Klüngel genügen.
Die Krise der darstellenden Künste in Leipzig sei genau dort ausgebrochen, „wo die Frage nach der Kunst selbst im Mittelpunkt steht.“ Er meint, das jene Regisseure die Stadt verlassen, die „nicht nur die prominentesten“ seien, sondern „deren Kunst polarisiert, kommentiert, sich nicht wegduckt, mitunter so rabiat ist, wie Kunst sein muss und sein darf“
Und da haben wir ihn, den zweifelhaften Sachverstand.
Dürfen? Ja. Müssen?… zweifelhaft.
Polarisieren? Sollte nicht eher etwas anderes erreicht werden? Hier wird ein Stilmittel zum Selbstzweck erhoben. Und kann sich Kunst überhaupt „wegducken“? Noch zweifelhafter.
Trari, Trara und Fallada….
Und „…fließen die Steuergelder demnächst nur noch in Bühnenbetriebe, deren oberstes Ziel der Konsens mit dem Kunstgeschmack von Bürgern ist, die von der Geschichte längst überholte Theaterästhetiken reklamieren?“
Allein in diesem Satz stecken mehr unverdauliche und manipulative Behauptungen als Buchstaben.
Kunst ist alles „auch“, lässt sich aber nicht auf eines oder wenige dieser „Auchs“ reduzieren.
Ich finde es nicht gar so schlimm, wenn die zahlenden Mitglieder erst einmal etwas für sich und den eigenen Geschmack wollen und dann vielleicht auch zur Andersartigkeit geführt werden. Und nicht jeder Blütentraum muss reifen…
Diese Ansammlung von heiteren Slapsticknummern im Leipziger Theater der vergangenen drei Jahre ist eine ziemlich ungeistige Verbindung von Lehrsatz mit Pose oder es kommt daher mit der dreisten Behauptung, in der Materialfülle sei alles vorhanden und eine Erklärung gäbe es nicht. Wir sehen nur auf hochkünstlerische Weise die Undurchdringbarkeit der Welt. Nonsens!
Ein Beispiel für dieses pseudointellektuelle Kopftheater wird mit „Vatermord“ in der Inszenierung von Robert Borgmann angeführt. Regiearbeit mit kluger und entschiedener Handschrift und mit Festivaleinladung…. Mag ja sein – aber langweiliges Stehtheater mit überbordender Requisite. Weil drei Lehrsätze des Generationenkonflikts und eine Schublade von Verweisen auf historische Ereignisse ausgebreitet werden, ergibt sich noch lange kein Theaterspiel! Und schon gar nicht Qualität oder Theaterkunst.
Wie vor einem Fehlerbild sammelt der theoretisierende „Intellektuelle“ Zitate und Geistesblitze und freut sich über die eigene Selbstbestätigung – aber hat er Theater erlebt? Nein, er hat Theater nur gewusst! Die Leipziger „Penthesilea“ wäre ein anderes Beispiel , zumal hier durch Weglassen von vornherein einem „dummen“ Publikum keine Chance eingeräumt wird. Dafür dann die Gags.
Dabei wäre die Sache ziemlich einfach:
Theater ist das, was auf der Bühne gezeigt und gespielt wird. Und nur das!. Lexika und Rezeptionsgeschichte und Insiderwissen werden nicht gezeigt und sind auch völlig uninteressant.
Das Stück und die Inszenierung erklärt sich selber – in allen oben genannten „Auchs“. Einzige Zutat ist das Publikum.
Und das soll nicht bewundern, sondern erleben.
Hofschranzen bitte draußen bleiben.
Mrz 12
FranzGeld, Gesellschaft
Man muss den Artikel im Spiegel (11/2012) erst gut finden, um ihn nachdrücklich und mit Bedacht ablehnen zu können.
„Die Hälfte?“ Vier Autoren werden umgetrieben von Überlegungen zur Kulturpolitik und stellen sich der Frage: „Warum die Subventionskultur, wie wir sie kennen, ein Ende finden muss“
Mir scheint eine ganze Menge Sachverstand zur Klaviatur des Kulturbetriebs versammelt zu sein, samt Pedal und Hocker. Und die überbordenden Zwänge sind nicht zu übersehen oder zu leugnen und lassen sich landauf landab auch nicht länger ignorieren. Es geht um ein gescheitertes Konzept.
Jedem Bürger soll Zugang zur Kultur gewährt werden…
Aber – wie so mancher Naturfreund die wandernde Mondscheibe anschmachtet – gesehen wird immer die lichtbestrahlte Hälfte und die im Dunkeln sieht man nicht.
Dieser Unterschied ist gerade am Geld deutlich zu machen: Man kann auf den Zahlwert einer Münze starren und auf Besseres hoffen. Hat man aber einen echten Goldsolidus vor sich, ist der Wert nebensächlich und man ergötzt sich an der Prägung.
So ist auch Kultur. Sie ist einfach – ganz unabhängig vom Wert und Geldwert. Sie ist.
Seit aber angefangen wurde, für den Kulturwert nach einem substantiellen Gegenwert zu fahnden, sind die Dinge aus dem Lot. Das Heilsversprechen, aus Kultur und Kunst erwüchse die Rendite einer besseren Gesellschaft, hat sich nicht erfüllt. (Mit scheint sogar das Gegenteil der Fall zu sein.)
Warum wohl nicht?
„Demokratisch mutet der Staat jedem Bürger, jeder Bürgerin eine Mündigkeit im Urteilen und im Gestalten seines Lebens zu. Die Kulturpolitik spricht sie ihm gleichzeitig ab. Sie nimmt ihn an die Leine der kulturellen Erziehung.“
Das mag zwar politisch korrekt sein, ist in der Sache jedoch grundfalsch. Das sind völlig verdrehte Ansichten.
Je komplexer und entfalteter Systeme sind, desto geregelter und organisierter sind die Abläufe. Zum
Schluss bleibt nur der Appell an Einsicht, die von Vernunft begründete Unmündigkeit des Einzelnen zum Wohle aller….
Man bedenke, wird eine neue Möglichkeit eröffnet und gefördert, ist dies oftmals nur der Ausschluss vieler anderer Möglichkeiten. Jeder kennt den Wust an behördlichen Formularen.
Und bei Kultur und Kunst ist es genau gleich. Werden sie in die „beamtete“ Hände einer lizensierten Kennerschaft gelegt, verlieren sie nicht nur mit Schwung an Substanz und werden zu entseelter Formalie, ja die Überreste sind dann geradezu parasitäre Erscheinungen am Wohlergehen der Gesamtmöglichkeiten.
Kultur wird zu einer gesetzten Erscheinung, die meistbietend demontiert wird.
Sie wird lebensfremd.
Das kann nicht gut gehen.
Die Eliten lassen sich fremd finanzieren.
Begehrlichkeiten werden nicht vom Inhalt sondern vom Preis bestimmt. Teilhabe ist Image und nicht Selbstgewinn.
Wo soll da die „Verhaltensrendite“ herkommen?
Statt Bedarf werden Glaubensgrundsätze finanziert. Diese Kultur finanziert nur sich selber und lässt den Rezipienten nur „auch“ zu – natürlich mit Sicherheitsvorbehalten!
Ein anderer Weg wäre denkbar. Z.B. den Bürger finanzieren, der damit sich und seine Kultur ausgestalten kann. Kein Orchester, kein Ballet, kein Theater, keine Galerie, keine Kunstsammlung und kein soziokulturelles Zentrum würde verschwinden. Nur die Gewichtung würde sich ändern. Kein Opernliebhaber würde verzichten müssen, nur würde er gezielter für seine Oper einstehen müssen.
Die würde dann vielleicht nicht als alltägliches Angebot vor der Haustür zu finden sein, aber doch als anstrebenswerter und besonderer Höhepunkt in der Nachbarstadt. Eine Galerie würde beim Ankauf nicht in einem Modemarkt mitbieten, sondern Erbe bewahren. Den Hype des Tages sollte der private Liebhaber anregen.
Eine gesellschaftliche Pflichtaufgabe allein ist die Infrastruktur, die die Möglichkeiten schafft, für die Inhalte müsste dann wieder die selbstbewusste Mündigkeit des Bürgers sorgen, nicht das Diktat von „Berufenen“.
Diese „Berufenen“ könnten dann aber wieder Kultur feststellen, statt sie zu verordnen. Wenn sie denn könnten. Auf der dunklen Seite des Mondes…
Mir ist eigentlich nicht Bange.
Feb 22
FranzAllgemein, Demokratie und Recht, Gesellschaft
Soviel Freiheit muss schon sein.
Überhaupt ist Freiheit eine merkwürdige Sache. Freiheit bezeichnet eine Errungenschaft, die aus Verlusten besteht. Frei von… was eigentlich? Freudvoll will sich niemand erinnern. Frei von Sorgen in all den Nöten.
Merke: Der mündige Bürger ist nicht frei. Auf ihm lastet Verantwortung.
Oder sollte Freiheit reduziert sein auf das positive Sein, überhaupt eine Wahl zu haben? Das wäre sicher ein Missverständnis. Um eine Entscheidung zu treffen, bedarf es keiner vorgelagerten Wahlmöglichkeiten.
Wahrscheinlich beschreibt Freiheit jenen Zustand, in welchem man von der Notwendigkeit zur Entscheidung enthoben ist.
Feb 10
FranzAllgemein, Demokratie und Recht, Geld, Gesellschaft, Schwärmereien
Nicht immer, natürlich nicht. Aber immerhin so oft wird meine lästige Meinung in den öffentlichen Medien bestätigt, dass ich meine ureigenen Selbstgewißheit nicht fatal finden brauche. Eigene Erfahrungen wiegen eben schwerer als jedes Hörensagen von Autoritäten. Gewöhnlich muß ich auf solche Bestätigungen zwischen 7 bis 15 Jahre warten.
Ich kann verschmerzen, dass diese “Neuerkenntnisse” von neuerlichen autoritäten verkündet werden und meine Lästigkeitskonstante erhalten bleibt. Ich freu mich dann nur.
Heute ist so ein Tag.
“Psychologie heute”, März 2012
- “Dumme Dinge . Wie manche Maschinen unsere Intelligenz ruinieren” , wolfgang Schmidbauer ab S. 44
Ich wage zu behaupten, dass später auch vom Verlust der Sozialität gesprochen wird, “Burn Out” nicht auf Überlastung durch Ehrgeiz, sondern auf Sozialitätsverlust zurückgeführt wird und die “Schwarmintelligenz” gar keine ist, sondern nur eine selbstregelnde Mehrheitsbestimmung…
- “werfen Sie einfach eine Münze…” meint Gerd Gigerenzer (MPI für Bildungsforschung) ab S.64 und ersetzt damit auch eine überoptimierte Strategieplanung mit Kommissionsfindungskommissionen…
während die physikalische Abschaffung der “Zeit” (wegen diverser Axiomswidersprüche) mit philosophischen Termini diskutiert wird, sollte man meinen!, sollte Philosophie, Psychologie und Soziologie ernstlich die “Zeit” mal wieder als Determinante im sozialen Entwicklungsprozeß entdecken und nicht nur der Ökologie und Ökonomie als Werteinheit überlassen…
- “Das nervt! warum wir auf die Zumutungen des Alltags nicht gelassen reagieren können” ab S. 20 + Folgebeiträge
Wunderschönes Heft diesmal.
Und wenn ich schon dabei bin, kann ich auch gleich der vorwochenfreude etwas nachhängen und das Februarheft von “soziologie heute” (www.soziologie-heute.at) verweisen. Die moderne Freiheit schafft das Zeitalter der Angst.
Obiges Heft spricht von der “Lust am Umtergang”, S. 40, und dieses hier titelt: “Der Umgang mit der Unsicherheit. eine kultursoziologische Betrachtung”.
Fand ich gut.
Und erinnerte mich an den “Spiegel” 6/2012 ab s. 52: “Frei schwebend in der Wolke – Der Software-Konzern IBM plant eine Radikalreform seiner Belegschaft. ein internes Papier zeichnet die Blaupause für die Arbeitswelt von morgen: Kleine Kernmannschaften dirigieren ein Heer freier Mitarbeiter – weltweit.”
nunja, das hat die Logistikbranche ja schon hinter sich und dabei Unmassen von sauglücklichen freier Kleinunternehmern geschaffen, die regelmäßig nach 2-5 Jahren den finanziellen Offenbarungseid leisten und dafür 15 schneller gealtert sind. die positive Seite dabei ist, die großen Logistikanbieter sind darüber ökologisches Vorbild geworden – sie besitzen ja selber keine Fahrzeuge mehr… Preise und Medaillen haben sie vom Staat dafür schon bekommen…
Die Zukunft macht einfach neugierig.
Nov 09
FranzAllgemein, Demokratie und Recht, Geld, Gesellschaft
Jaaa… das Gewissen. Wieviel ist die eine Frage, zu welchem Preis eine andere.
Die Gesetze der Physik lassen sich eben nicht aushebeln, weder real noch virtuell, weder im Stabilbaukasten noch in der Sozialität.
Aktion = Reaktion
Das gilt tatsächlich, auch wenn man daran zweifelt. Manchmal hört man sich die Ohren wund im Glauben, eine Reaktion gefordert zu haben. Ging man von falschen Voraussetzungen aus. Sagen wir mal, ein bereitwilliger Mensch ergattert einen Bürojob mit der konkreten Arbeitsaufgabe, die Fensterscheibe dünn zu gucken… Darf man wohl keine schnellen Ergebnisse erwarten.
Da stimmen dann Ziele, Mittel und Bedingungen nicht.
Deutsches Ärzteblatt, Jg 108, Heft 42, 21.10.2011, berichtet…
über eine weltweite Epidemie psychischer Erkrankungen und zitiert das World Economic Forum (WEF) und die Harvard School of Public Helth, deren Septemberbericht 2011 davon ausgeht, dass derzeitige Jahreskosten von 2,5 Billionen Dollar für psychische erkrankungen demnächst leicht auf 6,0 Billionen steigen könnten.
Schon die Aufzählung der vorhandenen und notwendigen Behandlungsressourcen läßt keinen Zweifel: sollte dies ein Ziel sein, wäre das leicht zu erfüllen.
Es gibt jetzt die “Grand Challenges in Global Mental Health Initiative” mit 400 Experten aus 60 Ländern, die in 184 Staaten zur Anwendung kommt. Dazu haben sich weitere 95 Institutionen und knapp 2000 Einzelpersonen zu einem Netzwerk “Movement for Global Mental Health” zusammengeschlossen, um die uralte “Call for Action” mit Leben zu erfüllen.
( http://www.globalmentalhealth.org )
Schade nur, dass die von der Pharmaindustrie unterstützte Suche nach der Verbesserung der medizinischen Behandlung psychischer Erkrankungen zwar auch eine Klitzekleinigkeit Prävention beinhaltet, nicht aber wirklich nach grundlegenden Ursachen für diese Krankheiten sucht.
“spiegel wissen” spricht vom “Gau für den Sozialstaat” und meint lapidar zu 50 Milliarden Behandlungskosten in Deutschland allein nur für “…ich habe Rücken…”:
Unzufriedenheit am Arbeitsplatz macht Millionen Menschen rückenkrank!
(es kam also nicht auf ergonometrische Arbeitsplatzeinrichtungen an, oder?)
Aber was soll`s?
Ein kleiner Nebensatz in einem ganz anderen Zusammenhang hat mich aufhorchen lassen.
Ich hatte mich doch kürzlich mit Eifer empört, das die Demokratieerfinder jetzt auch noch abstimmen wollen und damit einhellige paneuropäische Aufregungen zugespitzt… Hatte ich doch?
Nun im “Focus Money”, Nr. 46 vom 09.11.2011 liest sich das so:
“Doch ist die Euro-Krise so weit fortgeschritten, dass Euro und Demokratie offenbar nicht mehr zusammen, sondern nur noch alternativ zu haben sind.”
Wenn das sich rumspricht, wird Europas Elite ganz sicher gemütskrank! Wir sollten ein paar Billionen zur Behandlung in Reserve halten…
Okt 20
FranzAllgemein, Gesellschaft
Der Mensch an sich ist so. schon immer gewesen. Die Flohmärkte jeder Couleur gedeihen.
Wie man etwas kauft, was man nicht braucht, aber haben will, kann man sich Gedanken aufschreiben, die man ja schon im Hirn hatte. Warum ist so?
Dieses Sammeln folgt ganz sicher zwei sich ergänzenden Sichtweisen. Erstens gibt es den Vollständigkeitsfanatiker und zweitens den Blütenleser. Der eine ist Dokumentarist und der andere ein Ästhet. Beide schaffen damit einen Wert, an dem sie sich orientieren und damit gleichzeitig den Wert des anderen entwerten.
Dabei gehören Prozess und Ergebnis zusammen. Die kann es nur zusammen geben. Ohne Ergebnis verliert sich jedes Tun in der Erinnerung (Die Dampfmaschine des Heron von Alexandria) und ohne Entwicklungskunde staunt man wissensfrei (Schatz des Priamos).
„Aus Erfahrung gut“ hieß mal ein Werbeslogan. Auch das kann schief gehen, wie die „Allgemeine Electricitätsgesellschaft“ zeigte. Erfahrung ist die Kenntnis des Weges zum gewünschten Ziel.
Aber man kann eben nie wissen…
Und manchmal ist man einfach nur überrascht. Solche Momente sind einmalig. Die kann man bewahren, aber nicht sammeln – und haben gerade deshalb bleibendes Potential. Man weiß eben nie…
Weil gestern der Goldpreis um 14 Punkte abgestürzt ist, fand ich heute den Aufsatz von Georg Karahalios äußerst interessant: „Ab wann ist Gold zu wertvoll? Der Entwurf einer Ausstiegsstrategie aus dem Gold“ Ich wurde nicht enttäuscht.
„Bewahren“ will ich mir aber eigentlich eine Formulierung dieses Textes, die so pointiert ist, das sie für mich das „Gold“ dieses Textes ist.
„Schulden sind heute der Eckpfeiler jeder Beziehung – der Beziehungen zwischen Familienmitgliedern, Berufsgruppen, der lokalen Bürgerschaft, Aktien-, Anleihe- und Rohstoffmärkten, und jetzt sogar der Beziehungen zwischen den Nationen!
In der westlichen Welt tritt das Problem jetzt sehr klar zutage: Es gibt schlicht nicht genug Einkommen, um die Schuldenlast zu bedienen.“
Da sträubt sich alles (zumal wenn man die Reihenfolge ernst nimmt), aber wenn man die im Satz vorgeführte Entrüstung „…und jetzt sogar…“ genauer betrachtet, folgt man den Spuren der Globalisierung und merkt, „Schulden“ sind nicht „Geld“, sondern „in der Schuld stehen“ und meint die wechselseitige Verpflichtung.
Und schon sinnt man über das Wesen des benannten „Einkommen“nach.
Okt 10
FranzAllgemein, Gesellschaft
„Der Mann, der die Zukunft erfand“ und „Banker, hört die Signale“ sind zwei Artikel, die im Heft 41/2011 jenes Nur-Glotzen dokumentieren, wenn denn alle intellektuelle Kraft auf die Verweigerung konzentriert ist.
Da Zukunft nicht verhinderbar ist, kann man die wohl kaum erfinden. Wenn gescheiterte Ansätze im Nachgang durchgesetzt werden, kann man ganz bestimmt Durchsetzungskraft bewundern, keinesfalls aber den Messias feiern.
Immer, wenn eine Teilnehmermasse das Gleichgewicht verändert, kommen Steine ins Rollen. Den betörenden Klebstoff zu schaffen, welcher gravitätisch die Masse bindet, kann durch Wissen, durch Überzeugung, durch Manipulation oder durch Gaukelei, durch Ängste und Sehnsüchte, durch Bequemlichkeit oder exklusive Eitelkeit bewirkt werden. Wird ein Feuer ganz intensiv bewartet, saugt es aus immer ferneren Gegenden und immer schneller den Sauerstoff an, lodert heller und größer – und erstickt dann selbstverzehrend.
Verlohnt es denn, ausgeschlagene Alternativen aufzuspüren? Vorbei ist vorbei. Die Zukunft wird davon nicht ärmer . Und linear auch nicht.
Wo sind eigentlich die Diplomtaxifahrer von Kairo? Die Gesamtmasse an Unzufriedenheit hat die gesellschaftlichen Hierarchien im arabischen Raum zersprengt und viele namenlose Helden für die Geschichte hinterlassen. Sonst noch etwas?
In den USA wächst jetzt eine Welle der Unzufriedenheit. Der Spiegel berichtet…. Nichts! Die Demonstranten wollen ein größeres Stück vom Kuchen. Aber der Kuchen soll so bleiben, wie er ist. Er wird nie für alle reichen. Was soll draus werden? Ein Rotationsprinzip der Verteilung? Einen gerechten Anteil am Mangel?
Was KÖNNTE denn draus werden?
„Lieber nicht! Wir werden doch nicht unsere eigenen Überzeugungen in Frage stellen…“ schweigt der Spiegel.
Okt 07
FranzGeld, Gesellschaft
so schrieb ich denn als Antwort an den Torschützenkönig am 22. vor einem Jahr:
“Mal ein Beispiel zum Muttermilchlebensgefühl: nördlich und südlich der Alpen…
Ein Deutscher nimmt einen Kredit auf und hat ein Problem: wie soll er den nur zurückzahlen….?
Ein Südeuropäer nimmt einen Kredit auf und hat kein Problem. Alles so, wie er es wollte. Bestens. Das Problem hat der Kreditgeber…”
Mir scheint das aktueller denn je, obwohl draus gelernt wurde. Die Kreditgeber wandeln sich zu Gläubigern und geben das Kreditrisiko einfach weiter. Hat bei Verbriefungen schon mal geklappt und scheint jetzt ganz ohne Pfand erneut zu klappen. Man trennt den Gewinn vom Risiko und verkauft letzteres weiter.
Ich rede natürlich von den Banken. Genau genommen waren die nie nur Gläubiger, sondern immer auch Schuldner gegen ihre Sparer, Anleger und Kontoführungsverpflichteten. Die wußten nur nie genau, ob sie nicht nur Gläubiger ihrer Einlagen waren, sondern vielleicht zusätzlich auch Bürgen für das Bankenroulette.
Jetzt wird das Risiko gestreut und somit “gemindert”. Die Weitergabe der Kreditrisiken an Zentralbanken verteilt die Risiken gleichmäßig auf alle Währungsnutzer. Das klassische Schneeballsystem also…
(Besonders clever sind dabei die Italiener. Bis gestern befanden sich Schuldner und Gläubiger innerhalb der Landesgrenzen. Jetzt konnten sie die Risiken exportieren… )
Aber wir sollten uns nicht aufregen. Die Grundregel lautet seit eh und je und tausenden von Jahren:
Schulden sind die sicherste Währung!
Gut, wenn man die ausreichend im Depot hat…
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